Dohlenfelder Thronfolgestreit - Nicht dem Stand gemäß

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Texte der Hauptreihe:
K28. Sieg
K95. Kajax
F25. Epilog
13. Tra 1033 BF
Nicht dem Stand gemäß
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Kapitel 73

[[Dohlenfelder Thronfolgestreit - Mit Praios Hilfe#_5ec90c7ee9fd071ffafb0b75884367d6|]] [[Dohlenfelder Thronfolgestreit - Mit Praios Hilfe#_5ec90c7ee9fd071ffafb0b75884367d6|▻]]
Autor: Reichskammerrichter, weitere


Nordmarken, 1033

Angrond war vom Herumtoben der Lîfsteiner nicht sonderlich überrascht, offensichtlich hatten einige Mitglieder dieses Hauses Probleme damit, sich ihrem Stand gemäß, also höflich, zu verhalten. Wohl aber wunderte den Reichskammerrichter die schiere Anwesenheit der Lîfsteiner in dieser abendlichen Runde. Er hätte schlicht und einfach nach den Vorfällen ein paar Stunden zuvor nicht mehr erwartet, dass sie seinem Ruf folgen würden. Wann waren sie in das Zelt gekommen? Allzu lange konnte es noch nicht her sein, sonst wäre es ihm sicherlich aufgefallen.
Er wandte sich den Lîfsteinern zu, nachdem diese Ihre Tirade beendet hatten – und sprach mit betont bedächtiger Stimme: „Wohlgeborene Herren, zuallererst spreche ich Euch und allen Mitgliedern und Freunden Eures Hauses mein Beileid für Euren schweren Verlust aus. Einen Verwandten und Freund zu verlieren ist immer fürchterlich. Ihr seid in Eurer Trauer nicht alleine. Boron sei der Seele Gorwins von Lîfstein gnädig!“ Angrond machte das Zeichen des Boron, wandte sich danach wieder der größeren Runde zu. Die bisherigen Äußerungen der Anwesenden hatten Angrond angenehm überrascht. Die Geradlinigkeit Koromars hatte er erhofft, und wie immer hatte der tapfere Ritter ihn nicht enttäuscht. Angrond freute sich aufrichtig, Koromar an seiner Seite zu wissen. Den alten Junker Torgus und dessen Sohn Lucrann – über Angronds aus dem Hause Albenbluth stammende Mutter sein Vetter dritten Grades – kannte er schon seit Jahrzehnten. Die beiden mussten nichts sagen, Angrond verstand sie auch so. Wahrhaft ein großer Stein war von seinem Herzen gefallen, als der Praiosgeweihte Pherad von Gernebruch gesprochen hatte. Dessen letzter Satz, die klare Aufforderung, die Entscheidung militärisch zu suchen, hatte Angronds Zweifel abgemildert. Ja, er würde selbst beim Kampfe wider den Allwasservogt, in dessen Adern immerhin provinzherrliches Blut floss, nicht gegen die praiosgefällige Ordnung handeln. Denn ein Geweihter des Götterfürsten sprach nicht unüberlegt, nicht im Affekt und niemals falsch. Das Haus Gernebruch stand auf seiner Seite, sie und ihre Ritter standen genau jetzt in Kaiserlich Weidleth, um von dort ihren Teil zum Ende von Hagens Usurpation beizutragen.
Angrond schaute nochmals in die Runde: „Ich danke allen Anwesenden. Wir werden also unseren zu Turehall gefassten Plan fortführen. Noch sind nicht alle hier versammelt, die ihr Kommen zu Turehall angekündigt hatten. Wir werden, wie vereinbart, bis zum 13. Rondra hier warten. Am Morgen dieses Tages werden wir unser Lager abbrechen und zur Grenze Dohlenfeldes ziehen. Frühmorgens am 14. Rondra wird meine Hofheroldin, meine Tante Ardare, die Grenze zu Dohlenfelde überschreiten und Hagen auf Burg Dohlenhorst aufsuchen. Dort wird sie ihn formell über das Eintreffen unseres Heeres unterrichten und ihm ein letztes Mal die ehrenvolle Übergabe der ganzen Baronie anbieten. Sollte er ablehnen, wird Ardare mit ihm über den Ort und den Zeitpunkt der Entscheidungsschlacht verhandeln. Sollte Hagen kein rondrianisches Angebot unterbreiten, wird er die Konsequenzen zu tragen haben. So oder so wird unser Heer die Grenze meiner Baronie am frühen Morgen des 15. Rondra überschreiten. Gleichzeitig werden unsere Verbündeten von Weidleth und von Liepenstein kommend nach Dohlenfelde eindringen. Mit Rondras Hilfe wird Hagen noch am Heiligen Schwertfest besiegt sein!“
