Feldzug im Wengenholm - Ein Nachzügler

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Borking, 1033

Grimmig blickte Gerbald von Borking zurück auf die Borkenhalle, den Stammsitz seiner Familie, als er Ende Praios des neuen Jahres auf seinem prächtigen Schimmel inmitten seines bescheidenen Gefolges die Hauptstraße hinabritt.
Ihm und seinem frisch angetrauten Weib Emergunde von Hirschingen, nunmehr von Borking, war nicht viel Zeit geblieben, um ein ruhiges Leben als Ehepaar zu genießen, seitdem sie am 18. Rahja 1032 BF den Traviabund eingegangen waren. Der Aufruf des Fürsten zur Tjoste nach Angbar mit anschließendem Feldzug nach Wengenholm hatte sie aus ihrer beschaulichen Zweisamkeit gerissen. Doch nur kurz war Gerbald darob enttäuscht gewesen, brauchte er doch nur in die leuchtenden braunen Augen seiner jungen Gemahlin zu blicken, die sich nichts sehnlicher wünschte, als schon bald nach Angbar aufzubrechen, wo alte Freunde und Bekannte auf sie warteten und es schließlich galt, ein Turnier zu gewinnen.
Wie gern hätte Gerbald ihr diesen Wunsch erfüllt. In Borking lief ohnehin alles seinen gewohnten Gang und sein Vater war noch rüstig genug, die Amtsgeschäfte eines Junker ohne seine Hilfe zu führen, wie er es all die Jahre zuvor auch getan hatte. Im Grunde genommen gab es also keinen wirklichen Grund hier an der Nesse zu versauern, während man in Angbar Ehre erringen konnte. Natürlich würde man sich im Anschluss an das Turnier ebenfalls gen Wengenholm wenden.
Doch gerade jetzt stellte sich der alte Damian von Borking quer und verweigerte es seinem ältesten Sohn beharrlich, Borking allzuschnell zu verlassen. Und Schuld daran war nur eine unvorsichtige Bemerkung Emergundes gewesen, die mit den hiesigen Verhältnissen noch nicht gänzlich vertraut war.
Gerbald würde den wütenden Gesichtsausdruck seines Vaters sicherlich so schnell nicht vergessen, als diesem zu Ohren gekommen war, dass sein eigener Sohn, der Erbe Borkings, sich anschickte im Gefolge der Baronin Neralda Cella von Nadoret nach Angbar zu ziehen. In seinen Augen verstieß dies gegen die traditionelle Gegnerschaft des Hauses Borking zu den Nadorets, die seit Jahrzehnten gepflegt wurde. Geradezu getobt hatte der alte Damian, als seine Schwiegertochter insistiert hatte und darauf bestand, dass doch die Baronin die Lehnsherrin des Junkers sei. Nahezu täglich hatte er seine Zustimmung zur Teilnahme seiner Erben am Turnier und Feldzug verweigert, sogar das schändliche Wort Enterbung war in einer besonders heftigen Auseinandersetzung gefallen.
Letztendlich hatte Gerbald sich um des Familienfriedens Willen dem Wunsche seines Vaters gebeugt und seine Abreise so weit hinausgezögert bis die Truppen der Baronin Nadoret verlassen hatten. Leider war es nun zu spät, um noch rechtzeitig am Turnier in Angbar teilzunehmen, was vor allem Emergunde tief betrübte.
Aber immerhin würde man noch rechtzeitig zur Stelle sein, um mit anderen wackeren Streitern nach Wengenholm zu ziehen. Es gab noch einen weiteren Grund, der Gerbald keine Ruhe ließ und den sogar sein Vater hatte gelten lassen - gleichwohl, ohne seine Meinung deswegen grundlegend zu ändern:
Bereits seit einiger Zeit schon waren die Nachrichten von Damians Base 4. Grades Firnia von Borking und ihrer Familie versiegt, die in Bilchtrutz lebten. Nie war der Kontakt ein äußerst inniger gewesen seitdem der Ahnherr des wengenholmschen Familienzweigs Ardan mit seinem Bruder Melcher wegen dessen Verbindungen mit dem Erzschurken Porquid von Ferdok gebrochen hatte, doch dass man so gar nichts von den entfernten Verwandten hörte, ließ Gerbald das Schlimmste befürchten.
Nun ritt er an der Spitze eines zehnköpfigen Zuges, zu dem neben ihm und seiner Gemahlin Emergunde einige brave Bürgersleut aus Borking gehörten, um Licht in das Dunkel zu bringen. Mochten RONDRA und PHEX ihnen beistehen!