Dohlenfelder Thronfolgestreit - Rache für Torgus

Aus KoschWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
 Wappen Mittelreich.svg 
 Wappen Herzogtum Nordmarken.svg
 
Texte der Hauptreihe:
K28. Sieg
K83. Rache für Torgus
K95. Kajax
F25. Epilog
Autor: Reichskammerrichter, Geron, weitere
Nordmarken, 1033

Das eben noch so fröhliche Dorf Dohlenfelde sah aus wie eine Szene aus den Niederhöllen. An verschiedenen Stellen loderten Brände und panische Menschen versperrten den Reitern immer wieder den Weg.
Immerhin hatten die Angreifer ihren Beschuss eingestellt. Sie mussten wohl die Flucht angetreten haben. Immer noch unter Schock stehend lenkten die Reiter ihre Pferd in eine Seitengasse, die zu dem Haus führte, auf das Torgas zugeritten war.
Torgas, der tapfere Torgas befand sich jetzt wohl ebenso bei Boron wie Ardare und Angrond von Sturmfels und viele andere.
Auch in der Seitengasse eilten entsetzte und panische Dörfler durcheinander, doch Ordruds Blick fiel schnell auf einen großen Mann, der einen über und über mit Blut verschmierten Wappenrock tragend aus einem der brennender Häuser stürzte. Ein mächtiger Langbogen hing auf seinem Rücken, während er ein blutiges Schwert in der Hand führte. Vor ihm lagen drei erschlagene Dörfler auf dem Boden. Die tapferen Bauern hatten wohl versucht den Attentäter an der Flucht zu hindern. Soeben setzte der Hüne einem vierten Bauern zu, als er die Reiter entdeckte.
Das grobschlächtige Gesicht verzog sich hasserfüllt. Schnell trieb er dem Bauern, der nur einen Knüppel führte, das Schwert in den Unterleib und drehte sich um. In der Gasse war eine Flucht unmöglich, also drehte er sich auf dem Absatz um und rannte zurück in das brennende Bauernhaus.
„DER gehört mir!“, brüllte der Ritter in den Farben des Hauses Albenbluth-Lichtenhof, als er bereits auf Höhe von Praionbur war und richtete seine Schwertspitze auf den Eingang des brennenden Gebäudes. Heiße Wut loderte in seinen dunkelbraunen Augen und als sein Tier mit der Flanke einen flüchtenden Bauern streifte und schwer getroffen zu Boden beförderte, schien der Mittvierziger dies gar nicht zu registrieren – oder es war ihm egal. Hart parierte er seinen Hengst vor dem Eingangsbereich durch und sprang vom Pferd. Nur kurz sah er zu Odrud und ihren Gefolgsleuten, bevor er mit entschlossenem Blick und dem Schild schützend vor dem Körper hinein stürmte…
Das erste, das er drinnen registrierte, war der beißende Qualm, das zweite eine Bewegung zu seiner Linken. Instinktiv riss er den Schild hoch, als ein mit voller Wucht geführter Schlag ihn zurück zur Tür drängte. Am Treppenabsatz sah er bereits die Flammen am Holz züngeln und auch der Hüne musste erkannt haben, dass die Flucht nach Drinnen ihn in die Falle geführt hatte. Doch wie ein wildes Tier erwehrte er sich nun seiner Haut, während hinter ihm die Flammen sich durchs Holz fraßen und vor ihm die pure Mordlust aus den Augen des nordmärkischen Ritters sprach.
„Du feiger Hund!“, spie ihm Lucrann entgegen und versuchte den Hünen weiter in Richtung des Feuers zu treiben.
Auch die Gernebrucher Baronin hatte mit ihren beiden Begleitern mit gezogenen Waffen das brennende Haus betreten und bedrängten den Mörder. Gemeinsam mit Lucrann hatten Sie ihren Gegner in der Falle und es war aufgrund des reinen Zahlenverhältnisses nur eine Frage der Zeit, bis der Attentäter unterliegen mußte.
„Gebt auf!“, brüllte ihm Odrud zornig entgegen. „Ihr entkommt nicht mehr!“.
Der Mann verteidigte sich nach Leibeskräften, sah sich jedoch einer Übermacht gegenüber, gegen die er nicht bestehen konnte. Und die Hitze nahm immer weiter zu, das Atmen fiel zusehends schwieriger. Lucrann hustete. Seine Lungen brannten und ihm schwindelte bereits leicht. Mit einem Ausfallschritt versuchte er eine Finte, doch der Gegner wich ihm scheinbar mühelos aus.
Dann geschah das beinahe Unvermeidliche. Der feige Mörder kam dem Feuer zu nah, die Flammen sprangen auf seine Kleidung über. Es dauerte einen Moment, bis er die Flammen an sich registrierte. Für einen Wimpernschlag trafen sich die Augen der beiden Männer. Begreifen zeigte sich in dem Blick des Hünen, beinahe reglos stand er da, als ihn der schwere Stiefel des nordmärkischen Ritters an der Brust traf. Dann ertönte ein schweres Krachen, als er tiefer in die Flammenbrunst hinein flog, schwer gegen einen Balken stieß und danieder sank.
