Bündnis und Verbundenheit - Ein Überfall im Winter

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Texte der Hauptreihe:
K2. Ein Überfall im Winter
18. Fir 1042 BF
Ein Überfall im Winter
Ein Besuch im Winter

Kapitel 2

Autor: Korkron

Im Endforst, 18. Firun 1042 – des Nachts

Trotz der geschlossenen Schneedecke war es dunkel im Dickicht des Endforstes. Rahilde machte sich mit pochendem Herz daran, möglichst geräuschlos auf das schwache Licht eines Lagerfeuers in der Ferne zuzugehen.

Das musste es sein - ihr Ziel.

Wortlos gab sie über die Schnüre, die sie mit der Rotte der neu gegründeten Bergjäger verband eine Warnung weiter.

Vorsichtig zogen sie weiter. Das langsame Voranschreiten mit der schweren Ausrüstung der Bergjäger erforderte extreme Geduld. Doch die Angst vor ihrem Lehensherrn Grimm zu Zwietrutz, der nicht korrekte Befehlsausübung hasste, half dabei, geduldig zu sein.

Nach einer schier unendlichen Zeit konnte Rahilde drei erwachsene und eine kleine Person am Feuer erkennen. Da waren sie.

Jetzt musste sie nur noch ihre Rotte in Position bringen. Sie gab weitere Befehle über die Schnur und begab sich dann weiter.

Als sie leise ihren nächsten Schritt machte, kam sie an eine unter dem Schnee nicht erkennbare Wurzel und als sie mit einem Auswahlschritt ihre Balance wiederfinden wollte, stieß sie mit dem Gesicht an einen Ast.

Überrascht davon liess sie ihre Armbrust in den Schnee fallen und atmete tief.

„Phexensdreck“, murmelte sie leise, das schmerzende Gesicht massierend.

Eine Sekunde später war es vorbei. Ein riesiger Schatten manifestierte sich plötzlich unter ihrer Rotte und wirbelte durch die Reihen.

Schmerzensschreie waren zu hören. Ihr Band, mit dem sie mit ihrer Rotte verbunden war, fiel zu Boden. Ruhe trat ein.

Diese dauerte jedoch nur bis zu dem Moment, in dem Grimm zu Zwietrutz die junge Rahilde mit hochrotem Kopf hochriss und anschrie: „Ihr seid alle tot!“ „Du hast Deine gesamte Rotte in den Tod geführt!“

Rahilde war den Tränen nahe. Doch weder Weinen noch Entschuldigungen suchen machte nun Sinn. Sie ließ das Schreien über sich ergehen und blieb stumm.

Firunne und Tara kamen mit Fackeln zu ihrem Lehensherr und Rahilde konnte nun sehen, dass Grimm in der Dunkelheit alle Bergjäger innerhalb der wenigen Sekunden mit einer Keule geschlagen und auf den Boden gebracht hatte.

Die Enttäuschung in den Augen ihrer Rotte schmerzte mehr als die Wunde in ihrem Gesicht und das Geschrei Grimms.

„Tara“ Grimm zu Zwietrutz schrie immer noch, wurde dann jedoch langsam ruhiger. „Du übernimmst die Rotte! Eine kleine Nachtwanderung zur Burg und zurück wird ihr vielleicht guttun und ein wenig abkühlen. Melde Dich kurz bei Edelbrecht und lass Dir bestätigen, da gewesen zu sein.“

Die Rotte Bergjäger, mit im Fackellicht bereits erkennbaren blauen Flecken überseht, rappelte sich inklusive ihrer Ausrüstung und den schweren Armbrüsten auf und langsam folgten sie der Knappin zurück.

Das Schluchzen Rahildes, die ihre Tränen wenige hundert Schritt später nicht mehr zurückhalten konnte, konnte Grimm zu Zwietrutz nicht mehr hören.



Im Endforst, 18. Firun 1042 – des Nachts

„Holder.“ Iralda von Salzmarken sprach den ans Lagerfeuer zurückkehrenden Grimm bereits so vertraut an, dass es seinem Burgmann Wolfor von Roder fast unangenehm war.

Iralda war nun des Öfteren zu Gast. Als Alt-Rottmeisterin der Hügelländer Spießgesellen und anerkannte Kriegskunstmeisterin war sie sogar vom Baron Erzbart von Drabenburg zum Aufbau der Bärenfänger Bergjäger empfohlen.

Aus dem oberflächlichen Kokettieren war jedoch nun etwas erwachsen.

Grimm sprach es zwar nicht offen aus, auch nicht zu ihm, seinem besten Freund, aber für Eingeweihte war offensichtlich, dass die beiden mehr als Freundschaft verband und sie zudem sehr gut zusammenpassten.

„Warum bist Du so hart zu ihnen, besonders zu Rahilde?“, fragte sie weiter. „Keiner Deiner Schützen ist länger als sechs Monate im Dienst, die meisten knapp drei!“

Wolfor räusperte sich und bestätigte die Aussage Iraldas: „Und ihre Taktik und die Ausführung waren wirklich gut!“ „Sie haben ihre Sache heute Nacht wirklich gut gemacht!“

„Ja, Ja!“ Grimm spielte nun nur noch den genervten Burgherrn. Außer der Pagin Firunne, die frierend und eingeschüchtert am Feuer saß, wussten Iralda und Wolfor, dass er bereits besänftigt war und dies ebenso sah.

„Ihr habt Recht. Rahilde macht sich wirklich gut“. Er lächelte wohlwollend. Wissend, dass die abgehaltene Übung alle Bergjäger an die Grenze ihrer Fähigkeiten brachte. „Aber die Bergjäger sind kein lustiger Zeitvertreib. Es wird irgendwann auf Leben und Tod gehen.“

Und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Und tot sind sie!“

Die am Feuer sitzende Gruppe entspannte sich. Die Geräusche der Nacht im Wald machten Firunne Angst. Doch die drei Ritter schienen dies nicht zu bemerken.

Nach der Besprechung möglicher Erkenntnisse aus der Übung, die Firunne mit ihrem nur schlechten Schreibkenntnissen niederschreiben musste, erhob Grimm das Wort: „Burgmann, sei so gut und bringe meine Pagin zurück in die Burg! Sie muss nicht weiter in der Kälte ausharren. Ich schlage vor, dass Iralda und ich hier auf die Rotte warten.“

Der Angesprochene verstand den Rausschmiss, salutierte übertrieben und verließ nach einer kurzen Verabschiedung mit Firunne den Rastplatz in Richtung ihrer Pferde.

Beim neugierigen Blick zurück hatte Firunne den Eindruck, dass sich Burgherr und Alt-Rottmeisterin umarmten. Wahrscheinlich war ihnen kalt.