Man erntet, was man sät - Vormarsch der Nadoreter

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Vormarsch der Nadoreter

Oberdrift, Ende Rondra 1041 BF

„Mein Junge“ sprach Hakan von Nadoret zu Josper von Kemlar, während sie durch das hügelige Oberdrift ritten an der Spitze des Nadoreter Heeres. „Dein Herr war einst ein nobler Ritter, aus einer noblen Familie. Sein Onkel fiel als Held im Kampf gegen die Ketzerin Mirka. Auch dass der alte Boquoi ihn zu seinem Nachfolger erkor, spricht für seine einstige Tugendhaftigkeit.“
Josper nickte beiläufig.
„Aber einige seiner Entscheidungen in den letzten Jahren sind mehr als Fragwürdig und wohl mitunter ein Grund warum wir jetzt hier sind und nicht am fürstlichen Turnier in Angbar.“ Fuhr Hakan fort.
„Habt ihr deshalb den Versorgungstross der Aufständischen passieren lassen? Weil ihr nicht an Narmurs Sache glaubt?“ erwiderte Josper fragend.
Hakan schüttelte den Kopf „Die Händlerin hatte ja beteuert, dass die Aufständischen für das Korn bereits bezahlt hatten. Ich bin doch kein Dieb!
Und zum Glück sind wir hier nicht in Tobrien wo der Krieg ein einziges Schlägst-du-mich-tot-schlag-ich-dich-tot ist. Dies hier ist ein Krieg zwischen Koschern, bei den Göttern! Natürlich habe ich die Händlerin passieren lassen! Ich will nicht siegen, weil ich zuvor meine Feinde erfolgreich ausgehungert habe, sodass sie zu schwach sind ihr Schwert zu halten. Ich will einen anständigen Sieg. Einen, wo man dem Feind nachher noch in die Augen sehen kann!
Also macht euch keine Sorgen. Wir werden die Belagerung von Durstein brechen und Narmur befreien.“
Jospers blickte skeptisch: „Die Bauern können sich glücklich schätzen, dass sie euch zum Gegner haben. Aber rechnet nicht damit, dass diese Hunde euch ebenso zuvorkommend behandeln.“
Drei Reiter überquerten eine nahe Hügelkuppe und näherten sich im Galopp dem Heer. Jopser lenkte Hakans Aufmerksamkeit auf die Reiter „Euer Sohn kehrt zurück“.
Hakan zügelte sein Pferd und wartete die Ankunft der Späher ab: „Balinor. Was hast du mir zu berichten?“ „Mein Herr! Die Aufständischen haben die Brücke über die Unwyn okkupiert und mit Erdwällen befestigt. Es sind etwa 20 Bewaffnete unter dem Ährenbanner und nochmal so viele Glefenträger unter der Sindelsaumer Mondsichel. Wir sind ihnen also um mehr das Vierfache Überlegen. Es wird keine große Mühe sein, sie von der Brücke zu vertreiben.“
Hakan überlegte: „Gibt es einen anderen Weg nach Durstein?“ Josper wog den Kopf hin und her: „Es gibt einige verschlungene Pfade durch den Eberswald nach Hammerberg und weiter nach Durstein. Diese Pfade werden vor allem von Holzfällern, Fallenstellern und Krambolden benutzt. Sie sind für ein Heer kaum geeignet. Zudem müssten wir im Gänsemarsch vorrücken und wären anfällig für Hinterhalte. Und dann gibt es natürlich noch die Brücke in der Stadt Drift.“
Hakan ließ seinen Blick über die Landschaft schweifen: „Wir werden das Heer teilen. Ich reite noch heute mit einer Abordnung zur Brücke bei Unwynfurt. Vielleicht kann ich den Feind zur Aufgabe überreden oder, wenn sie stur sind, in einer Blitzaktion die Brücke erobern.
Ihr Josper, werden mit Erzbart von Drabenburg und einem Banner die Brücke in Drift nehmen und von Norden heranrücken. Aber seid auf der Hut und versucht möglichst unerkannt die Brücke zu queren. Der Feind hat mit Sicherheit Spitzel in der Stadt.“

Wenige Stunden später ritt Hakan an der Spitze der Nadoreter Landreiter der Unwyn entgegen. Sie mussten bereits nahe am Dorf Unwynfurt sein, denn die Wald- und Weidelandschaft wich Ackerland, von lichten Hainen durchbrochen. Hakan besah sich die vernachlässigten Felder, wo mehr Unkraut als Korn stand. Teilweise war die Feldfrucht niedergetrampelt und verdorben.
Aus der Ferne vernahm er Hornstöße „Wir werden erwartet“ raunte er zu den Waffenknechten die ihm folgten.
Hinter der nächsten Hügelkuppe lag das Flusstal mit der Brücke. Etwas abseits, auf der anderen Seite des Flusses lag das Dorf Unwynfurt. Die Brücke war wie von Balinor berichtet von Aufständischen besetzt. Vorne der Drifter Bauernhaufen, hinten die Sindelsaumer.
Hakan näherte sich an der Spitzte der Landreiter der Brücke bis auf etwa 300 Schritt.
Er besah sich die ausgezehrten Leiber und die fahlen, eingefallenen Gesichter der Aufständischen. Sie erinnerten ihn auf unangenehme Weise an seine eigenen Untertanen. Auch in Nadoret gab es für das einfache Volk wenig zu lachen, das wusste Hakan.
Ein Unbehagen stieg in ihm auf. Wäre es möglich, dass sich seine Bauern, so wie die Drifter, erheben?
Hakan wischte den Gedanken bei Seite. Nein. Haus Nadoret regiert weise und umsichtig, seit vielen Generationen. Narmur ist ein Glücksritter, ohne Familie, ohne Hausmacht und ohne Erfahrung. – Er hat es mit den Seinen zu weit getrieben. Wofür Haus Nadoret viele Jahrhunderte brauchte, wollte Narmur in einem Menschenleben erreichen.
Und dennoch – In diesem Moment verwarf Hakan seinen Plan, die Brücke im Handstreich zu nehmen. Bei allen Göttern, sollen Koscher einander die Schädel einhauen? So wie es der bornische Bronjar mit seinen Leibeigenen macht?
„Ich will ihnen noch eine letzte Chance geben …“ hörte sich Hakan sagen und führte sein Pferd näher an die Aufständischen.

Nur wenige Momente später kehrte er mit hochrotem Kopf zurück. Die Hohnworte und Schmähungen hatten ihm den Zorn ins Gesicht getrieben. „Sollen wir angreifen?“ fragte Balinor. „Mit den paar Bauern werden wir leicht fertig.“ Hakan schien kurz zu überlegen, aber winkte dann ab. „Nein. Wir werden erst mit den Adligen sprechen, wenn sie ankommen. Vielleicht haben die ja mehr Verstand. Würde mich wundern, wenn die nicht bald hier auftauchen würden.“