Heerzug gegen Haffax - Eslamsbrück – ein Alptraum mit gutem Ende

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Tobrien, Rahja 1039

Geschlossen rückten die Truppen des Kosch gemeinsam mit weiteren Verbänden anderer Reichsprovinzen auf Eslamsbrück vor. Vor dem Flussbuckel stadteinwärts würde es den ersten, nennenswerten Feindkontakt dieses Vorstoßes geben, nachdem die Eroberung des Pandemoniums am Vormittag schwere Verluste verursacht und vor allem karmale und magische Ressourcen verschlungen hatte.

Zumindest einer von drei ausgesandten Spähern war zurückgekehrt und konnte von losen Söldnerverbänden und hinter den Hügeln verschanzten Armbrustschützen berichten, die den Vorstoß verhindern, oder zumindest verlangsamen wollten.

Cendrasch befand sich in der Kampfreihe eines fürstlichen Hellebardier - Banners und stand somit hinter den leichteren Einheiten der exiltobrischen Freiwilligen und anderen Plänkler. Es war seine Einheit, denn er war ihr neuer Hauptmann, nachdem es innerhalb der fürstlichen Hellebardiere nach dem Tod von Grimma von Garnelhaun einige Umstrukturierungen gegeben hatte. Als diese in Reichweite der ersten, feindlichen Schützen kamen und diese auf sich zogen, stürmten die Lanzen aus ihrer geschlossenen Formation des jeweiligen Banners auf vorher ausgemachte Stellungen los.

In V-Formation, um nicht soviel Angriffsfläche zu bilden, schützten sie gleichzeitig jeweils Armbrustschützen der fürstlichen Bergschützen, welche leicht gerüstet in ihrer Mitte liefen. Am Kopf der Trupps liefen jeweils drei Turmschildträger und gaben großflächig Deckung für die hinter ihnen heran stürmenden.
In der Nähe der gegnerischen Nester wurde halt gemacht. Die Schilde bildeten einen Wall. Die Soldaten, bis auf die Schützen, gingen in Deckung, welche das Gelände zum Teil bot, oder warfen sich flach auf den Boden. Die Schützen indes nahmen hinter den Schilden Stellung auf und legten auf die feindlichen Söldner an.
Nach mehr oder minder erfolgreichen Fernkampfangriffen, um die Gefahr von gegnerischen Bolzen gefällt zu werden zu beseitigen, wurde der Sturm der verstärkten Lanzen fortgesetzt. Kurz bevor man die Stellung des Gegners erreichte, wurde aufgefächert, um möglichst viele Feinde parallel zu binden. Wobei wiederum Priorität auf den Schutz der Schützen gelegt wurde.

Cendrasch warf sein Wurfbeil aus vollem Lauf. Sein Herz hämmerte und seit Atem ging stoßweise. Ein derartiger Sturm in voller Rüstung, was in seinem Falle ein mit Plattenteilen verstärkter Kettenmantel war, kostete Kraft, viel Kraft.

Der Angroschim fluchte und schob seinen nicht optimalen Wurf auf eben die Anstrengung. Dennoch traf das Beil den Schützen an der Schulter und dadurch verriss dieser die Armbrust bevor er einen gezielten Schuss abgeben konnte. Der Bolzen, welcher einem Kameraden des Zwergen gegolten hatte, bohrte sich unweit des Söldners in den matschigen Boden vor der Stadt.

Cendrasch riss sein Schwert aus der Scheide. Normal kämpfte er mit einem langstieligen Zwergenschlägel, doch für den Sturmangriff hatte er bewusst die Seitenwaffe und sein achteckiges Schild gewählt.

Als er den Schützen erreichte war dieser seinerseits dabei eine Handwaffe, in seinem Falle ein Kurzschwert zu ziehen, jedoch brachte er die Klinge nicht mehr rechtzeitig aus der Scheide am Gürtel. Cendraschs breites, zwergisches Schwert traf ihn im vollen Lauf am Kopf und durchschnitt die Lederkappe. Der Mann war tot, noch bevor sein Leib auf den Boden aufschlug.

