Die erste Nacht Teil 1

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Texte der Hauptreihe:
K1. Die erste Nacht I
Fürstenhort (Burg), 1030

Derweil verabschiedete sich Elida von ihrem Vater und Ihrer Schwester. Lang umarmte sie ihre ältere Schwester und wandte sich dann mit traurigen Augen ihrem Vater zu. Sie wusste noch nicht so recht ob es ihr gefallen würde hier auf dieser Burg mit all den so edlen Herrschaften zu leben anstatt mit ihrem Vater durch die Welt zu ziehen. Ernst blickte Geron seine Tochter an, umarmte sie, strich ihr aufmunternd durchs Haar und sprach leise Worte zu ihr die nur sie hören konnte. Mit traurigem Blick schob er sie ein wenig von sich, gab ihr einen ledernen Rucksack und wünschte ihr Lebewohl.
Traurig blickte sie den beiden Verwandten nach als sie von dannen ritten, sich dabei ständig zu ihr umblickten und ihr zuwinkten. Als sie nun entschwunden waren drehte sich Elida um, rückte den Bogen zurecht und setzt sich den Rucksack auf um sich zu dem Haus aufzumachen in dem sie die Nacht verbringen sollte. Wie wohl die anderen Pagen und Knappen waren? Ob sie sie verachteten für ihre Herkunft? Kuniswart vom Eberstamm klatschte laut in seine Hände, so dass man es auch im letzten Winkel des Fürstenplatzes noch vernehmen konnte.
„Nun gilt es! Ihr werdet nach altem Brauch erst morgen in die Fürstenburg geleitet und offiziell zu Knappen und Pagen ernannt werden. Die erste Nacht werdet ihr gemeinsam im Ritterhaus verbringen“, ein strenger Blick begleitete die folgenden Worte, „Doch bedenket, dass ihr euch schon jetzt wie würdige Zöglinge des Fürstenhauses benehmen solltet. Nicht nur euch wurde durch die Aufnahme Ehre zuteil. Euer Name und Eure Taten machen dem Fürsten Ehre oder Schande ... und werden entsprechend streng beobachtet.“
Neben ihm stand ein grimmig nickender Zwerg, den manche bereits als Endracosch Grimmbart, den Profoss und Obersten der Gardegreven, der fürstlichen Leibgarde, kennen gelernt hatten. Der Seneschalk Kuniswart ging bedächtigen Schrittes voran – und langsam folgten ihm die sechzehn Auserwählten. Traurige und stolze Blicke wechselten ein letztes mal zwischen den Knappen und den Begleitern, ehe man durch das Tor des Ritterhauses schritt. Eine breite Holztreppe führte in ein geräumiges aber düsteres Fachwerkgeschoss. Neben der Treppe standen fünf offenkundig erfahrene Ritter mit verschränkten Armen und lächelten die Eintretenden breit an.
Einer murmelte leise: „Willkommen in unserem bescheidenen Heim“, sein Grinsen entblößte einen goldenen Zahn. Seine zwei Nachbarn, ein kleiner dicklicher Gesell und ein großgewachsener mit goldener Lockenpracht lachten leise in sich hinein.
Im Dachgeschoss bot sich in der tat ein bescheidener Anblick. In einer düsteren Halle waren sechzehn einfache, mit Wolldecken belegte Strohlager errichtet worden. Das Abendlicht schimmerte durch schmale Fenster und bot die einzige Lichtquelle.
„Hier könnt ihr euch nun eure Lagerstatt für diese Nacht aussuchen“, sprach Kuniswart und beobachtete, wie sich die neuen Zöglinge angesichts des anwesenden Seneschalks Mühe gaben sich ihre Lagerstätten auszusuchen ohne in Streit zu geraten.
„Zum Sonnenuntergang erwarte ich euch nochmals unten am Fürstenplatz. Wir werden uns dann gemeinsam bei einer Rondra-Andacht auf den morgigen Tag vorbereiten“, sprach der Rondrageweihte Kuniswart und ließ die Sechzehn alleine zurück.

Siehe: Die Knappen des Fürsten