Des Ebers Stamm am Scheideweg Teil 6

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Bor 1031 BF
Gen Wengenholm
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Kapitel 6

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Autor: Geron

Wengenholm, 1031

Seit Tagen waren sie nun nach Norden unterwegs. Die Straßen wurden immer schlechter und der Schnee immer schlimmer. Dazu kamen noch die sinkenden Temperaturen.
Gerwulf schien das alles nicht viel auszumachen, aber der kam ja auch aus Andergast. Da war das Wetter wohl immer so. Am Angbarer See war das Wetter indes nur selten so garstig, und wenn es einmal so schlimm sein sollte, setzte man halt keinen Fuß vor die Tür.
Stattdessen ritt er nun immer weiter gen Norden. So allmählich sollten sie die Ange erreichen. In allen Dörfern auf dem Weg hatten sie sich natürlich nach Gerüchten umgehört, aber niemand hatte den beiden Reitern weiterhelfen können.
Allerdings verbreitete sich das Gerücht, dass Prinz Edelbrecht mit zahlreichen Edlen der Mark auf dem Weg in den Kosch sei. Das hatten sich diese einfältigen Dörfler sicher ausgedacht, aber möglich wäre es schon, auch wenn er sicher nicht an der Spitze eines Ritterheeres angeritten käme.Endlich kam die Ange in Sicht und sie trieben ihre Pferde in den Fluss, um möglichst schnell aus dem kalten Wasser heraus zu kommen.
„Halt! Haltet eure Pferde sofort an und gebt euch zu erkennen!“ erschall es da aus dem Wald.
Erlan zuckte zusammen. Das hatte ihnen gerade noch gefehlt.
Nicht genug mit den verräterischen Söldnern im Wald, nein, an dieser kleinen Furt lauerten ihnen natürlich auch noch Wegelagerer auf. Er straffte sich.
Was hatte der Kaiser gesagt: „Wenn ich schon sterben muss, dann wenigstens aufrecht mit dem Schwert in der Hand.“
Daher zog er sein Schwert und rief: „Mein Name ist Erlan von Sindelsaum und wer seid ihr, dass ihr es wagt, mich und meinen Begleiter hier aufzuhalten?“
Kurze Zeit ertönte überhaupt keine Antwort, doch dann trat ein in einen langen Mantel eingehüllter Mann aus dem Wald. In der Hand hielt er einen mächtigen Langbogen bereit.
Ardan von Bärenstieg ist mein Name. Verzeiht mir die Dreistigkeit, doch in diesen Zeiten ist hier viel übles Gelichter unterwegs.“
Erleichtert atmete Erlan auf. Es war wohl doch kein Räuber, und so trieb er sein Pferd aus der Furt. Aus dem Wald traten derweil noch einige andere Männer und Frauen. Alle hielten sie geladenen Bögen und Armbrüste in den Händen.
„Was führt euch so weit nach Norden, werter Sindelsaum?“ wandte Ardan von Bärenstieg an den Reiter.
„Nun, die Suche nach unserem Prinzen und seinem Weib. Seit Wochen suche ich nach ihm. Meine Frauund mein Diener wurden in dieser Zeit sogar verwundet, und so mussten wir sie auf Schloss Grauensee zurücklassen. Nur mein treuer Freund Gerwulf weilt noch bei mir. Sagt an, habt ihr etwas erfahren?“
Ardan lächelte und nahm den Bogen runter. Sofort taten es ihm seine Leute nach.
Dann erwiderte er: „Nein, aber wir überwachen die Furten, um die Bande zu fangen, falls sie des Weges kommt. Die ganze Grafschaft befindet sich im Aufruhr. Die Banditen kommen aus ihren Verstecken und wollen sich das Prinzenpaar unter den Nagel reißen. Die wenigen Aufrechten in der Gegend suchen sich und die ihren zu schützen. Wer weiss, wo das noch hinführen soll. Aber wenn der Prinz Edelbrecht in die Gegend kommt, werde ich mich seiner Suche anschließen, und meine Leute hier unter dem Kommando meines Bruders belassen. Schließt euch uns doch an. Dann können wir gemeinsam auf den Prinzen warten. Er wird wohl unten bei Rondrasdank hierherkommen, daher sollten wir dort auf ihn warten.“
Erlan warf Gerwulf einen kurzen Blick zu.
„Das hört sich gut an. Ihr scheint mir ein aufrechter Ritter zu sein und ihr habt Recht, wenn jemand den Prinzen finden kann, dann ist es sein Bruder.“