Roterzer Herzklopfen - Öl ins Feuer

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Derweil in einem Wäldchen bei Bochswies (Anfang Rondra 1041)
“Sollen wir uns den jungen von Sindelsaum schnappen? Wenn der draufgeht gibt’s kein zurück mehr.”
Sephiran lächelte, winkte aber ab. “Nein den lasst man laufen. Ich habe was ganz anderes vor. Wir schnappen uns den Wendelhardt”
Seine Leute schauten etwas irritiert, “aber der ist doch nur ein Waffenknecht.”
“Genau, aber er dient den Grobhands und Halmar kennt ihn.” Verständnislos blickten sich Sephirans Schergen an, zuckten dann aber mit den Schultern und taten was ihnen befohlen wurde.

Einige Tage später in Sindelsaum, Dachsbau (Mitte Rondra)
Reto III. hatte es sich mal wieder unter seinem Lieblingsbusch bequem gemacht. Es war ein lauer Herbstabend und vorhin hatte ihm schon die kugelige Köchin aus dem Haus etwas essen rausgestellt, das jagen würde sich also heute erübrigen, dann aber hörte er Fußstapfen und als er einen jungen Mann, sowie den freundlichen Bärtigen sah, der hier lebte, war ihm klar, dass er heute abend nicht ungestört bleiben würde.
“Natürlich haben wir die Urkunde Halmar. Ich lasse sie gleich nach dem Essen aus dem Tresor holen. Die Grobhands sind offensichtlich einem Schwindel aufgesessen. In den Ambossbergen ist man wohl etwas einfältig. Das wäre ja an und für sich nicht so schlimm, aber das sie den armen Baduar erschießen und auch sonst äußerst brutal vorgehen kann ich nicht tolerieren.”
“Auch mich wurmt was vorgefallen ist, aber sollten wir jetzt nicht lieber einen kühlen Kopf behalten und versuchen eine Lösung zu finden bei der niemand mehr ums Leben kommt.”
“Du hast Recht Halmar. Gleich morgen schicke ich einen Boten nach Eisenhuett, Roban ist vermutlich etwas aktionsfreudiger, als der Rest der Familie.”
Reto merkte auf. Etwas stimmte hier nicht. Seine Nase hatte einen ungewohnten Geruch aufgenommen. Es roch nach Feuer, aber irgendwie auch ganz anders. Bevor er sich entscheiden konnte was der Geruch genau bedeutete hörte er die Glocke aus dem Ort läuten, aber nicht ruhig und gleichmäßig wie sonst manchmal wenn die Langbeiner alle in das große Haus gingen, nein diesmal war es hektisch und drängend. Die beiden Langbeiner schreckten auf. “Es brennt” reif der jüngere. Beide waren aufgesprungen und blickten Richtung Süden “Das muss die Villa Espensee sein.” Rief der Bärtige und lief los. “Feuer” wurde der Ruf allerorten aufgenommen und die Langbeiner, und auch die kürzeren Langbeine strebten mit Eimern bewehrt gen Süden.
Endlich war das Gequassel vorbei freute sich Reto, aber dafür lärmte nun die Glocke wie blöd und auch die Leute im Ort waren offenbar alle sehr aufgeregt. Genervt machte sich Reto zu seinem Erdloch auf. Für einen alten Dachs wie ihn war heute Nacht eindeutig zu viel los. Gerade als er sich in sein Loch schieben wollte bemerkte er einige Langbeiner die gebückt vom Fluss her zum Hügelhaus huschten. Sie kamen offensichtlich von dem kleinen Boot an der Sindel. Reto kannte diese Langbeiner nicht und sie benahmen sich auch ganz eigenartig, huschten herum, waren gut bewaffnet und drei von ihnen stiegen gerade in ein Fenster ein, dass ihnen von innen geöffnet wurde.
Nur wenige Augenblicke später waren sie auch schon wieder draußen, trugen diesmal aber ein großes Pergament mit sich, schon huschten sie Richtung Sindel davon, als ein anderer Langbeiner dazukam. “Halt stehenbleiben. Wer seid ihr? Gebt euch zu erkennen.”, doch die anderen Langbeiner dachten gar nicht daran stehen zu bleiben, sondern schoßen zwei Armbrüste auf den Neuankömmling ab. Die Bolzen gingen jedoch fehl. Jetzt schoss auch der Neuankömmling zurück, Reto kannte ihn, er arbeitete für den freundlichen bärtigen im Haus, doch auch sein Bolzen ging fehl. Reto konnte das alles gut mitansehen, obwohl es stockdüster war, aber er war eben nachtaktiv. Obgleich der Bolzen in der Sindel verschwand stürzt einer der Schatten schreiend zu Boden. Reto hätte schwören können, dass einer der anderen Schatten auf ihn geschossen hatte. Das machte ja eigentlich keinen Sinn, aber man wusste ja nie bei den Langbeinen.
Die anderen Schatten sprangen jedenfalls in die beiden Boote und machten sich von dannen. Der Sindelsaumer folgte ihnen nur zögerlich, war er doch alleine unterwegs. Reto konnte gar nicht mit ansehen wie er beinahe über den Schatten gestürzt wäre der auf dem Boden lag und sich nicht mehr rührte.
Danach kehrte für eine Weile Ruhe ein und Reto wäre um ein Haar weggenickt, aber dann waren da überall Fackeln und der Bärtige und viele Leute standen um den Toten rum. “Ich kenne den” sagte das junge Langbein mit dem der bärtige vorhin gesprochen hatte. “Das ist einer der Waffenknechte der Grobhands die mit Roban auf Bochswies waren.” “Bist du dir sicher?” fragte der Bärtige. “Ganz sicher.”

