Dreister Einbruch in Steenback - Unter der Kapuze

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Zwischenwasser, 1033

Währenddessen weiter südlich auf einer kleinen Lichtung im Gormeler Grün.

Ein gebückter, etwa 25 Jahre alter Mann sammelte Kräuter. Er besaß tiefrote, weithin sichtbare Haare, mit einer Länge bis etwa zur Mitte des Rückens.Während der Mann, eigentlich ein Magier namens Tadurus Flammenwirbel, am Boden nach einigen schmackhaften Kräutern Ausschau hielt, hörte er offenbar plötzlich ein Geräusch. Ein Schnauben…wie von einem Eber.
Exposami
Ein nur für den Magier sichtbares Grünes Leuchten drang aus einem Gebüsch in der Nähe. Ein Leuchten? Nein, vier grüne Lichter waren es, ein großes und drei kleine! Und sie bewegten sich langsam auf Tadurus zu!
In seinem Geiste wappnete sich der Magier für einen Angriff mit dem Aeolitus… dieser sollte ausreichen die … was auch immer zu vertreiben. Eine Schnauze streckte sich plötzlich aus dem Gebüsch und drei weitere folgten. Leise lachte der Magier auf.
„Wildschweine… sagt doch was…”
Die Wildschweinmutter schob sich mürrisch grunzend in ein weiteres Gebüsch, die Kleinen folgten ihr.
Alles war wieder ruhig. Der Mann sammelte weiter Kräuter. Ein weiteres Rascheln ertönte. Nichts Böses ahnend murmelte der Magier ein „Na ihr?!? Lauft ihr im Kreis?”, ohne aufzublicken. Für diese Nachlässigkeit wurde er sogleich bestraft, als sich ein kleines Messer an seine Kehle schob.
„Nein, Magier, tun wir nicht. Keinen Mucks… oder du hast ein Messer IN deiner Kehle!”…

Da auch Gidiane nichts über geheime Zugänge zu dem Wehrturm – oder sonst einem Gebäude in dieser Gegend – bekannt war, hatte man beschlossen, zunächst die Verfolgung wieder aufzunehmen und vor Ort zu entscheiden, wie man am günstigsten vorgehen konnte.
Streitbald hatte erneut mit Halmar von Sindelsaum die Spitze übernommen, die Geweihte in der Obhut des Liebfelders lassend. Zwar war er sich nicht sicher, ob es eine gute Idee war, ein an Leib und Seele so zartes Geschöpf...
Unwillig schüttelte er den Kopf. Derlei Gedanken lenkten im Moment nur ab. Gidiane war nun einmal hier, und es war ihr gutes Recht, war es doch ihr Verwandter, der überfallen und beraubt worden war. Außerdem war sie alt genug, für sich selbst zu entscheiden, ob sie sich weiter an der Jagd beteiligen wollte oder nicht.
Die Spurensuche gestaltete sich in dem dichten Unterholz einfacher als befürchtet. Selbst einem geübten Waldläufer wäre es wohl schwer gefallen, im Dickicht der Sträucher und Farnkräuter keine Fährte zu hinterlassen, und die Frau hatte sich wohl eher wenig Mühe gegeben. Vielleicht fürchtete sie nach ihrer Bluttat keine weitere Verfolger – oder rechnete mit diesen und baute eine weitere Falle auf!
Auf einer kleinen Lichtung blieb Halmar plötzlich stehen.
„Seht!”
Er deutete auf eine breite Fährte, die beinahe parallel zu jener der Frau lief und diese wohl auch zu einem guten Teil verwischt hatte.
„Wildschweine!” seufzte Streitbald. „Man hat das Gefühl, dass die Tiere uns heute nicht mögen. Es wird wohl nicht einfach sein, in diesem Durcheinander die Spur der Mörderin wieder zu finden!”
Dessen ungeachtet suchten sie weiter, und sie suchten nicht lange, dann deutete der Knappe durch das Unterholz. Streitbalds Blick folgte der Geste, und es dauerte einige Sekunden, bis er die zwei Gestalten im Halbdunkel ausmachen konnte.
Da stand ihre Mörderin, einen Fremden im Gewand eines Magus im Würgegriff. Noch drehte sie ihnen den Rücken zu.
Rasch legte Streitbald den Finger über die Lippen, als jetzt auch Gidiane, Halmar vom Kargen Land und Rijk van Kachelen die Lichtung erreichten, und gab dem Knappen ein Zeichen, ihm zu folgen.
