Ritter Boromils Gespür für das Moor - Die Wächter Rohals

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Eisenkobers Wacht im 1032 nach Bosparans Fall

Boromil war frohen Mutes, als er am Morgen Richtung Eisenkobers Wacht ritt. Die Siedler folgten seinen Anweisungen und die neu hinzugekommenen Zwerge leisteten ganze Arbeit. Wenn es doch immer so sein könnte! Doch das würde sich schon noch früh genug ändern.

Eisenkobers Wacht machte einen friedlichen Eindruck. An solchen Tagen konnte man vergessen, dass im Sumpf so manche Gefahr lauerte...

"Ihr wünscht?", fragte derselbe Magier wie beim letzten Mal. Erneut starrte Boromil in die eisgrauen Augen, doch diesmal wusste er, dass sie zu einer mageren Figur gehörten, die auch zu einem Mönch gepasst hätte. "Ich möchte Thalessia von Herbonia in einer wichtigen Angelegenheit sprechen. Es geht um die Sicherung womöglich magischer Artefakte." Heute musste Boromil nicht mehr erklären – dass er bei seinem ersten Besuch das Kästchen mit dem seltsamen Stein mitgebracht hatte, schien die richtige Wirkung entfaltet zu haben, um sein Anliegen gleich ernst zu nehmen.

Als der Magier ihn durch die ehemalige Burg Moorwacht führte, fiel Boromil auf, wie leer das Gebäude wirkte. Hatten hier früher nicht angeblich mehr Magier gewohnt?

Die Leiterin von Eisenkobers Wacht empfing den Moorbrücker Neusiedler in einer Halle, die einst wohl für Feste genutzt worden war. Sie saß am Ende einer langen Tafel auf einem prächtigen Stuhl, der durch seine erhöhte Position fast wie ein Thron wirkte.

Die fast Sechzigjährige begrüßte ihn mit einem freundlichen Lächeln. "Willkommen auf Eisenkobers Wacht, Ritter vom Kargen Land! Ich bedauere, dass ich Euch vergangenes Mal nicht persönlich empfangen konnte." "Den Zwölfen zum Gruße! Nun, es war ohnehin nur ein kurzer Aufenthalt. Und was ich zu berichten hatte, konnte ich glücklicherweise auch Eurem Kollegen mitteilen." "Ihr meint Ailric?" "Nun, wir sind uns noch nicht vorgestellt worden. Er selbst hatte seinen Namen nicht genannt. Bei unserem ersten Zusammentreffen hatten mein Begleiter und ich es ohnehin sehr eilig, die Besichtigung der Siedlungsplätze fortzusetzen." "Dann lasst mich das Versäumte nachholen!" Thalessia wies auf den Magier, der sich neben sie gestellt und bisher stumm geblieben war. "Ailric Pergrim von Norburg, mein Stellvertreter hier auf Eisenkobers Wacht." "Sehr erfreut", antwortete Boromil mit Blick zu ihm. "Ebenso", nickte Ailric. Hatten sich erstmals seine bisher straffen Gesichtszüge etwas gelockert?