Drei Tage später in Schafssturz
Alrik, Ontho und die Schwestern Wiltrude und Waldtraude waren bester Dinge.
“Hätte nicht gedacht, dass das so einfach ginge.”
“Ha. Die haben sich ja kaum gewehrt. Einfacher ginge es ja gar nicht mehr.”
“Ganz wie im Schulbuch. Für Ablenkung sorgen, zuschlagen und falsche Fährte legen, damit sich die anderen die Köpfe einschlagen.”
“Und während die uns an der Sindel Richtung Angbarer See suchen sind wir einfach flussaufwärts gefahren und haben uns durch die Wälder geschlagen. Bis die die Boote finden sind wir längst an Altersschwäche gestorben.”
“Und jetzt können wir uns zurücklehnen und das Spektakel genießen.”

Ein Brief (Ende Rondra 1041)
An seine Hochgeboren Grimwulf Grobhand von Koschtal,

schwer enttäuscht bin ich von euch Hochgeboren. Durch billige Betrügereien versucht ihr euch ein Gut unter den Nagel zu reißen, welches rechtmäßig dem Haus Sindelsaum gehört.
Zuerst vertreibt euer Sohn Roban mein Gefolge mit Gewalt von meinem Grund und Boden
Zu zweit und dritt bedroht euer Sohn den meinen grundlos mit einer blanken Waffe und befördert einen meiner Reisigen vom Leben zum Tode
Zu viert und fünft brennt ihr die Villa Espensee nieder und stehlt die Kaufurkunde aus meinem Besitz, doch einer der euren musste dabei das zeitliche segnen und so kann ich beweisen, dass ihr hinter der Tat steckt, denn der Waffenknecht Wendelhardt stand bekanntlich in eurem Solde.
Ihr habt bis zum 10. Travia 1041 Zeit um das Gut Bochswies zu räumen und Abbitte zu leisten. Sollte dies nicht geschehen werde ich das Gut mit Gewalt nehmen und euren Sohn zur Rechenschaft ziehen.
Gezeichnet und gesiegelt
Baron Erlan von und zu Sindelsaum

Noch ein Brief (Anfang Efferd 1041)
An seine Hochgeboren Erlan von Sindelsaum,

die von Euch aufgeführten Anschuldigungen entbehren jeglicher Grundlage und sind mir zum großen Teil vollkommen unbekannt. Erst aus Eurer Hand erfahre ich von derlei Vorgängen und bin empört über diese haltlosen Unterstellungen. Das Gut Bochswies befindet sich rechtmässig im Besitz des Hauses Grobhand, und mir fällt kein Grund ein, warum ein Sohn des Hauses Sindelsaum Anspruch darauf erheben sollte. Mein Sohn mit dem ihm unterstellten Reisigen unsere Ansprüche zu verteidigen, und stellt Euch darauf ein, dass dies auch für die anderen Angehörigen des Hauses Grobhand gilt!
Eurer Villa Espensee hat sich keiner meiner Reisigen jemals genährt, und schon gar nicht wurde zwielichtes Gesindel mit einem Brandanschlag auf Euer Heim beauftragt!
Ich setze Euch eine Frist bis zum 30. Travia 1040, um Eure Anschuldigungen samt und sonders zu widerrufen. Solltet Ihr versuchen, das Gut mit Gewalt zu nehmen, werdet Ihr feststellen müssen, dass wir unsere rechtmässigen Ansprüche zu verteidigen wissen.
Gezeichnet und gesiegelt
Baron Grimwulf Grobhand von Koschtal zu Roterz

