Aus Koscher Sagenwelt: Wundersame Heilung

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Kosch-Kurier 63 - Rahja 1042 BF

Einmal war Wilbur Sumspflog, der berühmte Krambold, unterwegs im Gôrmelsche und hatte gute Aussicht, bald das Städtchen zu erreichen. Wie er so einher schritt, sah er am Wegrand ein Mädchen sitzen, und neben dem diesem, mit dem Rücken an einen knorrigen Baum gelehnt, einen Alten, der hatte mehr Runzeln im Gesicht als das Koschgebirge Schluchten und Schlüfte hat. Das Mädchen aber rief verzweifelt immer wieder: „Großvater, Großvater, steh auf! Wir müssen weiter nach Gôrmel, dort wirst du Heilung finden!“ Der Alte aber regte sich nicht.
Da trat Wilbur Sumspflog hinzu, zog seinen Hut und kniete neben dem Greise nieder. Erfühlte ihm den Puls, er fühlte ihm den Herzschlag, und als er beides nicht fand, da hielt ereinen kleinen Kupferspiegel – denn solcherlei Tand hat ein Krambold ja meistens in seiner Kiepe – dem Alten unter die Nase. Und wie der Spiegel nicht beschlug, da sagte Wilbur zu dem Mägdlein: „Den weckst du nicht mehr auf, derist in Borons Hallen eingegangen und würde auch dann nicht mehr die Augen auftun, wenn ich ihm ein Koschwasser reichte, so gut, alswie ich’s hier habe.“
Da aber tat der Alte eben dies, nämlich die Augen auf, und sagte mit krächzender Stimme:„Ein Koschwasser würde ich gerne noch trinken, bevor mich Golgari holt.“ Verwundert reichte ihm der Krambold einen winzigkleinen Becher, gefüllt mit dem gewünschten Trank. Der Alte kiptte ihn herunter hinunter, schnalzte mit der Zunge und stand mit knackenden Knien auf. Dann rief er: „Kommst du, Kindchen, wir müssen nach Gôrmel!“ und wackelte davon.
Wilbur Sumspflog sah den beiden staunendnach. Er hatte gar nicht gewusst, was für einen Heiltrank er da in seinem Fläschchen hatte.

Karolus Linneger