Graf Orsinos langer Schatten - Des Grafen Ebenbild

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Texte der Hauptreihe:
K1. Des Grafen Ebenbild
Mitte Bor 1041 BF am Mittag
Des Grafen Ebenbild

Kapitel 1

Der Sohn eines anderen
Autor: Geron und Kunar
Beilklamm, Mitte Boron 1041

Eberhelm von Treublatt war voller Vorfreude. Dies würde ein großer Tag werden! Sein Sohn Bolzer käme mit dem Ritterschlag aus Weiden zurück. Eine bessere Ausbildung als dort konnte man sich doch gar nicht vorstellen – klassisch, ganz nach den Idealen Baduars. Wenn nur Fürst Blasius das noch hätte miterleben können! Eberhelm konnte zurecht stolz auf seinen Erben, nein, seine ganze Familie sein. Es war ja schließlich seine Frau Anghild gewesen, die darauf bestanden hatte, den Jungen für seine Pagen- und Knappenzeit in den Außerkosch zu schicken. Ein großes Opfer, denn es hatte bedeutet, dass beide Eltern Bolzer über Jahre kaum zu Gesicht bekommen hatten. Ja, er musste es Anghild hoch anrechnen, dass sie ihre mütterlichen Instinkte soweit im Griff gehabt und auf die Zukunft Bolzers geschaut hatte. Als frisch geschlagener Ritter ohne Furcht und Tadel würde sich dieser hier im Kosch schon beweisen. Fürst Anshold war gerade erst gekrönt worden und auf gute Leute angewiesen. Eine Anstellung am Fürstenhof – das wären doch glorreiche Aussichten!

Der stolze Vater wollte sich nicht lumpen lassen und hatte ein kleines Festmahl vorbereiten lassen. Er ließ alle Bediensteten Beilklamms und natürlich seine Gattin und Tochter antreten, als abends die Stunde von Bolzers Ankunft näherrückte. Doch als dieser vom Pferd stieg, den Hut abnahm und in den Schein der Fackeln trat, war die Wiedersehensfreude geteilt. Nun zeigte sich, wer von den Anwesenden noch jung war und wer noch Orsino von Falkenhag gekannt hatte, denn Bolzer sah dem Grafen vom Angbarer See wie aus dem Gesicht geschnitten! Niemand von den älteren wagte es auszusprechen, aber es war allen von ihnen klar, was die anderen dachten: Bolzer war ein Bastard Orsinos.

Eberhelm war bis ins Mark erschüttert, schwankte und musste sich schließlich an die Wand stützen, um nicht umzufallen. Ein aufmerksamer Diener kam ihm zur Hilfe und geleitete ihn nach kurzer Rückfrage in sein Gemach. Anghild starrte entsetzt auf ihren Gatten, eine Hand vor den Mund gelegt.

Bolzer verstand nicht, was hier ablief. „Vater! Was ist denn los?“ Anghild kam auf ihn zugelaufen und umarmte ihn. „Ach, Bolzer, warum hast Du Dir denn diesen Bart wachsen lassen? Und hattest Du mir nicht versprochen, die Haare nie allzu lang zu tragen?“ „Ich bin doch ein erwachsener Mann und im Kosch trägt man einen Bart. All die Jahre lang hatte ich einen kurzen Schnitt, da habe ich mich kurz vor dem Ritterschlag entschieden, endlich einmal etwas anderes auszuprobieren. Gefällt es Dir denn nicht?“ „Es… es ist alles gut, mein lieber Bolzer!“ Seine Schwester Govena kam nun auch auf ihn zu und begrüßte ihn. Anghild hatte derweil wieder einen besorgten Gesichtsausdruck. Sie befürchtete das schlimmste.

Beim Wiedersehensmal war Eberhelm nicht anwesend. Ein Diener richtete aus, dass der Herr des Hauses sich nicht wohl fühlte, und brachte ihm stattdessen Speis und Trank aufs Zimmer. Bolzer bedauerte dies sehr, verstand aber dennoch nicht, warum die Stimmung plötzlich so bedrückt war.