Heerzug gegen Haffax - Im Lazarettzelt

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Tobrien, 30. Rahja 1039, vor den Toren Mendenas

Jusmine Wamsler hatte alle Hände voll zu tun. Sie hatte ihren letzten Heilungssegen bereits vor Stunden gesprochen und doch wurden immer neue Verwundete und Sterbende in das Koscher Lazarettzelt getragen. Angesichts der schieren Anzahl der Verwundeten konnten sie sich nur noch um die kümmern, die auch überleben würden. Jusmine tat es in der Seele weh, aber einmal mehr musste sie in die Ecke der Sterbenden deuten, als ein Fürstlicher Hellebardier seinen blutjungen Kameraden in das große Zelt schleppte. Stattdessen widmete sie sich dem Nadoreter Waffenknecht der vor ihr auf dem Tisch lag. Während drei kräftige Burschen den schreienden Mann festhielten begann sie damit seine klaffende Beinwunde zu reinigen und schließlich zuzunähen. Als nächstes war ein Zwerg mit einer stark blutenden Stirnwunde dran. Jusmine wollte ihm einen Betäubungstrunk einflössen, doch der Angroschim winkte ab und saß ruhig da während sie seine Wunde wusch. Zwar waren ihm die Scherzen anzusehen, als sie begann seine Wunde zu vernähen, aber er biss hörbar die Zähne zusammen und rührte sich nicht weiter. Als Jusmine fertig war und ihm ein Gehilfe einen Verband angelegt hatte bedankte sich der Angroschim artig, schulterte seine Armbrust und marschierte zu den Kampflinien zurück.
Jusmine war gerade damit fertig geworden ein gebrochenes Bein zu schienen, als sie eine kräftige Hand auf die Schulter spürte. „Euer Gnaden, wir brauchen eure Hilfe.“ Sagte der Waffenknecht mit dem ihr unbekannten Wappen. Jusmine warf einen kurzen Blick auf den dicklichen jungen Mann den sie hereingetragen hatten und schüttelte den Kopf. „Bringt ihn da rüber.“ Sagte sie und deutete in die Sterbeecke. Eine junge Frau, die dem Verwundeten äußerst ähnlich sah trat an sie heran. „Ihr müsste ihm helfen euer Gnaden. Das ist mein Bruder. Er darf nicht sterben.“ Jusmine hatte Mitleid mit der jungen Frau, die sich mühsam die Tränen aus dem Gesicht wischte. Sie warf einen erneuten Blick auf den Verwundeten, aber da war wirklich nichts mehr zu machen. Der junge Mann war gleich zweifach schwer verwundet worden. Ein Armbrustbolzen steckte ihm in der Hüfte, aber schlimmer noch war seine linke Seite, denn hier schien ihn ein Geschützstein getroffen zu haben, den sein gesamter linker Brustkorb war zertrümmert worden.
„Euer Gnaden. Geldor ist doch Junker zu Bodrin. Wir werden eurem Tempel reich spenden, wenn ihr ihm helft.“ Jusmine schüttelte erneut den Kopf. Ihr war die Trauer ins Gesicht geschrieben. Der dickliche Junker war kaum mehr als ein Kind gewesen. „Ihm kann ich nicht mehr helfen. Ihnen, aber schon.“ Dabei deutete sie auf eine Reihe einfacher Soldaten und Waffenknechte die von ihren Helfern notversorgt wurden. Schon wurde eine Uztrutzer Gardistin mit einer blutenden Halswunde auf den Tisch gelegt. Ein Armbrustbolzen musste sie gestreift haben. Der Boron-Geweihte Hal von Boltansroden trat heran und wies das Gefolge des Junkers an ihn in die Sterbeecke zu bringen. Emer, so war der Name, der Schwester des Junkers brach erneut in Tränen aus. Hal ergriff ihren Arm und die beiden folgten dem sterbenden Junker. Jusmine hingegen trat an den Tisch zurück und begann ihr Werk fortzusetzen.