Lucrann hörte das Knacken des Holzes und schrie heiser „Raus hier!“ Er sah sich nicht um, als der Hüne zu schreien begann, sondern stieß die Gernebrucher Baronin zur Tür. Ihre Ritter hatten die Gefahr ebenfalls erkannt und zogen ihre Herrin nach draußen. Längst in Sicherheit, rußverschmiert und nach Luft ringend vernahmen sie die letzten Schreie des Mannes.
Koromar von Liobas Zell war enttäuscht. Während rings um ihn Schmerzensschreie, wilde Flüche, Befehle und angstvolles Wiehern erklangen, die von der grimmigen Effizienz des Hinterhalts zeugten, empfand er lediglich maßlose Enttäuschung über dieses Ereignis. Viel zu sehr erinnerte ihn das aufbrandende Chaos an die Vergangenheit, die er hinter sich hatte lassen wollen.
Er hatte auf eine ehrenvolle Schlacht gehofft, wie sie Rondra gefällt. Doch nun hatte die albernische Weise der Kriegsführung offenbar auch in Dohlenfelde Einzug gehalten. Möge der grausame Kor jenen, die das zu verantworten hatten, die Dämonenfäule in den Schoß gießen!
Um ihn herum herrschte große Verwirrung, kaum dass ihr Befehliger vom Pferd geschossen war. Koromar sah, wie Derya von Sturmfels ihrem sich aufbäumenden Ross entsetzt die Sporen gab und das Tier gerade noch unter ihren Willen zwang. Die Baronin, die mit ihrem Leibritter bislang weiter hinten geritten war, strebte dem Platz zu, an dem ihr Bruder Angrond gerade Tsas Lebenssaft in den Boden seiner Heimat versickern ließ.
Er beobachtete dies einen Augenblick geradezu versonnen und wie aus der Ferne, obwohl es direkt neben ihm geschah. Geschosse und Brandbomben, die mitten in und zwischen die Kavalkade flogen, nötigten ihn nicht einmal dazu, seinen Schild zu heben. Wenn die Löwin gewollt hätte, dass er in einem feigen Hinterhalt stürbe, wäre er als Kämpfer des Freikorps schon zwei Dutzend Mal gefallen. Doch er saß noch immer lebendig im Sattel, also hatte Rondra offensichtlich noch Pläne für ihn.
Selbst Rambert, sein kriegserprobter Rappenhengst, warf inmitten des Aufruhrs unruhig den Kopf zur Seite. Koromar zog aus einer Satteltasche eilig eine Handvoll jener Kräuter, die sich schon in Albernien bewährt hatten. Er klopfte dem Reittier an den Hals, worauf dieses seinen Kopf zum Reiter zurückbog, und gib ihm die Kräuter zu fressen. Brandgeruch hin oder her – dies würde Rambert helfen.
Dann ließ Koromar sein Pferd laufen und setzte Baronin Derya hinterher. Sie hatte den gefallenen Angrond inzwischen erreicht und kniete ungeschützt neben ihn nieder. Eilig lenkte der Ritter von der Hirschenau sein Pferd zwischen sie und die Richtung, aus der die meisten Pfeile zu kommen schienen. Dann stieg er selbst aus dem Sattel, um zum einen der Freundin Schutz zu geben, zum anderen aber nach dem Koradinerbruder zu sehen. Sollte dieser tatsächlich auf so würdelose Weise zu Boron fahren?
Darian von Lîfstein war am Morgen der Schlacht früh erwacht. Er fühlte sich deutlich besser als am Vortag, was wohl an dem Heiltrank lag, den ihm Hakon von Altenberg, der Magier der Söldner, gegeben hatte.
Torben, sein getreuer Kampfgefährte und Freund seit seiner Knappenzeit in Darpatien, half ihm seine Rüstung anzulegen. Er würde seine brünierte Garether Platte tragen und damit ähnlich schwer gerüstet sein, wie wahrscheinlich alle Ritter des Heerzugs.
Bevor das Heer Angronds aufgebrochen war, hatten sich die Lîfsteiner, Dartan di Salsavûr und die Baronin von Ambelmund noch einmal zusammengesetzt und geredet. Was dort geredet wurde, blieb aber unter den Anwesenden.
Nach dem Gespräch hatte sich Darian, zusammen mit Dartan, zu den Männern aus Ambelmund, Schrazelroth und den Leibeigenen aus Dohlenfelde gesellt und diesen Mut gemacht. Bei den Söldnern war dies eher überflüssig, dort reichte eine kurze Ansprache.
Darian hatte bei dem Kriegsrat, der am Vorabend der Schlacht gehalten wurde, vorgeschlagen, dass er und die Söldner die Vorhut übernehmen würden, was aber von Seiten Angronds abgelehnt wurde, da dieser das Schlachtfeld zuerst betreten wollte. Wenn er schon nicht seine Baronie als Erster hatte betreten können, wie er mit einem Blick auf Darian, der mehr sagte als viele Worte, kundtat.
