Odilbert und Niope - Schwangerschaftswahnsinn

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Baronie Greifenpass, 28. Efferd 1042, am Mittag

„War ich auch so?“, fragte Rianod ni Rían ihren Gatten leise, nachdem die Baronin endlich ihren Willen bekommen hatte und man hatte aufbrechen können. Zusammen mit ihrem Gatten bildete sie die kleine, aus zwei Reitern bestehende Vorhut.

Darian von Trottweiher, der das Banner der Baronie trug, ritt etwas näher an seine Gattin heran: „Was meinst Du, meine liebliche Kornblume?“

„Na ja, als ich schwanger war. War ich da auch so...“, sie rang nach Worten, „So... hm... wie soll ich das jetzt ausdrücken? So... unnachgiebig?“

„Liebliche Kornblume“, seufzte er da schwer, „Das ist schon so unglaublich lange her...“

Sie lachte: „Als nächstes behauptest Du noch, Du könntest Dich nicht an unsere drei Töchter erinnern...“

„Schönste Frau auf ganz Dere, wie könnte ich unsere lieblichen je Töchter vergessen! Wo Du sie allerdings hingesteckt hast, das verstehe ich bis heute nicht“, er warf seiner Gattin einen anzüglichen Blick zu, „Du bist noch immer so wunderschön wie damals und hast kein bisschen Deines Liebreizes verloren – ganz im Gegenteil! – Du bist sogar noch schöner und noch reizender geworden!“

Er ritt noch dichter an seine Gattin heran.

„Darian!“, scholt Rianod ihn, „Also wirklich! Du bist genauso wie damals als wir uns kennen lernten – hast einfach nichts dazu gelernt. Gar nichts!“

„Na, na, so schlimm kann ich aber nun auch nicht gewesen sein, schließlich haben wir noch in derselben Nacht...“

„Du hast mich ein albernisches Weichei genannt!“, protestierte Rianod energisch.

„Ich gemeiner Schelm!“, frotzelte er mit einem Lächeln auf den Lippen, „Was habe ich mir nur dabei gedacht?“

„Erkannt hast Du mich aber nicht! Ich Dich dagegen schon...“

„Wie hätte ich Dich denn auch erkennen sollen? Die paar Male, da ich Dich gesehen habe, da warst du noch ein kleines, freches Gör mit Zahnlücke und mehr nicht. Außerdem hättest Du auch ruhig etwas sagen können.“

„Was ich getan habe: Meinen Namen – Rianod. Das hätte Dir was sagen müssen!“

„Ach, wer kann sich schon diese ganzen albernischen Namen merken“, winkte er ab, „Wichtig ist ja auch nur, dass Du mit nach draußen gekommen bist...“

„Das albernische Weichei konnte ich ja auch nicht auf mir sitzen lassen!“, kam sie zurück, „Immerhin bin ich genauso Koscher wie Du!“

„Ein Weichei warst Du ja nun wirklich nicht. Hast Dich bis in die Ruine getraut und das bei Nacht!“, er lächelte verschmitzte, „Abgesehen davon war es bitterkalt, es lag ja schon Schnee...“

„Ich habe es gerade noch so über den Pass geschafft, bevor der Schnee ihn unpassierbar gemacht hätte“, stimmte sie ihm nickend zu, „Das war schon ganz schön kalt! Aber Dein Umhang war ja warm...“

„Ich hoffe nicht nur der...“

„Nicht nur der...“, sie schwelgte einen Moment in Erinnerungen, „Dumm nur, dass Du Dich vor meinen Schwestern verplappert hast, die wusste natürlich sofort von wem du sprichst...“

„Glaub mir, wesentlich schlimmer war Deine Mutter, die auf die Otterburg kam und mich... zurechtwies.“

„Wenn Du das so nennen möchtest“, Rianod grinste schelmisch, „Man konnte sie bis ins Krähennest hören!“

„Vermutlich hat man sie sogar bis nach Gratenfels gehört“, fügte der Ritter schaudernd hinzu.

„Du durftest mich ja trotzdem heiraten“, versuchte Rianod ihren Gatten abzulenken.

Das entlockte ihm ein Grinsen: „Trotzdem ist genau das richtige Wort.“

Eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her.

„Also, war ich damals auch so... hm... unnachgiebig?“, kam Rianod auf ihre eigentliche Frage zurück, „Und erzähl mir nicht, Du könntest Dich daran nicht erinnern.“

Darian seufzte: „Unnachgiebig? Eher unausstehlich. Schwangerschaftswahnsinn eben.“

„Schwangerwas...?“

„Schwangerschaftswahnsinn“, wiederholte er, „Im Endstadium.“

„Im End...?“

„Aber kein Vergleich mit der Baronin. Immerhin hast Du nicht hochschwanger einen Oger erlegt...“