Du und all mein Glück - Der Haken an der Sache

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Oberangbar, 6. Rondra (Brig-Lo Tag) 1042

Der Junker von Trallikshöh runzelte die Stirn. Das tat er oft, und mittlerweile hatten sich die Falten tief darin eingegraben.
»Ist das wirklich dein Ernst«, meinte er zu seiner Gattin. »Unsere Nadyana und der Baron?« »Warum nicht?«, erwiderte Vieska. »Was spricht denn dagegen?«
»Na, zuerst einmal, dass der so genannte Schwiegersohn mir nicht gerade wie ein Sohn vorkäme.«
Vieska zuckte mit den Schultern. »Und wenn schon ... In Adelskreisen ist das nicht so selten.«
»Hm. Und dann ... warum gerade nach Oberangbar?« »Warum denn nicht? Travian, ich dachte, du freust dich über den Gedanken! Deine Tochter wäre dann Baronin von Oberangbar
»Und warum sollte mich das mehr freuen, als wenn sie Baronin von woanders wäre?« Vieska blinzelte verwundert. »Na, ich denke, dein Hanghasenorden hat seinen Sitz in Oberangbar?«
»Das hat er ja auch«, knurrte Travian. »Der Haken an der Sache ist nur, dass der Baron gar kein Mitglied im Orden ist. Im Übrigen ein Unding, wenn du mich fragst.« Vieska verstand nun gar nichts mehr: »Der Baron ist nicht im Orden? Wie kann das sein?« Ihr Gatte schüttelte verärgert den Kopf. »Das habe ich dir sicher schon ein Dutzendmal erklärt. Aber sei’s drum. Also: Der Herr Wolfhardt wollte natürlich schon dabei sein, aber Cathine von Unterangen hat es immer wieder verhindert.«
»Ist sie denn so mächtig?«
»Nein, aber schlau und gerissen. Beim ersten Antrag stellte sie fest, dass nicht genügend Mitglieder zugegen waren, um eine Entscheidung zu fällen. Daher wurde vertagt. Beim zweiten Mal gelang es ihr auf andere Weise, die Aufnahme des Barons zu verhindern. Wie genau das ablief, habe ich vergessen. Und beim dritten Mal wandte sie ein, der Baron sei kein richtiger Waidmann; darum sei der Probeschuss nötig. Das ist so eine alte Sitte, die nicht mehr allzu oft Anwendung findet. Aber sie steht in der Satzung. Wann immer die Firungefälligkeit eines Bewerbers in Frage gestellt wird, muss dieser einen Probeschuss mit dem Bogen ablegen. Dem wollte sich der Herr Wolfhardt natürlich nicht entziehen, und so spannte er den Bogen, zielte – und sapperlott, da brach ihm der Bogen entzwei. Das hielten freilich alle für ein böses Omen, und es ist verständlich, dass er abermals nicht aufgenommen wurde. Freilich würde es mich auch nicht wundern, wenn Cathine bei der Sache ihre Hände im Spiel hatte, aber beweisen kann man’s natürlich nicht. Jedenfalls wurde beschlossen, dass der Herr Wolfhardt die nächsten zwölf Jahre nicht Mitglied im Orden werden könne, so sehr es den Fürsten damals auch grämte. Aber damals lebte Eisegrina von Rübfold noch, die Jagdmeisterin, und die konnte den Sänger nicht leiden, und darum hat sie das Ansinnen Cathines unterstützt.« Er starrte eine Weile vor sich hin, und Frau Vieska dachte, dass da noch etwas käme. Aber ihr Mann schloss seine Erzählung mit den Worten: »Ja, so war das damals.« »Und wie lange ist das nun her?«
»Na, so zwölf oder dreizehn Jahre, will ich meinen.«
»Dann wäre es doch an der Zeit, einen neuen Versuch zu wagen.«
»Ha! Und Cathine?«
»Die müsste man eben umstimmen.«
»Umstimmen? Nie und nimmer! Sie hasst den Baron aufs Blut.«
»Und gibt es nichts, was man ihr geben könnte, damit sie ihre Meinung ändert?« »Ja! Die Baronie! Und Wolfhardts Kopf auf einem Silbertablett, vermute ich.« »Ei, das ist viel. Und sonst?«
Der Junker kratzte sich am Kinn. »Naja, es gibt tatsächlich etwas, und wir haben’s die Tage vor Augen gehabt. Die Waffensammlung!«
»Welche Waffensammlung?«
»Potztausend! Die alten Helme und Rüstungen und Schwerter in Wolfhardts Speisesaal. Cathine behauptet, die gehörten ihr, weil ihr Vater das eine oder andere Stück hinzugetan hat. Aber die Sammlung ist schon um vieles älter. Und Wolfhardt rückt sie nicht heraus. Wenn ich ihn überzeugen könnte, ihr die Sammlung zu geben, im Gegenzug für ... hm ... ach was, das wird ja doch nichts werden.«
»Aber warum denn? Du könntest es doch zumindest versuchen.«
»Potztausend! Du und deine Ideen, Frau! Nun warten wir erst einmal ab. Von wegen Hochzeit und so. Er sollte erst mal fragen.« –