Heerzug gegen Haffax - Heimkehr I

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Angbar, Ende Rondra 1040

Die Koscher reihten sich zu hunderten entlang der Reichsstraße III auf um das heimkehrende Heer aus dem Osten zu begrüßen. Die Nachricht von zahlreichen Siegen und dem endgültigen Ende des Erzverräters Haffax hatten den Kosch natürlich ebenso vor vielen Wochen erreicht wie die Nachricht von den hohen Verlusten. Bei wichtigen Adligen war freilich schon bekannt wer gefallen war, aber bei den einfachen Soldaten bangten viele daheimgebliebene und hofften, dass es ihren Liebsten nicht erwischt hatte.
Endlich kamen die ersten Reiter in Sicht. Vorneweg ritten der Wehrmeister Thorben Raul Baduar von Hammerschlag und Graf Jallik von Wengenholm, gefolgt von den Fürstlichen Schlachtreitern unter Alvide von Eichental. So manch ein Sattel war leer geworden und so begannen sich bereits wehrufe in die vielen Hochrufe zu mischen. Den fürstlichen Reitern folgte das fürstliche Fussvolk. Die Reihen der Hellebardiere war um einiges lichter geworden, während die Bergschützen unter ihrem Hauptmann Hogir Sohn des Harosch deutlich geringere Verluste zu beklagen gehabt hatten.
Dem fürstlichen Soldvolk folgte die hügelzwergische Marschkapelle, die jedoch nur einen ernsten Marsch spielte. Auch beim folgenden berittetenen Adelsaufgebote hatten sich wieder einige Lücken aufgetan. Das Fussvolk der Adelsaufgebote hatte ebenfalls schwer leiden müssen. Das Bärenfanger Bergbanner war etwa ganz im Osten geblieben, entweder tot, oder auf der Jagd nach überlebenden Haffaxianern. All den Kämpfern war die Freude über ihre Heimkehr anzusehen. Sie winkten den Koschern am Straßenrand zu und immer wieder brachen einzelne Kämpfer aus den Reihen aus um ihre Liebsten zu begrüßen. Deutlich gefasster war das Banner der Erzzwerge aus Koschim. Sie marschierten schweigend vor sich hin und schienen dem ganzen Trubel wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Ihr Ernst wurde freilich vom folgenden Tross untergraben, waren hier doch besonders viele Angbarer dabei, die ihre zahlreichen Freunde und Bekannten lautstark begrüßten.
Gänzlich fehlte das Banner der Exiltobrier, waren diese doch ganz im Osten geblieben, um ihre alte Heimat wieder urbar zu machen. Ebenso fehlte eine Vielzahl der fürstlichen Söldner. Die Kompagnie Marschall Geldor war bereits in Gareth abgemustert hatten, auch wenn sich etliche Kämpfer sogleich den Fürstlichen Hellebardieren, oder aber Pfalzgraf Retos Gefolge angeschlossen hatten. Die Kompagnie Herzogin Efferdane hatte beim Nordheer gekämpft und war daher verspätet und nicht bei der feierlichen Ankunft dabei.
Das Heer marschierte schließlich auf dem Brodilsgrund auf und wurde dort feierlich von Fürst Blasius begrüßt. Dem Fürsten war ob der vielen Gefallenen sichtlich schwer ums Herz, waren doch alleine zwei der vier in den Osten gezogenen Barone gefallen.
So wurde vor dem großen Fest ein langer Trauergottesdienst gefeiert und die Namen aller im Osten gefallenen verlesen, egal ob nun Baron, einfacher Soldat, oder gar Fuhrknecht. Die anfangs noch teils gelöste Stimmung hatte sich hierdurch erheblich gesenkt, aber die Freude der heimgekehrten überlebt zu haben brach sich schließlich doch Bahn, ganz besonders natürlich als Fürst Blasius Freibier für ganz Angbar ausrief und Spanferkel und Rinder in großer Zahl gebraten wurden um die Heimkehrer und ihre Familien zu ehren.

An der Spitze der Mannen vom zweiten Banner der fürstlichen Hellebardiere schritt ein neuer Hauptmann. Der stattliche Angroscho mit den silbernen Haaren und den breiten Schultern hatte seinen Zwergenschlägel geschultert und hielt den Helm unter dem Arm geklemmt.
Cendrasch hatte lange überlegt, ob er von Mendena aus wieder nach Okdragosch reisen sollte, um dem Hochkönig persönlich Bericht zu erstatten und um seinen alten Posten auf der Schwarzdrachenwacht wieder einzunehmen. Entschieden hatte er sich schließlich dagegen.
Die Männer und Frauen der Orkentrutzer, des zweiten Banners der so stolzen, fürstlichen Einheit waren ihm ans Herz gewachsen, auch wenn zu viele von ihnen im Osten geblieben waren. Albrax hatte ihm einmal gesagt, dass er sich irgendwann dafür entscheiden musste ein eigenes Kommando zu übernehmen, um nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis von Strategie und Taktik zu erlernen und was vielleicht ebenso wichtig war, Menschenführung.
Und so trug der Sohn des Chrysoprax ein Schreiben an den Hochkönig bei sich, welches er alsbald versenden würde, wenn sie die Kasernen von Angbar erreicht hätten. Albrax würde seine Entscheidung verstehen und ihm nicht zürnen, das wusste Cendrasch.
Seine neue Heimat würde die Stolzenburg sein. Auch wenn sie sich sicher nicht mit der alten Trollfeste Okdragosch messen konnte, so war sie dennoch eine der größten und wehrhaftesten Burgen des Fürstentums und das erfüllte den Angroscho mit Stolz.
Er hatte sich fest vorgenommen das Banner neu aufzubauen und aus dem Haufen, dessen Ruf durchaus umstritten war, eine herausragende Einheit zu machen.