Lechdan von Wolfsstein wirkte ebenso beunruhigt wie fast alle weitere Anwesenden im Rundzelt Angronds. Die Nachrichten aus Twergenhausen waren ein dickes Pfund. Die Hinrichtung der Adeligen durch den Magistrat, die mehr oder weniger offensichtlicher Parteinahme durch Gorfang Reto und herzogliche Truppen. All das waren unerwartete und nicht sonderlich beruhigende Ereignisse.
Zusammen mit seinen Rittern und Knappen stand er in unmittelbarer Nähe zu den Alberniern aus Draustein und den beiden Vertretern des Albenhuser Niederadelsgeschlechts Albenbluth-Lichtenhof. Den alten Torgus kannte er gut aus zwei Götterläufen Frontdienst im Winhallschen. Der direkt und schnörkellos denkende Offizier a.D. war dem Wolfssteiner lieber als manch eine Hofschranze, die ihre Taten nur zu gerne als praiosgewollt oder rondragefällig titulierte.
Den Worten Ritter Koromars lauschte Lechdan wohlwollend, als Koradinerbruder verstand man sich gut, nicht nur einmal hatten Koromar und Lechdan auf Turneyen das Banner der Nordmarken und der Tafelrunde unter Herzog Koradins Wappenschild aufrecht gehalten. Zumal es seit dem Sieg Koromars über den Baron zu Blauenburg auf einer Turney das Gerücht gab, dass des Wolfssteiners jüngere Schwester dem Ritter auf der Hirschenau in rahjagefälliger Liebe zugetan war.
Das Gebaren der Lîfsteiner weckte jedoch offensichtliches Missfallen, auch die beiden Wolfssteiner Edlen Rakon von Wolfsstein-Schleiffenröchte und Magorn Fenwasian runzelten irritiert die Stirn ob der Worte und des ungebührlichen Verhaltens.
Nachdem Angrond Tatsachen geschaffen hatte, ergriff Baron Lechdan jedoch doch noch das Wort.
„Wahrlich, die Einmischung des Allwasservogtes könnte ein unkalkulierbares Risiko für uns sein. Aber, lasst uns doch die Tatsachen begutachten. Ohne zuviel in die Ereignisse hinein zu interpretieren.“
Lechdan musste selbst schmunzeln ob seiner eigenen Worte, galt doch gerade er selbst nicht gerade als Mann der Geduld und des bedachten Vorgehens.
„Der Allwasservogt ist in Dohlenfelde um die Ansprüche einer Herzogenstadt zu wahren. Das ist nur recht und billig! Niemand hier wird wohl ernsthaft daran gedacht haben, herzogliches Land zu besetzen, nicht wahr? Die Unbekannte in diesem Fall ist doch, dass Burg Schwarzfels dem Lehen seiner Hochgeboren Angrond angehört. Oder muss man sagen angehört hat? Niemand kann sagen, ob der Vertrag zwischen Twergenhausen und Hagen bezüglich des Besitzwechsels von Burg Schwarzfels auch nach der Beendigung dieses Zwistes seine Gültigkeit behalten wird. Gehen wir aber davon aus, dass der Allwasservogt zu diesem Zeitpunkt den Vertrags als rechtens und praiosgefällig ansieht. Dann sollte es niemanden überraschen, dass er Burg Schwarzfels schnellstens den Vasallen seiner Hoheit vulgo dem Magistrat von Twergenhausen zurückgeben will.
Dass der Edle zu Schrazelroth eigenmächtig gehandelt hat, ist sein eigenes Risiko. Dass er mit dieser Tat die Einmischung herzoglicher Kräfte – ich spreche mit Absicht nicht von seiner Hoheit persönlich – auf den Plan gerufen hat, mag die Strafe für diese unbedachte Dummheit sein. Rondragefälligen Mut und phexgefällige List hat er schon bewiesen, nun ist es an ihm zu beweisen ob er auch von Hesinde und Praios gesegnet ist. Ich kann ihm nur wünschen, dass er nicht den Waffengang mit der Flußgarde sucht. Was uns und inbesondere euch, Hochgeboren Angrond, betrifft – wir sollten Burg Schwarzfels vorerst ignorieren. Konzentrieren wir uns auf die Teile Dohlenfeldes, die ganz klar im Herrschaftsbereich des Barons liegen. Solange der Status von Burg Schwarzfels ungeklärt ist, lassen wir die Finger davon. Und mit Verlaub, wenn sich die Unterstützer Hagens mit Burg Schwarzfels beschäftigen, wird es umso leichter für uns Burg Dohlenhorst und Hagen höchstselbst zu stellen und zur Entscheidung zu zwingen.“ Rakon nickte und rief laut „Wohlgesprochen!“ während Junker Magorn eher irritiert ob der für den Wolfssteiner doch untypisch rationalen Worte schien.
„Jedoch was die Hinrichtungen betrifft… mögen Praios und Boron den Seelen dieses verfluchten Gliependieks gnädig sein. Adeliges Blut vergossen von Pfeffersäcken! Das verlangt nach Vergeltung! Mit Verlaub, Herr Immergnad.“, ergänzte Lechdan mit offensichtlichem Zorn in der Stimme.