Ohne anzuhalten stürmte Cendrasch weiter, hatte sein Laufweg eh einem anderen Ziel gegolten. Ein Kamerad erreichte sein anvisiertes Ziel, einen furchteinflößenden Oger mit Stachelkeule und einer Kette aus menschlichen Totenschädeln zuerst und griff das Monstrum ohne zu zögern an. Wiederum fluchte der Zwerg im Geiste. Er war ein wirklich guter Sprinter und stand körperlich im vollen Saft, aber er hatte nun einmal keine so langen Beine wie seine menschlichen Kameraden. Sei es drum, dafür hatte einen tiefen Schwerpunkt.

Der Soldat wich gerade einem Schwinger der Keule aus, als Cendrasch den stinkenden Fleischkoloss erreichte. Seine Taktik war nicht unbedingt schonend, aber dennoch nicht unüberlegt. Dies war nicht seine erste Begegnung mit einem solchen Ungetüm.

Der Angroschim stürmte seitlich in die Beine des Ogers, nahm den Kopf zwischen die Schultern und attackierte das Knie mit seiner Schulter. Dabei hatte er seinen Schwertarm ausgestreckt und ließ es auf das zweite Bein und dessen Gelenk zielen.

Der Aufprall war hart und ließ Cendrasch die Luft aus den Lungen entweichen. Kurz sah er schwarz, doch der Koloss war außer tritt, stolperte zur Seite und knickte mit einem Bein ein.

Sein Kamerad witterte Morgenluft, holte mir der Hellebarde aus und rammte die wuchtige Axt der Waffe gegen die Schulter des Waffenarms der nur grob menschlichen Form besitzenden Bestie, so dass diese brüllend die Keule fahren ließ, ja fallen lassen musste. Dann gab der Soldat dem stinkenden Vieh den Rest, indem er den Rammsporn an der Spitze seiner Waffe durch den Hals stieß. Einem letztes Gurgeln folgte ein riesiger Schwall Blut, dann kippte das Ungetüm zur Seite und rührte sich nicht mehr.

In dem Moment, da der aus Unmengen an Muskeln und Fett bestehende Leib erstarb, registrierte Cendrasch einen Mann, welcher im Schatten des Ogers gestanden hatte. Der Söldner trug eine Plattenrüstung und musste wohl der Anführer dieser Söldnereinheit sein. Sein Kopf, denn einen Helm trug er nicht, mutete abnormal an. Er hatte keinerlei Haare, die Haut schimmerte stark rötlich, wirkte schrumpelig wie rohes Fleisch aus der zusätzlich dutzende Sporne herausragten.

Das war auch der Moment indem Cendrasch resigniert. Er würde auf diesem Kriegszug noch viel Fluchen, vornehme Zurückhaltung würde niemanden glücklich machen, am wenigsten ihn selbst. Es war ein götterverfluchter Paktierer. Die Wahrscheinlichkeit, dass er den Oger unterjocht hatte kam Cendrasch kurz in den Sinn. Er verwarf ihn jedoch schnell wieder, denn er war nicht länger von Belang.

Der Hellebardier begriff leider zu langsam und stand zu seinem Pech näher zu dem Götzendiener. Die Peitsche, welche dieser in der Linken trug knallte und wickelte sich zielsicher um den Hals des Soldaten. Zu dessen Grauen half ihm der Plattenkragen den er trug nur wenig, denn die metallische, dornenrankenartige Peitsche zog sich immer enger, schien ein dämonisches Eigenleben zu besitzen. Mit einem Nackenhaare aufrichtendem, schreiendem Geräusch von sich verbiegendem Metall endete das Leben von Cendraschs Kameraden.

Unterdessen war er selbst heran und zwang den Anführer ihrer Feinde zu einer Parade mit dem Bastardschwert in seiner Rechten, während dessen Peitsche den bereits toten und am Boden liegenden Körper enthauptet, indem die Schlinge mit einem widerwärtig klingenden Knacken die Halswirbel durchbrach und sich vollständig schloss.

Wut entbrannte in den leeren Gedärmen Cendraschs. Er wollte nicht warten bis die Peitsche auch ihn treffen würde, er musste es schnell beenden. Nur so hatte er eine Chance befürchtete er.

Einer kurzen Angriffsfolge mit dem Schwert, welche der Paktierer scheinbar ohne wirklich in Bedrängnis zu geraten, leicht parierte, machte er einen tiefen Ausfallschritt auf seinen Gegner zu, ließ er den Schild ruckartig mit der Kante vorschnell und band so die einhändig geführte Waffe seines Gegners. Ja, es gelang ihm sogar sie mit dem Schild etwas nach außen, weg von seiner eigenen Waffe zu prellen. Seine breite, mit Runen verzierte und Angrosch geweihte Klinge drang durch die Platte seiner Rüstung und glitt tief in den Unterbauch des Paktierers. Doch wer gedacht hätte, dass damit die Gegenwehr des Paktierers bereits gebrochen wäre täuschte sich gewaltig.