Zu zweit pirschten sie sich voran, so leise sie es vermochten. Schon konnten sie die Stimme der Mörderin hören, die von ihrem Gefangenen wissen wollte, wer er war und was er hier zu suchen hatte. Sie schien nicht damit zu rechnen, dass ihre Verfolger schon so nahe waren.
Streitbald klaubte einen Ast auf und reichte ihn Halmar von Sindelsaum.
„Wenn ich auf die Birke dort vorn erreiche”, er deutete auf einen Baum nahe der Mörderin, „schleudere das Holz dort in den Strauch!”
„Ich soll...”, das Gesicht des Knappen zeigte Unglauben, aber Streitbald nickte eindringlich und schlich weiter.
Halmar presste die Lippen zusammen. Derlei Taktiken waren wenig ritterlich – aber als Knappe lernte man erst das Gehorchen, dann das Aufbegehren, also wartete er, bis Streitbald die Birke erreicht hatte.
Die Mörderin schien derweil die Geduld mit ihrem Gefangenen zu verlieren, vielleicht gefielen ihr die Antworten nicht, die dieser gab.
Halmar richtete sich kurz auf, holte aus und warf. Der Stock flog schnurgerade und mit vernehmbarem Rascheln in den Strauch. Sofort zerrte die Mörderin den Magus herum, um ihn als Schild gegen den vermeintlichen Angreifer zu benutzen. Im gleichen Moment schoss Streitbald aus seinem Versteck, schwang das Schwert und schlug ihr den Knauf ins Genick.
Schlaff wie ein Sack voll Mehl stürzte die Frau zu Boden und rührte sich nicht mehr. Der Magus, von ihrem Griff befreit, stolperte einige Schritte vorwärts, ehe er sich zu seinen Rettern umwandte, dabei die rote Linie massierend, welche die Messerklinge an seinem Hals hinterlassen hatte.
„Werter Kollege! Ist alles bei Euch in Ordnung?“ Sofort lief der Magier Halmar zu Tadurus. „Phex war mit Euch, denn wir haben heute bereits erlebt, wie diese Frau ohne mit der Wimper zu zucken jemanden umbringen ließ.“
Während sich sein Namensvetter nach dem Befinden des Magiers erkundigte eilte Halmar von Sindelsaum aus dem Gebüsch hervor und zerrte die Räuberin gemeinsam mit Streitbald ein Stück weg, nur um sie dort eilig zu durchsuchen und sorgfältig zu fesseln.
„Nun.. dann hatte ich offenbar Glück…”
Tadurus schien immer noch verwirrt ob des Aufruhrs in dem sonst so beschaulich ruhigen Wald.
„Und was… was sollte das ganze? Ähh… nebenbei, bevor ich's vergesse: Tadurus Flammenwirbel mein Name, der ehemalige Schüler von Tamadur Feuersturm. Mein Meister hat hier ganz in der Nähe seinen Turm. Danke für die Rettung!”
In der Schnelle ließ sich Tadurus die Geschichte von seinem Kollegen erklären. Dann erklärte er, ohne auch nur kurz nachzudenken: „Dann komme ich auch mit… das wohl!”
Rijk achtete dabei auf die nähere Umgebung. Behutsam hielt er dabei die Hand von Gidiane. Seine Gefährten waren dabei Klarheit zu schaffen. Die als sehr gefährlich geltende Räuberin war erst einmal überwältigt, aber war sie wirklich alleine? So beobachtete er mit achtsamen Augen den Wald.
"Knack" machte es plötzlich zu seiner Linken.
Seine Augen fuhren herum, sein Kopf drehte sich zum Geräusch. Automatisch ertasteten seine Hände den Rapier, den er am Gürtel trug und zogen diesen aus seiner Hülle. Es war eine dieser alten Waffen, die Rijk eigentlich Stordan von Steenback zum Kauf feilbieten wollte.
Nun lag dieser kalte Stahl in seinen Händen. Zugegeben, der Fechtunterricht aus seinen Jugendtagen gab ihm erst einmal die Gewissheit dieses doch ungewohnte Stück Stahl benutzen zu können, doch war es nicht seine Leidenschaft dies auch zu tun.
Leicht zitternd und schnell ausatmend stand er da. Neben ihm Gidiane, deren Blicke auf der niedergeschlagenen Räuberin ruhte.
