Fulehung

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12. Efferd

Ferdoker Fest zum Gedenken an die orkische Belagerung anno 600 BF und die siegreiche Schlacht von Ferdok vom 7.-9. Ingerimm. Die Feier wird deshalb im Efferdmond gehalten, weil der Sage nach erst am 12. Efferd 613 BF mit dem ruhelosen Geist des Orkenhauptmannes Fulehung der letzte Schwarzpelz gebannt wurde.

Aus der Artikelserie „Dichtung oder Wahrheit?“ des Hetter Sindarin, Hesindegeweihter aus Bethana im „Hesindespiegel“ vom BORon 22 Hal

Unlängst brachten mich meine Reisen im Dienste der Göttin in das schmucke Koscher Städtchen Ferdok, welches sich durch sein exquisites Bier einen Namen in beiden Kaiserreichen gemacht hat (der Autor spielt wohl darauf an, daß die Ferdoker Braukunst auch schon vor dem Fall Bosparans hoch gerühmt wurde). Es war in der Mitte des Efferdmondes. In den Gassen herrschte rege Betriebsamkeit, alles war fröhlich; aus den Fenstern wehten bunte Fahnen – bald schien es mir, als würde hier ein Volksfest gefeiert. Schon wollte ich einen Fuhrknecht, welcher gerade einen tiefen Zug aus einem Humpen nahm, fragen, was genau hier vorgehe, da wurde ich schmerzhaft von hinten angerempelt.

Nur mit Mühe konnte ich mich auf den Beinen halten. Der Übeltäter, ein schlaksiger Knabe von etwa zwölf Jahren, rappelte sich auf und rannte weiter –  ich hörte noch ein schwaches „ ‘zeihung, Euer Gnaden“ –, der Fuhrknecht aber zog mich rasch zu sich an den Straßenrand. Und dies zur rechten Zeit, denn nun hetzte eine gräuslich anzusehende Gestalt um die Hausecke, hinter dem Knaben her. Wohl über zwei Schritt groß war der Unhold und am ganzen Körper in zottiges Fell gehüllt. Sein Kopf war bedeckt von einer großen Holzmaske, deren Gesichtszüge wohl einem Dämonen Angst einjagen könnten: In einem widerlich verzerrten Mund standen faule, spitze Zähne, die Nase war lang und krumm, mit büschelweise Haaren darin, und die Augen schließlich waren tiefe schwarze Löcher, zu drohenden Schlitzen verzogen. Darum standen Pickel und Warzen der scheußlichsten Sorten, dies alles bemalt mit blutroten und irdenen Farben. Gekrönt war der Schädel von einem hohen Kopfputz mit mächtigen gewundenen Hörnern.

Dieses Schreckgespenst also hetzte an mir vorbei, indem es eine schwere, dreischwänzige Peitsche schwang, an deren Enden getrocknete Schweinsblasen hingen. Damit teilte es Schläge nach links und rechts aus, die von den Umstehenden mit wüsten Schimpfworten quittiert wurden. Nach dem ersten Schreck ward mir bald klar, daß dieses Ungetüm ein Teil des Festes sein mußte, das an diesem Tag in Ferdok gefeiert wurde. In der Tat bestätigte mir der gute Fuhrknecht dieses sogleich und erzählte, was es mit diesem Wesen, daß er den „Fulehung“ nannte, auf sich hatte.

„Euer Gnaden wissen doch,“ hub er an, „daß vor vier Jahrhunderten, nachdem die Zauberer sich um das Reich gestritten und es gar zu Grunde gerichtet hatte, die Orken zu Tausenden ins Land eingefallen sind. Wie die Schwarzpelze zum Großen Fluß kamen, gerieten ihre Häuptlinge in Streit. Es waren nämlich zwei Völker, die Tordochai und die Tscharshai, und keines wollte dem anderen die Führung lassen. Der Häuptling der Tscharshai, der zugleich ein mächtiger Hexer war, zog darauf mit seiner Streitmacht den Fluß hinab, während die Tordochai nach Gareth marschierten.