Diebstahl (2. Efferd 1041)
Roban konnte nicht schlafen. Das lag zum einen an seiner Nervosität – würde seine Verstärkung eher anrücken als die Sindelsaumer? Und würde Halmar mit einem Vertrag kommen oder einem Söldnerbanner?
Zum anderen lag das am Geschnarche von Leowina, die sich die Kammer mit ihm teilte.
“Musst du denn jede Nacht den Reichsforst absägen?” seufzte er leise, gab ihr einen Knuff, der das Schnarchen kurz lauter, dann leiser werden ließ, und schlüpfte dann aus dem Bett. Im Dunkel langte er Tabak, Pfeife und Zunderkästchen, dann huschte er ins Freie. Ein anständiges Pfeifchen würde seine Nerven beruhigen, dann konnte er vielleicht doch noch ein paar Stunden schlafen.
Der Himmel war bewölkt und das Gut lag im Dunkeln, wie es zu erwarten gewesen war. Er stopfte die Pfeife, hantierte mit dem Zunder, und nach ein paar Minuten schmauchte er den ersten Zug.
“In was für eine Scheiße bin ich da wieder reingeschliddert!” murmelte er leise und betrachtete die improvisierte Brustwehr, die mit Zaunstickeln bewehrten Mauern und die frisch gestochenen Erdballen, die als Feuerschutz die Holzschindeln der Dächer bedeckten. Nicht wirklich viel, und auch mit den paar Männchen, die Leowina hatte auftreiben können, waren sie vermutlich am Arsch, wenn die Sindelsaumer anrückten.
Er wollte die Pfeife gerade absetzen, als er einen warmen Hauch im Nacken spürte. Seine Ausweichbewegung war instinktiv – er duckte sich nach links ab, und der Schlag streifte nur seine Schulter. Der Angreifer strauchelte, fing sich aber wieder. Das spärliche Licht ließ eine spannlange Klinge blitzen.
Roban ging in Abwehrstellung. Er dachte nicht mehr – denken konnte er, wenn er die nächsten Sekunden überlebte. Sein Gegner duckte sich, schien seine Fähigkeiten abschätzen zu wollen, dann stieß er zu. Roban drehte sich zur Seite, der Stich ging ins Leere, packte den vorschießenden Arm, drehte ihn herum und stieß seinerseits zu. Der Körper bäumte sich auf, ein Gurgeln kam aus der Kehle, dann erschlaffte er.
Roban ließ die Leiche fallen, zog das Messer aus seinem Rücken und sah sich sichernd um.
“Verflucht!”
Er sah nach oben. Auf dem Dach des Haupthauses sah er eine düstere Gestalt, die jetzt wieselflink auf der Außenseite herab glitt. Er hörte das Rascheln der Büsche neben dem Haupthaus – der Stinkstiefel war hinab gesprungen und verzog sich jetzt. Roban unterdrückte den Impuls, ihn zu verfolgen. Die Typen hatten ihn abstechen wollen, und wenn er jetzt allein und unbewaffnet in die Dunkelheit stürmte, konnte er sich auch gleich selbst aufhängen.
“ALARM!” brüllte er statt dessen. “Eindringlinge auf dem Gutshof!”
Der Ruf weckte Mensch und Vieh, und es dauerte auch nicht lang, bis Leowina, spärlich bekleidet und schwer bewaffnet, als erste in den Hof stürmte. Sie bremste abrupt, als sie Roban allein vorfand.
“Was wird das denn jetzt, du Paavian? Übungsalarm? Hast du nachts nichts Besseres zu tun?”
“Sei so gut und tu mir zwei Gefallen: halt die Klappe und besorg Licht – in dieser Reihenfolge!” gab Roban ungerührt zurück und deutete dabei auf die Leiche am Boden. Leowina stutzte.
“Es gibt Leute, die zählen Schafe oder Eber, wenn sie nicht schlafen können, aber Robans Totschlag von Koschtal muss natürlich Leute umbringen”, murrte sie dann, als sie ins Haupthaus zurück kehrte. Jetzt kamen mehr und mehr Leute in den Hof, darunter Broderic und die Handvoll Reisiger, die Leowina mitgebracht hatte.
“Wer ist das denn?” fragte der Burgwächter.
“Steht nicht drauf, Broderic, und vorgestellt hat er sich auch nicht”, antwortete Roban. “Deshalb wartete ich ja auf Licht!”
Endlich kam Leowina mit einer kleinen Laterne zurück, und sie sahen sich ihren ungebetenen Besucher genauer an. Unter dem groben Umhang trug er ein grünes Wams mit einem unverkennbaren Wappen.
“Das Stinktier der Sindelsaums!” knurrte Roban.
“Das ist ein Dachs, Roban!”
“Ich meine den Kerl, das alte Stinktier! Jetzt schickt uns der Kerl schon Meuchler auf die Pelle? Haben die an der Sindel fortgeschrittenen Hirnschimmel?”
“Herr!” Einer der Knechte kam ins Freie gelaufen. “Die Schreibstube wurde aufgebrochen!”
Robans Gedanken jagten umeinander wie zwei tollende Hunde.
“Da leck mich doch...”, gab er noch von sich, ehe er losstürmte und nach wenigen Sekunden die Schreibstube erreichte, einen kleinen Verschlag nahe dem Speiseraum. Seine Befürchtung bestätigte sich – der Vertrag, den sein Vater ihm mitgegeben hatte, war weg. Jetzt hatten sie kein Dokument mehr, um ihren Anspruch zu untermauern.