Auferstanden - Thalias Prüfung

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1. Peraine 1042, Angbarer Zitadelle

Thalia von Lützelburg schaute sich um. Viele Zwerge, aber wen wundert das auch schon. Dass sie das noch erleben durfte nach 21 Jahren, in denen es das Regiment nicht mehr gab… Ihr Oheim würde sich freuen, wenn er sie nun hier stehen sähe. Aber da er schon vor vielen Jahren in die zwölfgöttlichen Paradiese eingegangen war, stand sie nun alleine hier. Naja, fast alleine. Ihr Bruder Zulipan hatte sie begleitet, war aber schon wieder unterwegs und vermutlich hinter irgend einem Rock her. Wenn es nach ihm ginge, war jedes zweite Kind in Aventurien seines. Vorausgesetzt, es war hübsch. Nun, so hatten die Götter eben jedem eine Aufgabe gegeben…

Ihre Aufgabe sollte hoffentlich bald wieder das Führen einer Truppe sein. Sie war hier, um sich als Oberhauptfrau für die Geschützkompanien zu bewerben. Nach ihrer Ausbildung in Wehrheim und ihrem Dienst im Militär wäre das eine passende Fortsetzung ihrer Karriere - und zudem daheim im Kosch, bei den Sappeuren! Die Götter mussten es gut mit ihr meinen. als sie endlich fügten, dass die Sappeure wieder aufgestellt würden.

Und nun war sie auch endlich an der Reihe. “Den Zwölfen zum Gruße, Praios und Rondra voran!” schmetterte die stattliche Frau, die in den Farben des Hauses gewand in leichter Rüstung vor den drei Prüfern stand und diese dann der Reihe nach grüßte. Dann zog sie die Handschuhe aus und holte sie einige Papiere aus einer ledernen Pergamentrolle, die sie am Gürtel trug. “Gestatten: Thalia von Lützelburg, Hauptfrau und Abgängerin der Akademie zu Wehrheim. Ich habe dort vor mittlerweile über zwei mal zwölf Götterläufen gelernt, wie man mit Geschützen aller Art umgeht und in den zahlreichen Jahren danach habe ich dieses Wissen im Feld angewandt und die Theorie mit Erfahrungen der Praxis erweitert. Denn wir wissen ja alle: auch der beste Plan überlebt nur selten den ersten Kontakt mit dem Feind. Viele Jahre diente ich im Felde, als Soldatin, Offizieren und Anführerin. Ich habe Erfahrungen im Kampfe ebenso wie im Stab gesammelt. Meine wildesten Jahre mögen vorbei sein, doch fühle ich mich noch lange nicht zum alten Eisen zugehörig. Mein Wille ist es, bei den neuen Angbarer Sappeuren die Geschütztruppen anzuführen, wenn Ihr und ich der Meinung sind, dass Ihr diese Aufgabe in meine Hände legen wollt. Hier sind meine Papiere und Empfehlungsschreiben.”

Die Wehrmeisterin sowie die beiden Angroscho schauten sie für einen Augenblick lang musternd an, sagten jedoch nichts. Das Schweigen währte lange - zu lange? Thalia wollte gerade fortfahren, als Ruglax sich räusperte. Er warf einen kurzen Blick auf die Papiere und Schreiben, dann jedoch blickte er die Lützelburgerin ernst an. “Thalia von Lützelburg also. Ich kenne Euch aus vergangenen Schlachten, wir sind uns schon über den Weg gelaufen. Von daher weiß ich, dass Ihr eine tüchtige Soldatin und fähige Offizierin seid. Ihr seid gut, das weiß ich auch, ohne einen Blick in die Papiere zu werfen. Aber seid Ihr gut genug für die Sappeure? Das werdet Ihr uns beweisen müssen!” Thalia sank das Herz in die Hose. Ruglax, dem sie tatsächlich schon öfter über den Weg gelaufen war in ihrer bisherigen Karriere, war streng, das wußte sie. Pflichtbewusst. Aber auch fähig. Ob sie hier bestehen würde? Sie schaute den Obristen abwartend an. Und sollte nicht allzu lange warten.

Auch für diesen Zweck hatten die drei Prüfer eine passende Lage vorbereitet und Ruglax holte die passenden Karten und Übersichten hervor. “Nun, wir wollen sehen. Wir haben hier eine Lage, die Ihr beurteilen sollt. Es gilt, eine Stellung einzunehmen, die Geschütze sollen den Vormarsch der Truppen vorbereiten und unterstützen. Die Positionen für die Geschütze sind überschaubar, die Ausgangsbedingungen alles andere als rosig. Zeigt uns, wie Ihr Eure Geschütze einsetzen wollen würdet.”

Mit diesen Worten schob er das Material zur Lützelburgerin herüber. Selbige warf einen ersten Blick auf die Skizzen. “Ich brauche ein wenig Material, wenn Ihr gestattet?” Sie erhielt etwas zu schreiben, ein Lineal, Zirkel und anderes Handwerkszeug, dann vertiefte sie sich in die Skizzen und Übersichten und es schien, als ob sie die drei komplett vergessen hätte. Auch die leise Unterhaltung der drei schien sie nicht zu stören. Dann, als die drei schon ungeduldig wurden, schaute sie von ihren Skizzen und Überlegungen hoch. “Werte Heermeisterin, werte Obristen, diese Situation ist, mit Verlaub, Mist. Wenn die Ausgangssituation so wäre, wie Ihr sie schildert, dann würde ich empfehlen, gar keine Geschütze an diesen Stellen einzusetzen. Ein Einsatz unter diesen Bedingungen wäre glatter Selbstmord, ein Alveranskomando. So es aber unbedingt notwendig sein sollte, mit den Geschützen den Niedergang des Regimentes zu unterstützen, dann würde ich - nur unter Protest - die schweren Geschütze hier” - sie zeigte auf verschiedene Stellen auf der Skizze “... und die leichten Geschütze hier” - erneut zeigte sie auf verschiedene andere Stellen “... aufstellen lassen, um zumindest noch etwas anrichten zu können. Aber ich hoffe inständig, dass wir nie in eine Situation kommen sollten wie diese. Und ich hoffe, dass die neuen Sappeure Platz in ihren Reihen haben für jemanden, der auch den Mund aufmacht. Danke”

Damit beendete sie ihre resolut vorgetragenen Ausführungen und schaute ihre drei Gegenüber nun ihrerseits prüfend an. Diese blickten erneut ernst, auch dieses Mal dauerte das Schweigen länger als üblich. Dann began Alvide zu lächeln: “Thalia, habt Dank für Eure offenen Worte. Wir brauchen Offiziere, die etwas von ihrem Handwerk verstehen und auch in der Lage sind, den Mund aufzumachen. Wir werden über Eure Bewerbung gut nachdenken und sehen, ob Ihr einen Platz im neuen Regiment habt. Wegtreten!”