Entführung des Prinzenpaares - Bibernells Geständnis

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Bor 1031 BF
Bibernells Geständnis
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Kapitel 42

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Autor: Blauendorn

Wengenholm, 1031

"Gut, Bibernell. Ich und die anderen werden Dir jetzt ein paar einfache Fragen stellen und Du solltest sie so gewissenhaft und wahr beantworten, wie Du kannst. Sollte sich erweisen, daß Du wahr geantwortet hast, dann wirst Du, wie ich schon sagte, leben und Du sollst unversehrt bleiben."
Etwas an Schärfe zunehmend sagte Thorben: "Solltest Du allerdings lügen...", aber er ließ den Satz unvollendet. Sicher würde sich die Frau viel schlimmere Vorstellungen machen, als er sie ihr hier androhen wollte.
"Meine Herren, ich werde der Frau einige Fragen stellen und danach darf sich jeder, wie er mag, mit sinnvollen Fragen beteiligen", sagte der Wehrmeister zum Rest der Vorhut.
An die Frau gewandt fuhr er fort: "Bibernell, hast Du einen Pfeil mit einer Forderung nach Gold und Edelsteinen in den Schloßhof des Erlenschlosses geschossen?"
"Ja ... verzeiht, hoher Herr!", schrieb sie unter Tränen.
"Bist Du an der Entführung des Erbprinzenpaares beteiligt? Leben ihre Liebden noch? Wie viele seid ihr? Wer ist euer Anführer und wo sind die Hoheiten versteckt?"
Hastig begann die Frau zu schreiben, ihre Schrift kaum leserlich.
"Sie haben mich dazu gezwungen mitzumachen. Es war Zufall. Sie haben meine Kutsche am Siebensprung angehalten. Ich gehöre nicht zu ihnen. Das Prinzenpaar war damals wohlauf, doch habe ich sie seit Wochen nicht gesehen. Den Namen der Entführer kenne ich nicht, sie waren auch maskiert - es waren drei Männer und zwei Frauen. Einen nannten sie Angbart. Ich musste sie in die Wengenholmer Berge fahren, zu einer alten Burg."
Erlan las die Worte der Frau und begann zu grübeln. Die beiden Angbarts, die er kannte, kamen wohl nicht in Frage. Weder dem Freund des Erbprinzen, noch dem Junker von Salzmarken traute er so eine Tat zu.
Ob die Frau wohl die Wahrheit sprach? Warum war sie überhaupt hierher gekommen, um den Pfeil abzuschießen, anstatt sich einfach aus dem Staub zu machen? Wenn sie natürlich wirklich unschuldig war, könnte sie die Reisegruppe zu dieser Burg im Wengenholm führen.
Urion wandte sich an Bibernell: "Du hast sie seit Wochen nicht gesehen. Wann hat man dich beauftragt den Pfeil zu schießen? Wer war das? Wie sah er aus? Wie sprach er? War es ein Koscher Akzent?"
Die Frau begann jämmerlich zu weinen und zu klagen, lauter als bisher. Ihr glitt der Stift in den Schnee, als sie schneller in den Schnee sank als Urion reagieren konnte. Geistesgegenwärtig konnte der Edle von Sindelsaum zumindest verhindern, dass sein kostbares Buch mit den Kaisersprüchen mit in den Schnee fiel.
Während er den Fragen des Rittmeisters lauschte dachte Thorben, dass die Frau vielleicht auf eigene Rechnung hier war und nur einen Eimer Gold abstauben wollte. Oder hatten die Schergen noch irgendwas gegen die Frau in der Hand? Gespannt wartete er auf die Antworten.
"Und die Frau würde sie zu der Burg führen, ja, sie würde", dachte er grimmig.
Urion griff der Frau unter die Arme und hob sie leicht an. Er untersuchte ihren Körper auf eventuelle Verletzungen, die er bei seiner Durchsuchung übersehen haben könnte.
