Entführung des Prinzenpaares - Immer weiter

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Bor 1031 BF
Immer weiter
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Kapitel 58

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Wengenholm, 1031

Drinnen angekommen, begab sich Urion gleich zum angefachten Feuer. Er legte vorsichtig einen Scheit nach und wartete, bis dieser angebrannt war. Dann wandte er sich an die Umstehenden.
"Mein Prinz, werte Kameraden, in dem kleinen Fässchen, dass der Herr Anselm dort so prächtig platziert hat, wartet ein kräftiger Brannt darauf getrunken zu werden. Er wird Euch nach dieser traurigen und kalten Beerdigung sicherlich von Innen ein wenig Wärme spenden. Nach dem Essen sollten wir uns alle zur Ruhe begeben. Wir benötigen morgen alle Kräfte. Wenn wir alle in diesem Raum übernachten, wird uns das Feuer genug Wärme spenden, auf dass es uns nicht so ergeht wie den armen Seelen."
Er wandte sich zu einem großen Eisentopf, der von einem fleißigen Helfer mit Schnee gefüllt worden war, und hängte ihn über das Feuer. Dann warf er erneut einen weiteren Scheit auf das nun munter prasselnde Feuer. Während er sich an die Zubereitung einer heißen Suppe machte, wandten sich die anderen dem Schnapsfässchen zu.
Die Gruppe war still an diesem Abend. Kaum jemand erhob das Wort. Jeder schien seinen Gedanken nachzuhängen, dem leisen Knacken des Feuers zu lauschen, die davon und vom Brannt ausgehende Wärme in sich aufzusaugen. Eine Mischung aus dumpfer Trauer, Erschöpfung und gespannter Ungewissheit vor dem morgigen, wohl entscheidenden, Tag lag in der Luft.
Prinz Edelbrecht stand noch lange an einem schmalen Fenster, als sich seine treuen Gefährten schon längst zur Ruhe begeben oder Wachposten bezogen hatten. Die graue Dunkelheit der Nacht gab nur schemenhafte Umrisse von schneebeladenen Tannen preis, welche die bergige Landschaft bedeckten. Dicke Flocken fielen unaufhörlich herab, so dass er den Turm von Burg Firntrutz nur noch erahnen konnte. Bilder vergangener Jahre kamen ihm in den Sinn. Bilder des Glücks - als er mit seinen Brüdern Idamil und Anshold im Schlosshof spielte, begleitet vom fröhlichen Lachen ihres Vaters. Bilder der Trauer - als er vom Tod Idamils in der Schlacht von Gareth erfuhr und in den Augen des Fürsten erkannte, dass mit ihm ein Stück der Lebensfreude ihres Vaters erloschen war - dass in ihnen statt der altbekannten Herzlichkeit und Lebenslust nunmehr Gebrochenheit und Alter lagen. Er wusste, dass der Tod seines ältesten Sohnes, des Sprosses, der ihm am ähnlichsten war, dem Fürsten auch den letzten Funken verbliebenen Glückes rauben würde.
Tod.
Der gebrochene Ast. Edelbrecht dachte an das erfrorene Ehepaar in der Hütte, an ihre ineinander geschlungenen leblosen Körper ... ihre Gesichter verwandelten sich für einen Moment in die seiner Schwägerin Nadyana und seines Bruders Anshold. Ein Schauer rann über seinen Rücken, den er mit einem kräftigen Schluck aus seinem Kelch vertrieb. Dann wandte er seinen Blick wieder den Koschbergen zu.
"Anshold, mein geliebter Bruder ... wenn die Zwölfe dich in ihrer Güte noch am leben gelassen haben ... halte durch! Das Land braucht dich ... Vater braucht dich ...", Edelbrechts Flüstern hallte in seinem Kopf wider wie ein donnernder Ruf, "Ich schwöre, dass ich dich finden und retten werde, selbst wenn ich mein eigenes Blut dafür geben muss ... so sei es ... bei Rondra!"
In der Ferne erklang der lange Ruf eines Wolfes.