Das Knacken im Unterholz war so schnell verstummt wie es entstand. Während er grübelte, ob seine Sinne ihm einen Streich spielten, drehten Streitbald und Halmar der Gaunerin die Taschen um. Hände und Füße waren mit Lederriemen gebunden, die miteinander durch einen dritten verbunden waren, um die Bewegungsfreiheit auf ein Minimum zu reduzieren.
Doch außer einer augenscheinlichen Vorliebe für allerlei Mordwerkzeuge erbrachte die Untersuchung nicht besonders viel.
„Drei Dolche, einer davon geflämmt und scheinbar mit Intarsien versehen”, stirnrunzelnd drehte Streitbald die Klinge in den Sonnenstrahlen, welche die Wipfel durchbrachen und schwarze Zeichen auf der Klinge zum Vorschein brachten, „ein Schlagring, ein knapp spannlanger Stahlknüppel...die Dame scheint Totschlag als Kurzweil zu betreiben! Aber leider kein Hinweis auf ihre Herkunft, mögliche Komplizen, Verstecke oder ähnliches!”
„Sehen wir sie uns doch erst einmal genauer an”, schlug der Knappe vor. „Die Totschlägerin, meine ich!”
„Klingt nach einem guten Vorschlag”, befand Streitbald, packte die Gugel der Frau und zog sie ihr vom Kopf.
Zum Vorschein kam ein erstaunlich gepflegt wirkendes Gesicht mit dunklen, mittellangen Haaren. Alle starrten sie an - bis auf den Händler, welcher derweil dem Geräusch im Unterholz nachging.
War es nur eines dieser typischen Waldgeräusche ? Ein Tier welches sich im Dickicht zu unvorsichtig bewegt hatte, bevor es merkte dass es im schlimmsten Falle als Mittagesbraten für die Schar Menschen auf der Lichtung dienen könnte?
Es war Stille. Bis auf die Geräuche auf der Lichtung. Zwei Vögel gaben nicht all zu weit entfernt ein kleines Duett, oder war es die Vorbereitung zur Paarung? Vereinzelte Sonnenstrahlen tänzelten durch die Baumkronen. Irgendwie friedlich, dachte sich Rijk.
Er vergewisserte sich erneut, dass aus der Richtung kein unangemeldeter Gast heraus stürmte, und ging zur Gaunerin und seinen Gefährten.
„Gidiane, komm zu uns. Es ist dort sicherer, als Abseits des Geschehens zu stehen.“
Sie nickte, ihre Augen strahlten eine Wärme aus, die Rijk in seinem Glauben bestärkte.
„Streitbald“ Rijk wandte sich dem Kämpfer zu. „Was habt Ihr gefunden ? Ist die Ritualwaffe auch dabei, so dass ich mir diese einmal genauer anschauen könnte?“ Seine Stimme klang neugierig und ein wenig fordernd. Nicht so, als dass er den Kämpfer erzürnen wollte.
”Sicher!” Der Kämpfer reichte dem Liebfelder den Dolch, Heft voran. ”Ihr als Waffenhändler könnt damit vielleicht mehr anfangen als wir. Ich sehe nur einen vermutlich sehr teuren und auffälligen Dolch mit Zeichen, mit denen ich nichts anfangen kann.”
Rijk nahm den Dolch. Nicht ohne ein Nicken dem Kämpfer zuzuwerfen. Danach widmete er sich intensiv dem Dolch, hielt diesen gegen das Licht, schaute sich die Zeichen an, drehte und ließ seine Finger über jede Stelle der Waffe fahren. Dabei fiel auf, das er die scharfe Schneide ausließ. Insgesamt versuchte Rijk Anhaltspunkte zu gewinnen, die ihm aufgrund der Legierung und des Zustandes auf das wahre Alter dieser Waffe zu schließen lassen konnte. Er wirkte sehr konzentriert, so dass der größte Teil der folgenden Minuten an ihm vorbei strich.
Halmar vom Kargen Land nahm seinen Namensvetter und den Ritter zur Seite und flüsterte ihnen zu:
"Wir müssen die Frau vorsichtig verhören. Sie hat keine Ehrfurcht vor den Dienern der Zwölfgötter und sprach von dringenden Geschäften, denen sie sich widmen wollte. Vielleicht kann uns sogar der just Überfallene behilflich sein bei der Befragung. Die Zeit drängt."
Rijk unterbrach seine Untersuchung kurz und sprach laut zu den anderen gewandt: "Fragt diese Lumpin auch wegen des Turmes ... ein wahrlich formidables Versteck für Diebesgut."