Der Bund von Dachs und Einhorn - Angundes Ritt

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Autor: Geron
Salmingen, 1034

Angunde konnte es noch immer nicht so recht glauben. Vor einigen paar Tagen war ihr Vetter Erlan überraschend auf Burg Salmingen aufgetaucht. Das war an und für sich keine gewaltige Sensation, war er doch in seiner Funktion als Säckelmeister unterwegs. Im Übrigen waren die Häuser Salmingen und Sindelsaum ja eng verbunden und der Sindelsaumer daher ein gern gesehener Gast auf Burg Salmingen. Die eigentliche Überraschung war jedoch erfolgt, als Erlan sie zu später Abendstunde in sein Gemach hatte rufen lassen. Dort hatte er am Kamin gestanden und ihr lapidar verkündet, dass Gero vom Kargen Land sie zur Junkerin von Rakulbruck erhoben hatte und sie sich so bald als möglich auf Burg Ingen einfinden sollte.
Angunde war völlig perplex gewesen. Ihr Vetter Erlan hatte sich bisher nie groß um sie gesorgt. Sie waren eine Familie, keine Frage, und er war mittlerweile Familienoberhaupt und hatte damit eine gewisse Verfügungsgewalt, aber bisher hatte er sich nie in ihr Leben eingemischt. Als Stallmeisterin zu Salmingen hatte sie sich eigentlich ganz wohl gefühlt, aber nun das. Junkerin und das auch noch von einem wichtigen Ort! Erlan hatte ihr erklärt, dass alles Teil eines Bündnisses zwischen den Häusern Sindelsaum und vom Kargen Land sei, aber diese Wendung ihres Lebens hatte sie doch reichlich überrascht.
Vielleicht lag dies auch daran, dass sie, wie so oft, leicht angetrunken gewesen war, als Erlan zu sich gerufen hatte. Sie funktionierte auch im beschwipsten Zustand ganz gut, immerhin trank sie sich nun seit sechs Jahren in den Schlaf.
Kaum war Erlan abgereist, hatte Angunde ihren Abschied von Salmingen genommen und war gen Ingen gereist. Markvogt Gero hatte ihr ohne großes Federlesen den Lehnseid angenommen und ihr noch einige gute Worte mit auf den Weg gegeben.
Nun befand sie sich auf dem Rücken ihres Hengstes Anghard und trabte auf Rakulbruck zu. Das war also ihre neue Heimat. Die ungefähr sechs Dutzend Häuser und Höfe gruppierten sich hauptsächlich um die Reichsstraße, die hier die Rakula überquerte. Überragt wurden die Häuser jedoch vom zwölf Schritt hohen Zollturm, welcher die gute hundert Schritt messende Rakulabrücke bewachte. Ein Meisterwerk der zwergischen Baukunst. Und all dieses Land sollte nun ihr unterstehen?
Nun ja, wohl abgesehen von der Brücke. Die wurde nach wie vor von gräflichen Zöllnern bewacht und die hörten nur auf Graf Growin und nicht auf sie, aber immerhin, dieses schmucke Dörfchen war nun ihr Gebiet. Ob all der Vorfreude in Tagträumerei versunken bemerkte sie die Schweinesippe zu spät, welche gerade vor ihr die Straße überquerte. Anghard wieherte und stieg auf. Um ein Haar hätte es Angunde aus dem Sattel geworfen. Ein paar der Dörfler grinsten, doch verkniffen sie sich das Lachen, da Angunde von Gero vom Kargen Land und einigen Bewaffneten begleitet wurde. Der Markvogt hatte es sich nicht nehmen lassen, die Junkerin persönlich zu ihrem Herrschaftsgebiet zu begleiten. Auf den Schreck hätte sie sich am liebsten einen Schluck genehmigt, aber vor ihrem Lehnsherr wollte sie nicht gleich ihre Schwäche offenbaren.
Die kleine Gruppe hielt am Dorfplatz an und die Reiter sahen sich ein wenig ratlos an. Wo war denn eigentlich die Residenz des Junkers? Das Amt war schon lange nicht mehr besetzt worden und so herrschte Unsicherheit, bis ein älterer Herr herbeigeeilt kam. Er trug ein abgewetztes Gewand, doch war das Wappen der Mark Ferdok über seiner Brust aufgenäht.
„Hochgeboren, welcher überraschender Besuch!“ keuchte der Mann und verbeugte sich tief „Ich bin Ungolf, euer treuer Schreiber und Haushofmeister vor Ort.“
Gero ließ den Mann zu Atem kommen, bevor er sprach „Dies ist Angunde von Sindelsaum. Ich habe sie als Junkerin von Rakulbruck eingesetzt. Sie ist nun die Herrin über dieses schöne Dorf.“ Die letzten Worte hatte er so laut gesprochen, dass die sich versammelnde Menschenmenge die Worte hören konnte. Die Dörfler tauschten kurz Blicke aus, doch dann verbeugten sich die Versammelten. Einen Junker hatte es schon seit vielen Jahren nicht gegeben und man hatte sich daran gewöhnt, doch nun waren diese Zeiten vorbei. Die meisten Dörfler wussten nicht so recht, was sie davon halten sollten.
„Wir sind müde von der Reise. Führt uns also zur Residenz des Junkers!“ wies Gero Ungolf an.
Der Schreiber schien kurz verwirrt und machte sich dann auf. Nach einigen Minuten war ein großzügiges Fachwerkhaus erreicht. Ungolf blickte etwas verlegen drein. „Das Haus wurde schon lange nicht mehr voll genutzt. Lediglich die Amtsstube und meine Kammer sind in Schuss gehalten. Die Gemächer der Junkerin im ersten Stock hingegen wurden schon lange nicht mehr genutzt, aber ich habe mein Bestes getan, um sie gut in Schuss zu halten.“
„Ihr sprecht immer nur von Euch. Gibt es denn sonst kein Dienstvolk?“, erkundigte sich Angunde. „Leider nicht, Wohlgeboren.“, erwiderte Ungolf noch verlegener, als er ohnehin schon war.
Angunde atmete tief durch. Das Junkerleben hatte sie sich eigentlich etwas anders vorgestellt, aber ein freundliches Fachwerkhaus und ein einziger Diener waren besser als nichts. Immerhin hatte sie einen großen Garten an ihrer „Residenz“. Wäre doch gelacht, wenn es Angunde nicht gelingen sollte, Haus und Dorf ein wenig herauszuputzen. Ein paar Blumenkästen würden hier sicher wahre Wunder wirken. Sie würde ihren Vetter Erlan bitten, einen begabten Hügelzwergen hierher zu schicken, um das Dorf ein wenig herauszuputzen. Das wäre ja nun das letzte was er für sie tun konnte. Und so kam es, dass Angunde Junkerin von Rakulbruck wurde und sich vornahm, den Ort zu einem würdigen Tor zum Kosch werden zu lassen.