Thalessia wandte sich kurz Ailric zu uns sagte ihm leise: "Sorge für die Bewirtung unseres Gastes!" Der Magier entfernte sich, kehrte jedoch sehr schnell zurück. Kurze Zeit später betrat Morena vom Kargen Land den Raum, ein Tablett mit Getränken tragend. "Schwester, lass Dir das abnehmen! Das ist nun wirklich nicht nötig, dass ich mich von Dir bedienen lasse!" Boromil eilte Morena entgegen, der zuvor anzumerken gewesen war, dass ihr die Situation unangenehm war. Als Boromil das Tablett auf der Tafel absetzte, erschien tatsächlich ein unironisches Lächeln in ihrem Gesicht. "Danke, Bruder. Schön, Dich zu sehen." Sie reichte jeweils einen Becher an die anderen Magier und Boromil und nahm sich selbst auch einen. Thalessia tat einen Trinkspruch. "Auf gute Nachbarschaft!" Nach dem ersten Schluck fragte Boromil. "Dann wusstet Ihr also schon, dass ich den Siedlungsplatz beim früheren Klippbrühl bekommen habe?" "Nun, die Vergabe der Siedlungsplätze ist bereits einige Zeit her und Burg Birkendamm nicht weit. Es ist ja kein Geheimnis, wer wo siedelt, und aus einigen Gesprächen mit den Siedlern haben wir es erfahren." Boromil schmunzelte. "Da habt Ihr recht! Ganz im Gegenteil, jeder der Neusiedler wird versuchen, seinen Namen und Siedlungsplatz so schnell wie möglich bekannt zu machen!" "Apropos Namen: Habt Ihr denn schon einen für Euer Rittergut?" "Es soll Neuvaloor heißen." "In Anlehnung an den traditionellen Namen des Familienguts – sehr schön!", freute sich Morena. Thalessia überlegte. "Valoor klingt fast wie ein elfischer Name. Am Ufer des Angbarer Sees gelegen und falls zu Zeiten Rohals gegründet, könnte das sogar stimmen. In jedem Fall ein interessanter Name." Sie hatten inzwischen die Becher leergetrunken. Nun wandte sich die Leiterin von Eisenkobers Wacht an die junge Magierin. "Morena, Dein Bruder wollte noch etwas mit mir besprechen, wenn ich richtig verstanden habe. Du hast doch noch zu tun..." "Ja, richtig. Hat mich gefreut, Dich gesehen zu haben, Bruder." "Auf Wiedersehen, Schwester." Auch Ailric begab sich wieder an die Arbeit, so dass Boromil mit Thalessia alleine sprechen konnte.

Der Ritter vom Kargen Land redete etwa eine Stunde mit der Magierin. Nachdem er abgereist war, rief sie ihren Kollegen zu einer Unterredung. "Vom Kargen Land hat den zwischenzeitlich überfluteten Keller unter dem Magierturm wieder freilegen lassen", eröffnete sie ihm. "Und nun will er unsere Unterstützung haben bei der Untersuchung der verschütteten Räume und eines Tunnels. Er vermutet weitere Funde so wie den, welchen er uns bereits gebracht hat." "Wir sollen also Gegenstände, die sich eventuell dort befinden, auf Magie untersuchen?" "Genau! Und damit die Grabungen schnell vorangehen und nicht für jede Analyse unterbrochen werden müssen, gleichzeitig aber keine Fundstücke tagelang unbewacht herumliegen, sollen wir jemanden abstellen, der direkt vor Ort zur Tat schreiten kann." "Hm. Welchen Grund haben wir, Handlanger eines jungen Adeligen zu werden?" "Umsonst machen wir das natürlich nicht! Wo kämen wir denn da hin? Erfreulicherweise hat Boromil vom Kargen Land uns angeboten, dass wir einen Großteil der Fundstücke behaten und hierhin oder nach Rohalssteg bringen können." "Das klingt nicht schlecht, aber es birgt die Gefahr, dass er sich die interessantesten Artefakte auswählt und wir nur den kümmerlichen Rest bekommen." "Ich habe mich diesbezüglich mit ihm etwas genauer geeinigt. Waffen, die wir als Magier ohnehin nicht tragen dürfen, gehen automatisch an ihn. Gegenstände, die nur Magiebegabten etwas nützen, fallen hingegen uns zu. Über den Rest kann vorerst er entscheiden – immer vorausgesetzt, dass sich die genaue Art der magischen Beschaffenheit richtig feststellen läßt, natürlich." Ailric strich sich mit der Hand übers Kinn, während er an die Decke starrte und überlegte. "Trotzdem bleibt die Tatsache, dass er jetzt uns steuert und nicht wir ihn." "Zugegeben, dass ein anderer die Initiative ergriffen hat und wir nun nur folgen, ist ein kleiner Schönheitsfehler und sollte nicht zur Gewohnheit werden. Auch wäre mir lieber gewesen, wir hätten von vorneherein alle Funde zur sicheren Verwahrung zugesprochen bekommen, so wie es unserem Orden eigentlich zusteht.