Über Nacht war so viel von Ifirns Pracht gefallen, dass die Tür zugeschneit war und man notgedrungen die Hütte über die Fenster der oberen Stockwerke verlassen musste. Immerhin hatten sich die Wolken mittlerweile offenbar geleert und gaben den Blick zum Himmel frei. Die rötliche Glut der Morgensonne tauchte die Landschaft in ein unwirkliches, glühendes Licht. Die Ebene erinnerte an glühende Lava und der vom Eiswind emporgewirbelte Pulverschnee stob funkengleich durch die schneidend kalte Luft. Die Nadel von Firntrutz glich mit jedem Schritt mehr einem trutzigen Steinturm.
Adran von Schmalfurt zog den Mantel enger um seine Schulter. Im schneidenden Eiswind machte sich der bärenhafte Mann unwillkürlich klein. Adran hatte zuvor noch die fast geleerten Tiegelchen mit dem Gänsefett herumgehen lassen, nicht ohne geradezu mütterlich zu raten, ja nicht die Ohren zu vergessen. Dann hatte er mühsam einen Fensterladen gegen den Schnee aufgeschoben, war hinausgeklettert und half nun den nachkommenden Gefährtinnen und Gefährten.
Baron Tyrian war wenig elegant und fast bäuchlings hinausgekrabbelt. Nach dem Dunkel der Almhütte mußte er zunächst ein wenig blinzeln, als er sich orientierungssuchend umblickte. Sodann half er Baron Adran Ausrüstungsgegenstände entgegenzunehmen, um sie dann kurzerhand am traurig aus dem Schnee herausragenden Giebel der Hütte zu sammeln.
"Dieses Licht", murmelte er dabei mehr zu sich selbst, denn zu Adran. "Will der Herr Praios heute ein Urteil sprechen?"
Währenddessen stand Urion noch an der Feuerstelle und verstaute die letzten trockenen Holzscheite im Rucksack. Niemand konnte sagen, ob man heute die Feste erreichen würde und so hätte man dann wenigstens etwas trockenes Holz um eine erstes Feuer zu entzünden. Daran konnte man dann auch neues Holz trocknen. Auch das nahezu leere Schnapsfässchen band er an den Rucksack und griff nach seinen Schneeschuhen.
In der wohligen Wärme der Almhütte hatte er nach dem anstrengenden Aufstieg gestern tief und fest geschlafen. Trotzdem spürte er die Erschöpfung in den Gliedern. Nun forderte die anstrengung auch bei ihm seine Opfer. er würde sich im hinteren Teil der Abteilung halten und in den Spuren der anderen laufen. Denn heute würden sie hoffentlich ihr Ziel erreichen. Würde sich heute das Schicksal des Eberstamms erfüllen? Er sah die Entschlossenheit im Gesicht des Prinzen welches auch ihm neue Zuversicht gab. Sorgfältig prüfte er den Sitz seiner Ausrüstung und seines Schwertes. Dann nahm er sein Schild und begab sich zum Fensterladen, um den anderen ans Tageslicht zu folgen.
Es herrschte Aufbruchsstimmung, von welcher sich Anselm anstecken ließ. Das Wetter war des Firun zum Wohlgefallen und des Menschen Prüfung. Anselm fühlte sich gut und zog die kalte Luft durch die Nase tief ein. Es war ein wahrhaft befreindes Gefühl nach der, zwar wohligen Wärme und Geborgenheit, aber doch Enge innerhalb der Alm. Auch er nahm sich wie Urion noch ein paar Holzscheite und andere Dinge für die Gemeinschaft. Sie würden zusammenhalten müssen und niemand konnte genau sagen, wie lange sich das Wetter so halten oder ob in den nächsten Stunden gleich wieder ein Sturm aufkommen würde. Die Berge hier waren genau so unberechenbar wie der Finsterkamm in der Mark.
Thorben glitt nach draußen und gesellte sich zu Adran, um diesem zu helfen der Gruppe aus dem Fenster zu helfen. Der Wehrmeister hatte nach dem Aufstehen an jeden einen Streifen Stoff mit einem kleinen waagerechten Schlitz verteilt. Diesen sollten sich alle vor die Augen binden. Als er Tyrians mehr rhetorische Frage hörte antwortete er trotzdem:
"Damit der Herr Praios keinem das Licht der Augen nimmt, haben wir diese Stoffstreifen. Immer noch liegt es zwar nur in der Hand des Götterfürsten uns Gnade zu gewähren, aber das tragen dieser Streifen scheint ihn etwas milder zu stimmen."