Zu Anselm sprach er: "Schnell zu meinen Satteltaschen, dort sind einige Heiltränke und sonstige Tinkturen. Ich hatte sie vor unserer Abreise in Greifenfurt erworben."
Der Frau sprach er beruhigend zu: "Schscht.... ruhig, Frau. Wo schmerzt es? Oder werdet Ihr erpresst, nichts zu sagen? Was ängstigt Euch so?"
Der Angesprochene schien etwas mürrisch zu sein, ob der ganzen Situation. Schnell tat er wie geheißen, nahm die Satteltaschen vom Pferd und ging zurück zu Urion.
"Welche sind es, Urion", fragte er, als er sich daran machte die Tasche zu öffnen.
"Die kleine Tasche vorne, danke, Anselm. Aber wartet, bis ich sie untersucht habe. Vielleicht ist es ja doch nur die Furcht vor einer Erpressung der Hintermänner. Keiner von uns hat sie auf der Jagd verletzt, und so erschöpft scheint sie mir nicht zu sein. Wenn doch, werden wir sehen, ob ein Stärkungssud helfen könnte."
Er nickte Anselm anerkennend zu. Hier zeigte sich mal wieder, das in der Crisis sich jeder Märker auf den anderen verlassen konnte, ungeachtet von Namen und Stand.
Der Wehrmeister nahm den Kopf der Frau sanft in seine Hände und hob ihr Gesicht, so dass sie ihm in die Augen sah. Leise sagte er: "Haben sie Deine Kinder?"
Sie schüttelte den Kopf.
"Dann wolltest Du auf eigene Rechnung einen Eimer Gold abstauben, he? Also wartet niemand auf uns an Hannos Hof und Du bist allein!"
Ihr Schluchzen endete plötzlich, ihre rot geäderten Augen sahen zum Wehrmeister auf, die Stirn lag tief in Falten. Nach einem kurzen Moment senkte sie den Blick, verbarg ihre Augen in ihren Händen und nickte.
Urion staunte nicht schlecht, als er das Nicken auf die Frage des Wehrmeisters sah. Aber es konnte auch nur der Versuch einer trickreichen Lüge sein. In den Augen der Frau war keine Lüge zu erkennen. Jetzt waren sie wieder am Anfang und ohne jeden Hinweis auf eine Spur. Sie müssten Wohl oder Übel zum Erlenschloss zurückkehren. Die Frau, darauf würde er bestehen, musste man mitnehmen. Selbst der Versuch dieser Erpressung war Hochverrat. Darüber hatte entweder der Prinz oder aber der Cantzler zu entscheiden.
Durch Bibernells Kopf schien währenddessen ein Gedanke zu zucken, der ihre jämmerliche Gestalt hinfort blies. Sie rappelte sich auf und stellte sich mit klarem Blick vor den Wehrmeister. Die Umherstehenden wollten sie schon packen, doch statt Thorben von Hammerschlag anzugreifen begann sie energisch in Richtung Norden zu deuten.
Anselm wartete ab und schaute sich immer wieder in der näheren Umgebung um. Man sollte den Märkern nicht mangelnde Aufmerksamkeit für die Umgebung vorwerfen - auch wenn diese gerade mit einer Vernehmung beschäftigt waren. Hastig blickte sich die Frau nach dem im tiefen Schnee versunkenen Kohlestift um, wurde jedoch rasch ungeduldig, winkte, zog und zerrte, und gab damit deutlich ihre Bitte zum Ausdruck, dass man ihr doch folgen möge. Sie machte den Anschein, als wollte sie den Helden etwas Wichtiges zeigen.
Thorben dachte über das nach, was die anderen alles gesagt hatten.
"Die Burg liegt also im Norden. Kennst Du ihren Namen?" fragte er. "Und sag mir, was hat es mit den Zeichen auf Deinen Stiefeln auf sich?"
Das Winken der Frau wurde energischer - so, als würde es ihr genau darum gehen. Bei der Frage nach den Runen überlegte sie einen Moment und fing dann an auf der Stelle zu rennen und auf den Stiefel zu zeigen. Entweder waren es besonders bequeme Rennschuhe oder die Runen dienten zur Unterstützung der Geschwindigkeit.