Allerdings gilt es auch der Realität ins Auge zu blicken. Unsere Reihen haben sich gelichtet; der andauernde Krieg gegen die Schwarzen Lande und nicht zuletzt der Kampf gegen den Alagrimm haben ihren Tribut gefordert. Als wir 1021 Eisenkobers Wacht gründeten, waren wir sieben Magier. 1023 kamen sogar noch zwei hinzu. Heute sind wir nur noch zu dritt, und das nur, weil wir vor kurzer Zeit mit Morena einen Neuzugang hatten. In dieser Situation müssen wir aufpassen, nicht ins Hintertreffen zu geraten. Es ist daher wichtig, nicht den Rückhalt bei den lokalen Adeligen und der einfachen Bevölkerung zu verlieren. Der andere Ritter, der uns besucht hat, wie hieß er noch gleich?" "Edelbrecht von Borking", ergänzte Ailric. "Richtig – er wirkte doch reserviert, ja geradezu ablehnend uns gegenüber, wie Du selbst berichtet hast. Wir können Phex danken, dass nicht so jemand in der Nähe siedelt, sondern sogar einer vom Kargen Land. Morena ist ja nicht das erste Mitglied des Hauses, das die Wächter Rohals verstärkt, im Gegenteil! In der Vergangenheit hat es mancher von ihnen weit gebracht bei uns. Ein Nichtmagiebegabter, der Magie aufgeschlossen gegenüber steht – eine solche Chance müssen wir nutzen." "Um ihn als Verbündeten zu gewinnen?" Ailric begriff, die Idee erschien ihm nicht schlecht.

"Genau das! Denn seien wir ehrlich: Schon bei der Sache rund um den Geistmärker Ochsen haben wir keine besonders erfolgreiche Rolle gespielt. Dass dann noch die Existenz des Dings im Sumpf allgemein bekannt wurde, bevor wir dieses Phänomen erschöpfend untersuchen konnten, hat ebenfalls nicht das allgemeine Vertrauen in uns gestärkt. Und dass dann noch mit Baron Darian Grantel von Grantelweiher unser wichtigster Unterstützer vor Ort unter nicht ganz geklärten Umständen zu Boron ging, war ein zweifacher Rückschlag: Zum einen ging ein Verbündeter verloren, zum anderen hat mancher gefragt, wieso wir ihn nicht beschützen konnten, wo doch die Wacht über den Sumpf unsere erklärte Aufgabe sei." "Allerdings ist Boromil vom Kargen Land nicht der neue Baron von Moorbrück, sondern nur einer von sechs Neusiedlern." "Mir wäre ein Baron auch lieber als nur ein Ritter. Aber das ist weit besser als nichts! Und bedenke: Zu Zeiten Klippbrühls haben wir es nie geschafft, den alten Turm genauer zu untersuchen. Da stehen wir mit einer Teilausbeute besser da denn je! Und die ganze lästige Grabearbeit nehmen uns Zwerge ab." "Wen werden wir also schicken?" "Morena natürlich! Sie ist fähig genug, um alleine zurechtzukommen. Außerdem wird ihr Bruder ihr wohl leichter Dinge anvertrauen, die auch für uns interessant wären." "Was aber, wenn sich die zwei gar nicht so gut verstehen? Das kommt bei Geschwistern doch vor." "Wenn Boromil vom Kargen Land noch etwas mit seiner Schwester auszutragen hätte, hätte er ihr heute nicht die Geränke abgenommen, sondern sich genüsslich von ihr bedienen lassen. Ich weiß schon, warum ich es so eingefädelt habe!" Ailric nickte überzeugt. "Wird denn Morena über diesen Auftrag erfreut sein? Vielleicht möchte sie nicht gerne nach der Pfeife ihres Bruders tanzen." "Das spielt keine Rolle! Sie muss sich meinen Anweisungen beugen. Außerdem sollte es ausreichen, wenn wir die richtigen Worte wählen, um ihr die Aufgabe schmackhaft zu machen. Schließlich winkt die Erkundung eines angeblich ehemaligen Magierturms. Besser als Schreibarbeiten und Botendienste ist das allemal. Vielleicht sollten wir darauf hinweisen, dass nichts ihrer Aufmerksamkeit entgehen soll, das für unsere Forschungen von Interesse sein kann. Mit diesem Geheimauftrag, der ja Verantwortung bedeutet, wird sie sicherlich viel lieber ihre Kraft für die übliche Hellsichtsmagie verbrauchen." Ailrics Augen strahlten, und er lächelte sogar. "Wir haben so lange ausgehalten und auf bessere Zeiten gehofft – vielleicht sind sie nun gekommen, wenn auch in anderer Form, als wir sie erwartet hätten."