Dann fügte er noch hinzu: "Manchmal nimmt der Herre Praios das Licht der Augen, wenn die Frau Ifirn uns ihre Flocken gesandt hat, um uns zu warnen und uns zu zeigen, wie es in der ewigen Dunkelheit sein kann. Wenn man alleine unterwegs ist, so ist das der sichere Tod, wenn man in Gesellschaft reiste, so ist es eine eindrückliche Warnung seinen Lebenswandel zu überdenken."
Thorben blickte, während er den Gefährten aus dem Fenster half, hinüber zur Felsnadel der Burg. Sie würden nochmal alle Reserven mobilisieren müssen, wenn sie die Burg vor Anbruch der Nacht erreichen wollten, würden sie das nicht schaffen, wären sie verloren.
Er hatte auch nochmal überlegt, ob er ihro Gnaden Lyeria wegen seiner Bedenken erneut ansprechen sollte, hatte aber davon Abstand genommen, weil er der Meinung war, daß, wenn sie seine Bedenken teilen würde, sie sich bereits gekümmert oder erneut das Gespräch gesucht hätte. Er blickte zu Ardan und sagte:
"Herr von Schmalfurt, wenn ihr zuerst die Spitze übernehmen könntet! Wir werden dann in gewissen Abständen oder wenn es die Kräfte gebieten wechseln."
"Ein guter Gedanke. Wehrmeister", meinte Adran und nickte. Dann band er sich die Augenbinde um und sagte beiläufig:
"Mein Herr Vater würde nun sagen, wir sähen mit diesem Zeug aus wie maraskanischeDschungelkämpfer."
"Maraskische Tschunkel-Kämpfer?" fragte der Baron Tyrian, der noch zwei Holzscheite bei sich verstaute, irritiert. Adran klärte ihn auf, während er noch einmal den Sitz der Schneeschuhe prüfte.
"Stellt euch eure heimischen Strauchdiebe mit solchen Binden oder mit Gesichtsbemalung vor. Die greifen aber nicht nur einfach aus dem Hinterhalt an, sondern vielleicht noch von unten oder von oben. Und ob Schwert, Gabel oder Gift, sie führen jedes Ding mit Todesverachtung in die Schlacht."
Baron Tyrian blickte zweifelnd.
"Seid Ihr da sicher?"
Adran zuckte mit den Schultern.
"Sicher bin ich nur, daß wir eben noch Glut für die Pfeife hätten mitnehmen sollen."
Dann wandte er sich um und stapfte mit prüfenden Schritten voran. Auch Answin kletterte hinaus in die strahlend schöne - und doch so tödliche - Bergwelt. Er folgte den Anweisungen der Kundigen und fettete sich gründlich ein, so wie er auch die Schneebrille aufsetzte. Prüfend warf er einen Blick zur so nahe scheinenden Burg hinüber - die doch noch so unendlich fern war. Was war es, was sie dort erwartete? Mit einem energischen Kopfschütteln versuchte er die trüben Gedanken zu vertreiben und wartete auf das Zeichen zum Aufbruch. Er war entschlossen, das Letzte zu geben, um die Burg noch heute zu erreichen und den Gefährten nicht zur Last zu fallen.
Edelbrecht atmete noch einmal tief durch, ehe er gleich nach Adran von Schmalfurt hinaus in das reglose glühende Meer stieg. Der Firn knirschte unter jedem Tritt der festen Stiefel. Der Blick immer wieder fest auf die vor ihnen liegende Burg gerichtet. Die Götter waren gnädig genug keinen neuen Schnee zu schicken, doch noch immer peitschte der Wind über das Land und wirbelte Kristalle zum Firunstanz in die Luft. Gegen Mittag machte die Gruppe nur kurz Rast und nahm ein wenig Proviant zu sich - zu sehr lockte das lange ersehnte Ende dieser Queste. Jeder mühte sich darum die Zuversicht über die Sorge gewinnen zu lassen - mit einem Rondrachoral auf den Lippen brachen sie erneut auf.