Die Zaubermacht des Orkhexers verhalf seinen Kriegern immer wieder zum Sieg, und sein Heer rückte unaufhaltsam ins Landesinnere vor. Angbar war schnell verloren und brannte, und blieb vor der völligen Zerstörung nur verschont, weil seine Bürger ihre Ehre und ihr Leben verkauften. Schon standen die Orken vor Ferdok, daß ihnen nach der großen Fürstenstadt eine leichte Beute schien. In der Stadt Ferdok aber sammelte Korisande vom Berg, die damalige Obristin der Ferdoker Garde, alle kampfesfähigen Männer und Frauen der Umgebung in der Stadt, um sich dem schwarzen Feinde entgegenzustellen. Sogar von weither kamen mutige Recken, darunter manch grimmiger Zwerg aus dem Amboßgebirge, um den Ferdokern bei dieser entscheidenden Schlacht beizustehen.

Als nach über zwei Tagen erbitterter Schlacht die Späher meldeten, im Lager der Orks bereite man alles vor für eine unheiligste Zeremonie: Die Orks veranstalteten großen Lärm mit dumpfen Trommeln und schrillen Pfeifen; aus der Mitte des Lagers quoll schwarzer Rauch hervor. Gierig nach Blut warteten die Unholde auf das Signal zum Angriff, wenn ihr Häuptling seinen Zauber vollendet hätte. Doch was immer der Hexer gerufen hatte, lebende Leichen oder üble Dämonen – nichts erschien. Im Orkenlager begann Unruhe sich breitzumachen. Die Anführer schickten Boten zu ihrem Häuptling, um neue Anweisungen einzuholen.

Als Korisande vom Berg dessen gewahr wurde, hieß die tapfere Obristin alle, die nicht kämpfen konnten, in die Tempel gehen und für das Heil der Stadt beten und befahl ihrer Truppe unverzüglich einen Ausfall. Wie Rondras Sturm brachen nun die Gardereiterinnen in die Reihen der Schwarzpelze. Todesmutig schlugen sie sich eine Gasse durch die verwirrten Feinde, bis sie zu der Stätte kamen, wo der Hexer seinen finsteren Zauber zu wirken versuchte. Dieser erschrak ob der Kriegerinnen in blitzender Rüstung und wandte sich zur Flucht, doch schon bohrte sich eine Lanze durch seinen Leib. Da blies die Obristin das vereinbarte Signal, und aus den Toren Ferdoks stürmten alle verbliebenen Kämpfer und Bürger der Stadt.

Die Nachricht vom Tod des Hexers verbreitete sich in Windeseile unter den Orken und ließ ihren Kampfesmut gänzlich zerrinnen, so daß sie den triumphierenden Ferdokern nur noch den Rücken zuwandten. So ward das Herr der Tscharshai für alle Zeiten zerschlagen, die siegreichen Bürger aber trugen die Ritualmaske des getöteten Häuptlings in die Stadt und trieben allerlei Spott mit ihr. Alljährlich feierte man diesen großen Sieg und verlachte den unheiligen Feind, indem einer der jungen Männer die Maske des Häuptlings trug und — vergeblich — versuchte, die Kinder zu erhaschen, die ihn ausschimpften und mit Früchten bewarfen. Während der Zeit, als der Thron in Gareth leer stand und viele Häuser um die Nachfolge kämpften, ging der Brauch in den Kriegswirren vergessen. Doch nun, da die Vergangenheit wiedergekehrt und die Götter uns einmal mehr vor dem Orkensturm errettet haben, erinnert man sich wieder des alten Festes und der scheußlichen Maske des Fuhelung. Wie früher verkleidet sich ein ausgewählter Jüngling als orkischer Unhold — es ist eine große Ehre, der Fuhelung sein zu dürfen — und jagt den Kindern der Stadt nach. Diese lachen ihn aus und versuchen, ihn von hinten am pelzigen Schwanz zu packen, worauf er besiegt ist und dem Sieger einen Kreuzer zahlen muß. Doch dieser Gewinn wird oft teuer erkauft, denn die Schweinsblasenpeitsche des Fuhelung ist ziemlich schmerzhaft.“

Ich dankte dem Fuhrknecht für diese artige Erzählung, begehrte aber doch zu wissen, was es mit dem Namen „Fuhelung“ auf sich habe. Er erklärte mir, das bedeute „Fauler Hund“ in der Ferdoker Mundart. Die Kinder schreien es dem maskierten Jüngling nach, um ihn zu reizen und zu schnellerem Laufen anzutreiben. Das mag recht einleuchtend klingen, doch glaube ich selbst, einen anderen Ursprung des Wortes gefunden zu haben. Denn wenn ich mich recht entsinne, spricht die Historia Aventurica des Tempels zu Kuslik von einem gefürchteten Orkschamanen namens Vulunkh …

Siehe auch: Koscher Kalender, Schlacht von Ferdok

Quellen