Alvide von Eichental war gedrückter Stimmung. Bei der Verlesung der Gefallenenliste waren ihr die Tränen gekommen und sie hatte sich noch immer nicht wieder gefangen. Zu tief saß der Schmerz über all die tapferen Kameraden die im Osten geblieben waren. Die Albträume, die Visionen von Dämonen die sich durch die Reihen der Koscher kämpften würden sie noch lange begleiten. Das Wiedersehen mit ihre Familie war herzhaft gewesen. Natürlich hatte sie ihren Gatten und ihre Kinder vermisst, aber wie so oft wenn sie lange auf Heerfahrt gewesen war kam es ihr vor als ob sie sich alle ein wenig fremder geworden waren. Ihr Gemahl plauderte über unbedeutende Geschehnisse aus Sindelsaum, über ein neues Kuchenrezept und andere Belanglosigkeiten. Unterdessen wurde ein gewaltiges Mahl aufgetragen und das obwohl sie nachher noch beim Bankett am Fürstenhof eingeladen worden waren. Alvide kamen erneut die Tränen. Dies alles kam ihr allzu unwirklich vor. Sie stand auf. Sie musste sich die Beine vertreten, konnte nicht länger in der allzu gemütlichen Stube sitzen. Wo war ihr Gefolge?
Sie streifte ziellos durch die Gassen Angbars. Die ausgelassene Stimmung der Angbarer schien ihr fremd. Wie konnten sie so ausgelassen feiern, wo doch so viele tapfere Koscher ein schlimmes Ende gefunden hatten. Alvide wusste das ihr Zorn ungerecht war, aber sie wusste sich nicht zu helfen. Schließlich erreichte sie eine Kneipe in der sie zahlreiche Fürstliche Hellebardiere und Bergschützen sah. Etwas abseits an einem Tisch saß der Schlachtreiter Bohemund von Falkenhag, Voltans Sohn und sicher ebenfalls wie Alvide ja auch beim Bankett am Fürstenhof eingeladen worden. Er betrank sich gerade mit dem neuen Hauptmann der Hellebardiere, dem Zwergen Cendrasch. Als er Alvide erblickte bedeutet er ihr sich zu ihnen zu setzen.
„Solltet ihr nicht auch am Fürstenhof sein?“ erkundigte sich der sichtlich angetrunkene Bohemund bei Alvide.
„Sicher doch.“ Antwortete diese. „Aber ihr ja auch, ebenso wie ihr Cendrasch.“ Der Zwerg brummte mehr, als dass er antwortete.
„Es kommt mir komisch vor zu feiern, wo der Sieg doch so teuer erkauft war.“ Gab Bohemund zu. Alvide und Cendrasch nickten.
„Es ist einfach noch keine Zeit zu feiern. Unsere Körper mögen hier sein, doch unsere Gedanken sind noch auf dem Schlachtfeld, dort wo wir gemeinsam geblutet haben und so viele gestorben sind. So viele.“ Der Zwerg seufzte schwer, rang sichtlich mit der Fassung und hämmerte dann seine Faust auf den Tisch. Bier schwappte aus den Krügen. „Ich habe so viele meiner Männer verloren. Ich kannte sie kaum und doch sind sie mir tapfer gefolgt.“ Cendrasch schüttelte bestürzt den Kopf.
„Meine Trauer wird noch einige Tage anhalten. Es ist wohl das was ihr Menschlichkeit nennt, was dies auslöst.“ Ein kurzes, bitteres Lachen erklang trocken aus seiner Kehle, dann griff Cendrasch nach seinem Krug, hob ihn hoch und blickte in die Mienen der Umsitzenden. „Auf unsere gefallenen Kameraden. Mögen sie in dem Paradies verweilen, dass sie sich für ihr Nachleben erwünscht haben. Aber auch auf die Lebdenen, denen es auferlegt ist ihr Andenken zu bewahren und wie es bei uns Brauch ist, ihre Namen weiterzugeben.“
Bohemund und Alvide nickten beide gedankenverloren und eine Zeitlang kam kein weiteres Gespräch in Gang.

Erst deutlich später am Abend fand Erlan von Sindelsaum seine Gattin, Alvide, er hatte sich ebenfalls beim Bankett des Fürsten entschuldigt und sich auf die Suche nach ihr gemacht. Er fand sie schließlich in einer Kneipe, die voller heimgekehrter Soldaten war. Die Krüge erhoben und Tränen in den Augen schmetterte die gesamte Kneipe lauthals das Koscher Lied.