Offenbarung unter Freunden

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Wie dröhnende Hammerschläge schmerzte der Kopf von Kordan, als er langsam zu sich kam. Er fasste mit seiner Hand an seine Schläfe. Von dem rinnenden Blut der Stirn war diese rot eingefärbt. Der Baron von Geistmark überwand seinen Schmerz und versuchte einen Überblick zu erhalten. Neben ihm lag sein Freund, Thorben von Hammerschlag, bewusstlos.
Jede Bewegung quälte ihn, dennoch kroch er zu seinem Freund. Thorbens Gesicht war zum Teil im Wasser, doch war er noch nicht ertrunken. Der Koscher Wehrmeister kam langsam zu sich, prustend denn er hatte einiges an Wasser geschluckt, setzte er sich auf.
„Wie sind wir hierhergekommen?“, fragte er unwissend seinen Freund. Kordan schlug die Hände vor den Kopf.
„Verdammt, ich weiß es nicht mehr. Wie dunkle Schatten ist mein Gedächtnis ausgelöscht.“
Thorben sammelte sich und sie begaben sich ans Ufer.
„Der Kampf auf Gut Salingen – meine Knappin“, stammelte er.
„Ich denke Elwart steckt dahinter, dieser Mistkerl!“
„Was hast Du nun vor?“
Kordan war an seine Seite getreten, und dem Geistmärker Baron schien es noch auf andere Weise klar, warum der Verdacht gegen Elwart nahe liegend war, aber er kam nicht darauf. Mit einem wütenden Tritt beförderte Thorben einen Stein ins Wasser.
„Ich werde mir zurückholen, was mir gehört, und dieses hinterhältige Stück Dreck abstechen wie einen räudigen Hund!“
Aufgebracht schritt er in Richtung Aufstieg. Eine Hand packte ihn an seiner Schulter.
„Ja, Elwart ist ein Halunke ohnegleichen, und ja, er hat sich Lanzelind zurückgeholt. Vielleicht hat er uns das hier eingebrockt, ich hasse es, mich nicht mehr daran erinnern zu können. Aber, mein Freund, er hat das Recht, seine Tochter an sich zu nehmen, auch wenn Dich diese Entscheidung erzürnt.“
Der Hammerschlager drehte sich voller Zorn um, in seinen Augen funkelte Kampfeslust, als er sagte: „Er wird sie nicht gut behandeln, bei mir hat sie es besser. Bedenke nur wie er mit ihr umgegangen ist, oder auch mit welcher Angst die Amme mit der kleinen Livelind zu mir geflüchtet ist, auf das Geheiß ihrer Mutter, seiner Frau.“
Bei den letzten Worten hatte Thorbens Stimme einen seltsamen Unterton bekommen. Aber klar und herausfordernd stellte er dann fest:
„Ob Recht oder nicht, sie brauchen Hilfe und ich werde sie ihnen gewähren.“
Kordan legte seine Arme freundschaftlich auf die Schulter seines Kameraden.
„Es wird Dir nur Ärger bereiten, Freund. Lanzelind war Deine Knappin, Du hast sie ins Herz geschlossen, ich verstehe, dass Du Dich um sie sorgst, aber die Frau und das Kind sollten Dich nicht interessieren, das birgt nur Schwierigkeiten.“
Thorben atmete tief ein und blickte lange, ohne etwas zu sagen, seinen Waffenbruder an. Kordan sah, dass der Hammerschlager mit sich rang. Dann sagte dieser plötzlich:
„Es ist meine Tochter und ich werde sie schützen.“
„Wer, Lanzelind?“ fragte Kordan erschrocken.
„Nein, nicht Lanzelind.“
Thorben schüttelte den Kopf.
„Livelind, ihre Schwester. Gislind ist die Frau die ich liebe und mit der mich Rahja verband“, gestand der Wehrmeister.
„Du bist mein bester Freund, Kordan, stehst Du an meiner Seite?“
Die Freunde schauten sich an. Thorben erwartete eine Antwort, während Kordan kaum glauben konnte, dass der rechtschaffene Erbvogt sich des Ehebruchs schuldig gemacht hatte – welch schweres Verbrechen, vor allen im Kosch. Die Gefühle, die ihn dazu getrieben hatten, kannte der Geistmärker aber nur allzu gut. Er ließ seinen Freund los, ging zu seinem Schwert und steckte es ein.
„Auf zu dem stinkenden Lurch… ich behalte Dein Geheimnis für mich und dass solltest Du auch besser tun“, mahnte er.

Autoren: Lanzelind, Hammerschlag