So kam es, dass Darian mit den Söldnern ein Stück hinter der Gruppe um Angrond ritt und so von der Wucht des Hinterhalts nicht viel mit bekam, von den Auswirkungen hingegen schon.
Panik war vor ihm ausgebrochen, was entweder daran lag, dass sich vor ihm auch Landwehr befand, oder daran, dass einige von denn professionellen Kämpfern aus den Baronien noch nie einen solchen Hinterhalt mitbekommen hatten.
Darian hatte so etwas oder so etwas ähnliches schon öfters in Tobrien erlebt, aber er war nur einmal auf der Seite des Angegriffenen.
Bilder kamen in ihm hoch, wie sein Schwertvater bei diesem Hinterhalt von mehreren Bolzen getötet wurde. Wie sein Freund Arn, ebenfalls zu der Zeit Knappe am Hof seines Schwertvaters, mit einem Pfeil im Auge vom Pferd sackte.
Darians Finger gruben sich in die Zügel und hätte er nicht Panzerhandschuhe getragen, hätte man wohl das weiß aus den Knochen hervortreten sehen.
Seine Züge waren von kalter Berechnung, in der aber dennoch ein wenig Wut mitspielte, gezeichnet, als er den Condottiere der Söldner anschaute.
Dieser war auch schlachterprobt, von Darpatien und Tobrien, aber hatte, wie wahrscheinlich alle der hier Anwesenden, nicht einem feigen Hinterhalt gerechnet. Dennoch währte der Überraschungsmoment für die Schwarzen Adler einen Augeblick kürzer als für andere, waren sie doch eine kampferprobte Einheit, die schon einige Schlachtfelder gesehen und überlebt hatte.
Der Edle zu Schrazelroth und der horasische Söldnerführer tauschten kurz Blicke aus. Kurz darauf bellte Dartan schon Befehle.
„Gerion, nimm das Fußvolk und sichere die Brücke zum Schlachtfeld!“
Ohne auf die kommenden Befehle seines Kommandeurs zu hören brüllte der Hauptmann Befehle für die Hellebardiere, die sich zügig auf den Weg zu der Brücke machten. Durch den Ort war dies aufgrund der Menschenmassen nicht möglich, daher gab Gerion Befehle den Ort westlich zu umgehen, was die Hellebardiere umgehend ausführten.
Darian und Dartan hörten Rufe, die darauf schließen ließen, dass der Baron von Dohlenfelde getroffen worden war. Was Darian dazu veranlasste, ebenfalls Befehle zu geben.
„Hakon eile dich und versuche zum Sturmfelser durchzukommen! RETTE IHN! ER DARF NICHT STERBEN! Vierte und fünfte Lanze ihm nach, schützt den die Adligen und die Bauern!“
„Der Rest mir nach!“
Dartan schaffte es nur durch Brüllen, dass seine Reiter ihn verstanden.
„Dartan, wir treffen uns an der Brücke, auf der Seite des Schlachtfelds!“
Mit diesen Worten gab Darian, das Schwert in der Hand, seinem Pferd die Sporen und versuchte, gefolgt von seiner eigenen Gardisten aus Schrazelroth, sich einen Weg frei zumachen, um zum Quakenbrücker, seinem Baron, sowie der Baronin von Ambelmund und seinem Oheim zu gelangen, die an der Spitze mit geritten waren.
Der Weg des Condottiere führte ihn wo anders hin. Er nahm, mit drei Lanzen, die Verfolgung der feigen Meuchler, die diesen Hinterhalt gelegt hatten, auf. Diese hatten aber einen deutlichen Vorsprung, der sich immer weiter vergrößerte, da die Reiter nicht vorankamen.
Nach Augenblicken, die dem Lîfsteiner wie eine Ewigkeit vorkamen, erreichte er die Gesuchten. Wie durch ein Wunder waren weder sein Oheim, noch die junge Baronin, der der Schock ins Gesicht geschrieben stand, verletzt. Aber wo war sein Lehensherr?
Der Edle von Schrazelroth schaute sich und entdeckte das Wappen Garmwarts dort, wo wohl Angrond am Boden lag. Schnell eilte er dort hin und sprang von seinem Streitross, das neben ihm wie versteinert stehen blieb, als die Zügel zu Boden glitten.
Hakon von Altenberg erreichte den von Bolzen getroffenen Baron von Dohlenfelde fast zeitgleich und versuchte gleich zu diesem durch zu kommen, um ihm zu helfen. Auch Darian versuchte dorthin zukommen, allerdings um seinen Baron zu schützen.
Während dies geschah, schafften es die Söldnerreiter halbwegs, einen Kreis um den gestürzten Reichskammerrichter und den Männern, die bei ihm knieten, zu bilden, So dass wenigstens keiner von diesen von Pferden niedergetrampelt werden würde.