Antara hatte in der Nacht tief und traumlos geschlafen, ein ungewöhnlicher Umstand, wo sie doch tags zuvor die Nähe ihres Gottes verspürt hatte. Immer noch müde reckte sie die steifen Glieder und zog sich in eine ruhige Ecke zurück für ein stummes Gebet. Sie packte ihr Gepäck wieder sorgfältig für den bevorstehenden Marsch zusammen und nach kurzem Überlegen nahm sie, wie die anderen auch, einige Holzscheite mit. Man wußte nie, wofür diese noch gut sein würden. Die Augenbinden betrachtete sie verwundert, fragte aber nicht weiter nach. Als sie sich raus in weiße Pracht begab, verstand sie.
"Wer hätte das gedacht? Der Herr Praios läßt sein gleisendes Licht hier ebenso hell und blendend erstrahlen wie in der Khom ... nur bei weitem nicht so heiß", bemerkte sie.
Der Rondrachoral durchbrach die Monotonie des Marsches mit den Schneeschuhen. Immer wieder war er in die Fußstapfen des Hundsgrabers getreten. Bisher war es deutlich einfacher als der gestrige Aufstieg. Urion blinzelte durch seine Augenbinde fast geblendet von Praios Herrlichkeit. Welch imposante Demonstration der Macht des Götterfürsten. Aber war dies nicht auch ein Zeichen des göttlichen Wohlwollens für diese Queste? Wer oder was sollte dem strahlenden Licht des Herren der derischen Ordnung widerstehen. Tief im Inneren berührte eine zuversichtliche Hoffnung den Rittmeister. Sie würden es schaffen, sie würden das Cronprinzenpaar retten und dem Eberstamm den Stammhalter zurückbringen.
Ein Wink des Wehrmeisters riss Urion aus seinen Gedanken. Er sollte nun nach vorn und die Spur treten. Nun! Er hatte gewusst, dass auch er auf diesem Marsch gefordert würde. Mit ausgreifenden Schritten überholte er den Prinzen und trat im Takt des Rondrachorals an die Spitze, um den Schmalfurter abzulösen. Mit neuer Zuversicht warf er einen kurzen Blick zurück. Die Golgariten hielten sich hervrorragend. Timokles] sah man die Erschöpfung zwar an, aber man sah auch jenen unbändigen Stolz, der einen Menschen vorantrieb, wenn keiner mehr an ein Vorankommen glaubte. Dieser Junge hatte sich wahrhaftig gut gehalten. Wenn dies alles vorbei war, würde Urion ihm ein kleines Geschenk zukommen lassen. Er wusste auch schon, was.
Als alle ein paar Atemzüge pausiert hatten, griff Urion mit stetigem Schritt aus. Er würde erst wieder anhalten, wenn der Wehrmeister ihn abzulösen gedachte.
Wie konnte es nur so schrecklich kalt sein? Ardo hatte trotz seiner jungen Jahre schon manchen harten Greifenfurter Winter erlebt und dabei auch das eine und andere Mal erbärmlich gefroren. Doch nichts davon hatte ihn auf diese Qual hier vorbereitet. Zudem schien es immer kälter zu werden, je höher man kam, dabei kam man Praios doch eigentlich immer näher und es hätte wärmer werden müssen. Aber es war nunmal Winter, da galten Firuns Gesetze.
'Nimm dich zusammen Ardo! Wenn deine Mutter dich aus Alveran betrachtet, muss sie sich ja für dich schämen!' schalt er sich während der kurzen Pause beim Führungswechsel in Gedanken selbst. Mit einem Ruck straffte er die Gurte an seinem Rucksack und setzte sich entschlossen hinter Urion an die zweite Stelle der Marschreihe, um zu signalisieren, dass er nach diesem die aufreibende Führungsarbeit übernehmen würde.
