Auferstanden - Einzelteile zu bestaunen

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16. Peraine 1042, Birnbrosch

Vor dem Mannöver

Thalia hatte sich in den letzten Tagen noch einmal intensivst mit Geschützen und deren Bau- und Funktionsweise beschäftigt. Sie fühlte sich zurückversetzt in ihre Zeit in Wehrheim, musste an ihre ehemaligen Mitschüler denken. Baupläne, Taktiken, Einsatzszenarien, Berechnungen, Kalkulationen, Vorhaltewinkel, Parabelschablonen und viele andere Dinge gingen ihr durch den Kopf. Aber sie war vorbereitet. Sie freute sich, sich als Geschützmeisterin behaupten zu dürfen.

Noch am Tag vor der Prüfung hatte sie die Gelegenheit genutzt und sich einen Überblick über ihre Soldatinnen und Soldaten verschafft. Ihr Geschützbanner bestand aus Menschen, was innerhalb der Angbarer Sappeure selten war. Es gab nur wenige Einheiten im Kosch, die einen höheren Zwergenanteil hatten. Sie würden sich beweisen müssen. Da würde das vorlaute Geschwätz, dass sie von den Soldatinnen und Soldaten, die ihr unterstellt worden waren, nicht helfen. Ihre zukünftigen Untergebenen tönten über ihre Fähigkeiten und waren die stärkesten, bestesten und überhaupt konnte sie ja gar nichts schrecken und eventuelle Gegner würden sie mit den Blitzen, die sie aus ihren Hinterteilen schießen würden, schon in die Flucht treiben. Und überhaupt, das bisschen Geschütz, das würden sie sowieso alle mit links bedienen. Wenn die sich mal nicht wundern würden…

Am nächsten Morgen

“Das kann doch nicht wahr sein! Das...” Ihr Weibel, der gestern noch eine ziemlich große Rede führte, war mit einem Schlag ziemlich leise. Gleich ging es den anderen aus ihrem Geschütztrupp, denen es anscheinend komplett die Sprache verschlagen hatte.

“So, meine Damen und Herren. Nachdem sich gestern alle darin einig zu sein schienen, dass hier die Besten der Besten versammelt sind, wollen wir das heute gleich einmal auf die Probe stellen. Hier vor sich seht ihr die Einzelteile einer der besten Belagerungsmaschinen, die jemals im Kosch produziert worden sind. Nachdem hier allesamt Fachleute und Spezialisten versammelt sind sollte es kein Problem sein, aus diesen Einzelteilen erneut eine der fürchterlichsten Belagerungsmaschinen zusammenzubauen. Und damit es nicht zu einfach ist, werden wir vorher gemeinsam ingerimmgefällige elf Runden um den Platz gedreht haben - es geht schließlich nichts über eine gute körperliche Verfassung! Also, auf!” Mit diesen Worten setzte sie sich an die Spitze und lief los.

Nach etwa elf Runden Dauerlauf

Hechelnd und japsend kamen die Mitglieder von Thalias Geschützgruppe nach dem Dauerlauf bei den Einzelteilen wieder an, die einmal ein Angbarer Bock waren. Die Soldatinnen und Soldaten schauten erneut fassungslos auf die Einzelteile. Thalia schaute sich ihre Leute einen Augenblick an, dann schritt sie ein: “Also, Mädels und Jungs, an eurer körperlichen Verfassung werden wir in den nächsten Tagen und Wochen fleißig arbeiten. Und nun: in Reihe aufstellen!” Einen Augenblick wartete sie, bis sie in Reih und Glied standen. Tadelnd den Kopf schüttelnd, da ihr das alles zu langsam ging, wandt sie sich erneut an ihre kleine Truppe.

“Hergehört! Einige von euch mögen denken, die Lützelburger hat sie nicht alle. Andere mögen sich jemand anderen hier als Geschützmeisterin wünschen. Aber ich sage euch eins: Wir sind hier als eine Geschützgruppe aufgestellt worden. Wir stehen als menschliche Geschützgruppe unter Beobachtung aller. Und ich sage euch eines: Wir werden uns hier gemeinsam beweisen oder gemeinsam untergehen. Uns ist eine der wertvollsten Belagerungswaffen überlassen worden, die der Kosch zu bieten hat. Und das werden wir achten! Dazu gehört, dass wir unseren Bock in- und auswendig kennen. Und deswegen werden wir uns nun daran machen, unseren Bock selbst zusammenzubauen. Und wir werden das schaffen, denn wir sind gut! Verstanden?” Ihre Rotte antwortete sehr verhalten. “Ich habe euch nicht verstanden. Wir kriegen das hin. Wir schaffen das!” Die Reaktion der Truppe wurde lauter, war aber immer noch zurückhaltend. “Wir schaffen das - wir sind Angbarer Sappeure!” Jetzt wurde ihre Gruppe langsam lauter, voller. “Wir schaffen das! Wir sind Angbarer Sappeure! Für den Kosch!”

“WIR SCHAFFEN DAS! WIR SIND ANGBARER SAPPEURE! FÜR DEN KOSCH!”

Jetzt hatte sie ihre Soldaten da, wo sie sie haben wollte. Stetig die Parole wiederholend machte sich die Geschützgruppe daran, aus den Einzelteilen, die vor ihnen lagen, den Bock zusammenzusetzen. Der Zusammenbau ging erst langsam vonstatten, doch das wichtigste war: er ging voran. Ihre Frauen und Männer lernten schnell, unterstützen sich, arrangierten sich, halfen einander. Und schließlich, schließlich waren sie fertig, schneller als gedacht. Die ersten wollten schon feiern.

“Geschützmannschaft STILLGESTANDEN! Sehr gut, der Bock steht. Und nun wollen wir das gute Ding einschießen. AaaaachtUNG!” Thalia von Lützelburg ließ erst gar keinen Schlendrian einkehren. Direkt nach dem Zusammenbau des Bocks ließ sie antreten und dann sogleich mit dem Einschießen beginnen. Thalia wies ihren Adjudanten an, viele Dinge zu notieren. Dann löste sie persönlich den ersten Schuß aus, den sie zuvor mit ihrem Stellvertreter eingemessen hatte. Sie war nicht zufrieden. Das würde noch ein langer Weg werden.

“Also gut! Noch einmal von vorn. Nicht zur Strafe, nur zur Übung! Auf!”