Ein Winter im Borrewald - Ein Oger in Bocksrod

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Texte der Hauptreihe:
K1. Ein Oger in Bocksrod
Winter 1033 BF
Ein Oger in Bocksrod

Kapitel 1

Gold und Korn
Autor: Geron

Bocksrod, Winter 1033

Ulfried war dankbar, noch am Leben zu sein. Als die Reiter Ansholds sie am Fuß der Firntrutz überrascht hatten, hatte es nicht lange gedauert, bis seine Truppen geflohen waren. Ulfried musste dem Erbprinzen zugestehen, dass er ihn kalt erwischt hatte. Seine Späher musste er wohl erwischt haben und der todesverachtende Angriff hatte dann sein übriges getan.
Ulfried wollte nicht undankbar sein. Er war mit heiler Haut davon gekommen und eine Handvoll seiner Leute war sogar an seiner Seite geblieben. Den Fall des Bärenstieg konnten sie auch nicht ändern und selbst zur Stolzenburg waren sie nicht geflohen. Als Ulfried das Heer gesehen hatte, war ihm klar geworden, dass die Finsterzwerge den Bogen überspannt hatten. Die kleinen Überfälle hatte der Fürst nie mit einem solchen Heer beantwortet, aber wenn der alternde Landesherr etwas nicht leiden konnte, dann waren es Schändungen an den Göttern. Der Überfall auf Storchsklausen war der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Selbst wenn sich die Stolzenburg eine Weile halten würde, so würde sie doch über kurz oder lang fallen und mit ihr die Finsterzwerge und ihre Diener.
Ulfried hatte die Finsterzwerge nie geschätzt, aber sie hatten ihn mit einem Heer versorgt. Seine Truppen aber war besiegt und so kümmerte er sich wieder um seine eigenen Angelegenheiten. Er hatte mit seinen Leuten den Weiler Bocksrod im Handstreich erobert. Hier würden sie überwintern können. Zufrieden blickte Ulfried aus dem Fenster, als er ein markerschütterndes Brüllen hörte. War das etwa Goro, der gefürchtete Oger, der den Borrewald unsicher machte?
Entsetzen packte Ulfried. Seit dem Tod seiner beiden Kinder durch die Hand von Wolfhardt von der Wiesen und Gisbrun von Treublatt war der Oger völlig außer Rand und Band. Früher war er schon äußerst gefährlich gewesen, aber er hatte sein Revier im Borrewald selten verlassen.
Als Ulfried auf dem Wehrgang der Palisade ankam, war ihm sofort klar, dass er Recht gehabt hatte. Am Rand der Lichtung stand Goro und schwang eine mörderische Keule in seinen Händen. An seiner Seite brüllten zahlreiche Schwarz- und Rotpelze, die mindestens genauso viel Angst vor Goro hatten wie Ulfried selbst.
Der Oger schlug sich auf seine fleischige Brust und stürmte auf die Palisade zu. Ulfried sah die Panik in den Gesichtern seiner Leute, aber sie blieben stehen und legten Pfeile auf die Sehnen ihrer Bögen. „Schießt die Orks und Goblins nieder.“, befahl er ruhig. Sieben Pfeile sirrten los und bohrten sich in ihre Ziele. Ehe die Feinde heran waren, hatten die Bogner noch zweimal geschossen und nicht wenige der Angreifer waren tot oder verwundet zu Boden gegangen. Die wenigen Schwarzpelze waren aber geblieben und Goro beachtete seine sterbenden Schergen nicht weiter. Dann aber nahmen Ulfried und seine Leute ihre Beine in die Hand. Was konnten sie denn schon gegen einen Oger und eine ganze Horde Orks ausrichten? Sie hörten erst auf zu rennen, als sie bereits ein gutes Stück in den Wald gerannt waren. Hinter ihnen sahen sie Rauchfahnen in den Himmel steigen. Bocksrod war wohl nicht mehr. Die Bewohner waren ja bereits geflohen, als Ulfried mit seinen Leuten aufgetaucht war, aber nun waren wohl auch ihre Höfe Geschichte. Zorn wallte in Ulfried auf. Bocksrod war vor vielen Jahren als Rodung des Hauses Bärenstieg gegründet worden. Ebenso wie er Bärenstieg selbst als sein Erbe betrachtete, hatte er Bocksrod stets als sein Eigentum angesehen, aber nun war es Geschichte und ihm blieb nichts anderes übrig, als sich Richtung Andergast davonzumachen. Tiefer in den Borrewald wagte er sich jedenfalls nicht.
Zwei Tage später griff eine Halbschwadron Fürstlicher Schlachtreiter acht abgerissene Gestalten auf. Beim Anblick der gepanzerten Reiter hatten die Vogelfreien zu fliehen versucht, aber die Reiter hatten sie in kürzester Zeit umzingelt und zur Aufgabe gezwungen. Die Schurken würden nun den Rest ihres Lebens in der Heisenbinge fristen. Vielleicht würde man sie aber auch nach einigen Jahren entlassen, denn immerhin wussten sie zu berichten, dass der Oger Goro vor zwei Tagen Bocksrod angegriffen hatte. Als die Ritter des Fürsten aber dort eintrafen, fanden sie nichts anderes als verkohlte Ruinen vor. Ein weiterer Weiler war den Flammen zum Opfer gefallen und würde so schnell nicht wieder aufgebaut werden.