Thorben lächelte in sich hinein. Bisher hatten die Wechsel in der Führung gut geklappt, und fast jeder hatte seinen Teil beigetragen. Urion war der Aufforderung ohne Zögern nachgekommen, und dieser Ardo hatte sich direkt hinter ihn gestellt, obwohl es eigentlich noch gar nicht wieder an ihm gewesen wäre.
"Gut!" dachte Thorben. "Besser so, als wenn sich keiner mehr findet."
Er blickte am Zug entlang. Man sah nicht viel von den Gesichtern, aber auch so war an der Körperhaltung zu erkennen, wer wie angestrengt war. Nun, es würde weitergehen müssen, und sie würden es schaffen. Denn was er sah, waren alles tapfere Menschen voller Pflichtgefühl und Opferbereitschaft. Zuversicht durchströmte den Wehrmeister, und nach einem kurzen Blickwechsel mit dem Prinzen, der jetzt schon bei der kleinsten Pause ungeduldig wirkte, gab Thorben das Zeichen zum weitermarschieren und stimmte den Praioschoral "Es fährt ein Flammenwagen" an.
Erlan von Sindelsaum hatte sich den ganzen anstrengenden Marsch über ruhig verhalten. Er war es durchaus gewohnt lange Strecken zu laufen, aber der Marsch durch den hohen Schnee zehrte auch an seinen Kräften. Aufmerksam beobachtete er seine Mitreisenden, doch sie schienen sich bisher gut zu schlagen. Er hoffte nur, dass sie nicht völlig erschöpft bei der Burg des Entführers ankommen würden.
Die Golgariten bildeten eine Einheit am Ende des Zuges und enthielten sich der allgemeinen Hochstimmung, die durch die Choräle zu Tage trat, sondern hüllten sich in borongefälliges Schweigen. Doch auch in Gedanken war die Führerin der Delegation, Lyeria, nicht bei dem Ziel der Reise, sondern etwas ganz anderes bewegte die Ritterin. Die Nacht über wurde sie von Träumen geplagt. Sie sah Bilder, in denen ihre beiden schutzbefohlenen Knappen in schwerste Bedrängnis gerieten und dem Tode nahe waren. Genau konnte sie den Traum nicht mehr rekonstruieren, was sie noch mehr beunruhigte. So zermarterte sie ihren Kopf, während sie ohne nachzudenken in die Fußstapfen der Vordermänner trat. Sie konnte nicht sagen, ob es sich bei dem Traum um eine Vision des Herrn der Träume, des dunklen Boron, handelte, oder um ihre eigenen Befürchtungen und Ängste, die sie in ihren Träumen wieder beschäftigen, ein Phänomen, wie es auch bei vielen Einwohnern in Noionitenanstalten in heftigerer Form auftritt. Insgeheim bereute sie es nun jedoch, dass sie die beiden jungen Knappen mit in die Ungewissheit und den möglichen Tod führte und sie nicht in der Hütte zurückgelassen zu haben, wie der Wehrmeister es vorschlug. Dan straffte sie ihre Gestalt und murmelte kaum hörbar in ihren Mundschutz:
"Ihnen wird nichts geschehen und ebenso wenig dem Prinzen und seinem Bruder samt Gemahlin."
Immer näher kamen die steilen und schroffen Felsen der Firntrutzer Berge. Die Nachmittagssonne hüllte den Turm und die davor liegenden alten Tannen in Schatten. Nur noch eine knappe Meile ... das Ziel war zum greifen nah. Der Gruppe um Prinz Edelbrecht sah man an, dass die Anstrengungen der Wanderschaft für diese letzten Schritte vergessen schien - so nah an der lange ersehnten Gewissheit. Manchem erschien der von weißen Atemwölkchen begleitete Praioschoral wie ein Gebet an die Götter - wie ein Dank für die Begleitung auf dem bisherigen Weg, wie eine Bitte darum, dass die in ihnen keimende Hoffnung nicht jäh zerschlagen wird, wenn sie die Burg erst mal erreichen würden. Was würde dort auf sie warten ... der Tod, wie in der Almhütte im Tal? ...
Enttäuschung, wenn die Burg leer sein würde?
... die Freude, das Prinzenpaar retten zu können?