Entscheidung im Wengenholm - Der Ehrenplatz

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Stolzenburg, 1033

Ardan von Bärenstieg atmete wieder einmal schwer. Es hatte verdammt lange gedauert, bis all die Truppen durch die Klamm gestiegen waren und sich in einem der dunklen Wälder des Erztales versammelt hatte. Ardan war einer der ersten gewesen, der durch die Klamm gestiegen war, und so hatte er mindestens ein Stundenglas damit zugebracht, auf den Warnruf der Finsterzwerge zu warten, die ihren Trupp auf dem nackten Berg sicherlich entdecken mussten.
Aber es erschall kein Ruf. Die Besatzung der Stolzenburg war viel zu sehr damit beschäftigt den Sturmangriff der Koscher abzuwehren, als das sie die Gestalten entdeckt hätte, die von Fels zu Fels huschte, bis der Wald erreicht war.
Zügig sammelte sich das Heer und die Kämpfer begannen sich nach ihren Sendschaften zu ordnen und dann die Formation einzunehmen. Ardan hatte seine wenigen Begleiter schnell beisammen und sich mit ihnen an die rechte Flanke begeben. Der Ehrenplatz des Wengenholmer Aufgebots war bisher stets den tapferen Streitern der Baronie Auersbrück vorbehalten gewesen. Die Baronie gab es freilich nicht mehr, und doch stand Ardan nun mit seinen Leuten auf der rechten Flanke.
Auch die Streiter aus Zweizwiebeln hatten sich, unter Angrich von Zweizwiebeln, eingefunden und wurden von den Bärenstiegern mit großem Hallo begrüßt. Es dauerte jedoch nicht lange und das Auersbrücker Aufgebot drängte herbei. Ardan stand etwas abseits, aber die Lage eskalierte schnell. Angrich wies die Auersbrücker an sich zu formieren, aber diese bestanden darauf, am äußeren Rand zu streiten, genau dort, wo die Zweizwiebler standen. Ein Wort führte zum nächsten und schon wurden Schwerter gezogen und Äxte drohend geschwenkt.
Auch Ardan eilte herbei, um sich ins Gedränge zu mischen. Eine ältere Frau aus Auersbrück brüllte auf ihn ein, dass der Ehrenplatz der wichtigsten Stadt der Landschaft gehörte und nicht den Zweizwieblern. Ardan kümmerte sich gar nicht darum ihr zu antworten, während er weiterdrängte. Junker Angrich schupste einen vorlauten Bengel aus Auersbrück zurück und rief: „Die Barone von Auersbrück sind das Haus Zweizwiebeln, so nehmt euren Platz ein und folgt unserem Banner.“
„Arrogantes Adelspack!“ rief der zurückgestoßene Bengel. „Soll euch doch der Alagrimm holen. Der Adel hat keine Macht mehr über dieses Land.“
Das war zu viel für Ardan. Bevor der Knabe sich versehen konnte hatte Ardan ihn an seinem wattierten Wams gepackt und rammte ihm das rechte Knie zwischen die Beine.
„Sieh dich vor, Bürschen!“ warnte er. „Es mag keinen Baron mehr geben, aber der Adel schützt euch noch immer, also halt dein vorlautes Maul und reih dich ein.“
Der Auersbrücker Haufen nahm die Misshandlung ihres Mitgliedes nicht gut auf, und die beiden Haufen warfen sich immer mehr Beleidigungen zu und waren drauf und dran aufeinander loszugehen, als der Scharmeister Kordan von Blaublüten-Sighelms Halm, gefolgt von einigen seiner Waffenknechte, zwischen die Gruppen trat.
„RUHE!“ donnerte er. „Dort drüben kämpfen und sterben Koscher, und ihr streitet euch um den ehrenvollsten Platz in der Schlachtordnung?“
Betreten senkten die Kontrahenten die Blicke.
„Die Zweizwiebler waren als erste vor Ort, also gebührt ihnen der Ehrenplatz. Der Rest von euch ab ins Glied!“ herrschte der wutentbrannte Geistmärker Baron die verdatterten Auersbrücker an. Zwar war die Ablehnungen vielen Auersbrückern aufs Gesicht geschrieben, aber dem Scharmeister zu widersprechen wagte in dem Moment niemand.