Blut quoll aus dem Mund des Söldner und verzerrte dessen aufkommendes Lachen zu einem alptraumhaften Geräusch, welches nicht von dieser Welt stammen konnte, so grässlich war es. Gerade als er das Breitschwert erhob, um Cendrasch siegesgewiss zu köpfen, traf ihn eine Hellebarde von hinter dem Zwergen und spaltete seinen eigenen Kopf zur Gänze.

Doch selbst das konnte dem Ding, denn kein Wesen dieser Welt konnte derart versehrt noch aus eigenem Willen stehen und agieren, nicht den Garaus machen.
Das Schwert fuhr von oben auf Cendrasch herab. Der Hauptmann warf sich zur Seite, doch es war zu spät dem Angriff aus nächster Nähe auszuweichen. Ob es dem Fehlen des Kopfes des Paktierers, oder seinem beherzten Versuch der Klinge zu entgehen geschuldet war, dass sie nicht direkt in seinem Nacken fuhr wusste er nicht, aber das war aufgrund des Schmerzes der Cendrasch traf auch vollkommen gleichgültig. Die Spitze des Schwertes traf seine Plattenschulter, rutschte nach hinten ab und durchtrennte selbst die enorm engen Kettenglieder seiner Rüstung. Die Schneide durchtrennte den Muskel oberhalb seines Schulterblattes und kratze über den Knochen, bevor es zum Stehen kam.

Cendrasch schrie vor Schmerz. Vor seinem geistigen Auge tanzten Bilder einer dampfenden Landschaft aus rot glühendem, flüssigem Gestein unter einem dunklen, sternlosen und alles verschlingendem Himmel. Unaussprechlich grässliche Wesenheiten, scheinbar ohne feste Gestalt tauchten aus dem Nebel auf und verschwanden wieder, doch sie kamen näher, rasend schnell. Die in ihm keimende Angst überrollte ihn förmlich, füllte das Gefäß seines Geistes bis es überlief und er so dem Wahnsinn nahe kam.

Dann, so schnell es gekommen war, endeten die Trugbilder, doch der Schmerz blieb und auch ein Teil der Angst. Cendrasch blinzelte, um die Benommenheit abzuschütteln. Er lag auf der Seite. Nur zwei Schritt von ihm entfernt lag der noch brennende Leib des Paktierers, vollkommen entstellt, zerhackt, ohne Gliedmaßen, fast jeder Form beraubt. Daneben drei offenkundig Tote in den Farben des Kosch. Um die Szenerie standen vier Hellebardiere, von dem Schrecken gezeichnet den sie beigewohnt hatten, die Waffen immer noch mit den Spitzen Enden auf das brennende etwas gerichtet.

Eine Stimme aus seinem Rücken holte Cendrasch endgültig zurück ins Diesseits. „Bitte versucht Euch nicht zu bewegen. Ich habe viel Kraft für den Cantus des Ignifaxius aufwenden müssen. Dieser Frevler wollte einfach nicht sterben. Eure Wunde sieht übel aus und sie ist mit einer dämonischen Waffe geschlagen worden. Ihr müsst dringend zu einem der Peraine-Geweihten, wenn ich sie oberflächlich gereinigt und geschlossen habe. Mehr vermag ich nicht zu tun. Allein das ihr Lebt ist wohl Eurer Konstitution zu verdanken. Mehrere Mitglieder Eures Banners hatten nicht so viel Glück.”

Der Angroschim schloss die Augen und legte vorsichtig den Kopf auf dem feuchten Boden ab. Nach und nach brach der Widerstand der Gegner und der Weg nach Eslamsbrück wart gesichert. Die Kämpfe waren beendet. Die Verluste waren dennoch beachtlich, wenn der Kampf auch nicht so verheerend gewesen war, wie bei der Eroberung des Pandemoniums.

Trotz allem, die erste Etappe war bestanden. Über Eslamsbrück würde noch heute ein kaiserliches Banner thronen und ihren Sieg für alle Zweifler trotzig bekunden.