Baroniebeschreibung Metenar

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Ausgabe Nummer 7 - Peraine 1015 BF

Die Kauffrau Jawwa Jewelgrat, die uns im hier die Baronie Metenar schildert, ist eine Händlerin und Baukunstkennerin. Die Schriftleitung zitiert im folgenden in unveränderter Form aus ihrem Reisebericht, datiert auf das Jahr 22 des Kaisers Hal. Überlasen wir nun das Wort unserer Autorin… ◆ ◆ ◆ ◆ ◆
„So befand ich mich also im metenarischen, der hier Moorfurt geheißen wird. Nach einer Nächtigung und kleineren Einkäufen bei Alwin Raven, dem phexgesegneten Besitzer dieses Vorortes, setzte ich mein Fuhrwerk gen Nordwesten in Gang. Diese Landstraße sollte an der kleinen Festung des nahezu legendären Ritters Falk Barborn zu Siebental vorbeiführen. Nämlicher wacht über jene Ritterschaft namens Siebental. Man sagt, er sei ein eigenwilliger Kerl und habe einiges an geistiger Klarheit auf den Silkwiesen gelassen. Andererseits soll er auf dem Angbarer Turnier seine Fehde mit Baron Nottr von Twergentrutz nicht nur beendet, sondern gar in eine Freundschaft verwandelt haben.
Vorbei an einem kleinen Winzerdörfchen, das idyllisch an einem Teich liegt, erreichte ich nach einigen Stundengläsern endlich die Stadt Rhôndur. Nun, sonderlich überwältigend ist sie ja nicht, sondern vielmehr ein für den Kosch typisches Städtchen in hügelzwergischer Verschlafenheit. Schon von weitem erkennt man die Kystralburg, die wohl hundert Götterläufe als Ruine verfiel, ehe sie seit kurzem als Lehen der Rondrageweihtenschaft allmählich zu einem Tempel umgebaut wird. In Rhôndur wollte ich mir auch die neue Magier-Schule ansehen, wobei ich herb enttäuscht wurde. Bei aller modernen Architektur um den Hesindeplatz hat diese „Akademie“ ihre Bezeichnung wahrlich nicht verdient. Anders als nach der Anzeige im Aventurischen Boten 33 zu vermuten, gibt es wohl fast mehr Lehrer als Adepten, und dann sind diese „Magister“ auch noch seltsame Gestalten wie, Möchtegern-Künstler, Halbelfen oder gar Hexen und Druiden. Kein Wunder, daß dieses „Schülchen“ von den Angbarer Wächtern Rohals verachtet wird und bisher kaum Bekanntheit erlangt hat. Wie ich erfuhr, soll es auch an den leeren Kassen des (übrigens in einem Schlößchen circa eine Meile nördlich residierenden) Barons, der „Rotbauch“ genannt wird und angeblich sein Geld bei endlosen Festen und mit nutzlosen Sammlungen verschleudert, um dann die armen Untertanen mit Sondersteuern auszunehmen… was allerdings von nahezu jedem Adeligen behauptet wurde, dessen Lande ich bisher bereiste (auch der Schriftleitung des Kosch-Kuriers liegen keinerlei Hinweise auf ein solches Verhalten seiner Hochgeboren vor).
Das Geschäft mit den hiesigen Großhändlern (und bitteren Konkurrenten des Herrn Raven aus Moorfurt) Baduar von Polk und dem jugendlichen Aurelius Olberg stellte mich zufrieden. Beide sollen übrigens mit den Stippwitzens verbunden sein, die ja nicht zu Unrecht als eine Art „Stoerrebrandts des Kosch“ bekannt sind. Aurelius Olberg ist gar der Schwager vom jungen Halmar zu Stippwitz, der als Gehilfe Herrn von Polks bei den phexgefälligen Verhandlungen ebenfalls zugegen war.
Als ich nun die Rhôndurer Stadtmäuerchen hinter mir ließ, erblickte ich noch das Hauptkloster Zorkabiner, eines fanatischen Boron-Ordens, der sich bei der Visaristenverfolgung sehr hervortat. Jetzt droht er aber langsam in Vergessenheit zu geraten, so daß er eine enge Zusammenarbeit mit den aufstrebenden Golgariten anstrebt, um seinen Einfluß weitgehend zu bewahren. Da irgendein Scherzbold den Wegweiser verdreht hatte, bemerkte ich zu spät, daß ich fälschlicherweise gen Norden statt gen Süden fuhr und mich so plötzlich an einer Wegkreuzung im lichten Walde vorfand. Ich betrachtete verärgert die Schilder des Wegweisers, denn ich wollte weder ins östliche Wolfstal (das noch schrecklicher hinterwäldlerisch sein soll), noch an die nördliche Grenze gen Rohalssteg, oder an zur westlichen Zwergenfreiheit „Traschforst“ mit ihren Angroschimorten Walling und Kewarn. So mußte ich wieder zurück und kam erst zur Phexenszeit bei Madaschein in Greifhorst am Sperbersee an.
Der Ort hatte zu allem Überfluß kein Gasthaus, so daß ich bei einem Krieger für „wehrheimsches“ Quartier ein Vermögen lassen mußte. Schon bald im Morgengrauen machte ich mich auf, diese schrecklich verbohrten Praiosgläubigen zu verlassen. Spätestens seit dem Besuch seiner Hochwürden Derian Palagion von Solfurt sind die hiesigen Hilberianer wahnsinnig geworden. Nun war ich bald wieder auf dem richtigen Weg, der zunächst bei dem Bauerndorf Belmach vorbeiführte. Einmal mehr ein Paradebeispiel südkoscher Baukunst, wie ich sie auch in Bragahn oder Drift sah, mit dem grobsteinigen Untergeschoß und dem Längsbalken- Fachwerk des oberen Stockwerkes. All das „garniert“ mit höchst geschmacklosen Fenstererkern, Vorbauten, Türmchen und Winkeln. Erfreuliche Abwechslung bot dagegen Colena mit seinen bunten und sommergelben Häuslein, ein Vorort von Koschtal, den ich nun erreichte.
Hier erschienen mir auch die Bewohner, ob Mensch oder Zwerg, etwas aufgeschlossener und fröhlicher als im übrigen Metenar. Ob es nun am über dem Dorf thronenden Tsatempel, der verbreiteten Bevorzugung von rotem Wein gegenüber des üblicheren Bieres, oder den weiten Blumenwiesen (statt der häufigeren Wälder) liegt, vermag ich nicht zu sagen. Daran, daß sich hier als einzigem Flecken Koschs noch der Visarglaube bis zuletzt halten konnte, dürfte es allerdings mit zwölfgöttlicher Wahrscheinlichkeit nicht liegen.

Zwar dachte ich darüber nach, ob ich nicht noch den ehemaligen Sitz des Gaugrafen, die jetzige Ritterburg Trolleck in den nahen Koschbergen (sie soll lediglich auf einer dünnen Basaltsäule errichtet sein), die Ruinen der im ersten Orkzug verglühten Stadt Daskat oder das Fischerdörfchen Wacheneck besichtigen sollte, aber ich fand, schon genug Zeit in dieser Gegend verbracht zu haben. So zog ich weiter gen das nicht fern gelegene Koschtal, das zwar Residenzstadt von Graf Helkor von Schetzeneck und Gaugräfin Ulinai von Hartsteen ist, aber enttäuschenderweise gleichermaßen klein und provinziell wie Rhondûr war…“