Auferstanden - Ambitionierte Heimkehr

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1. Peraine 1042, Angbarer Zitadelle

Der Angroscho, der als nächstes das Gesprächszimmer betrat, war groß von Wuchs für einen Vertreter des Volkes der Groscha-roroxim-angrasch. Er besaß kupferrotes, zu einem breiten Kamm aufgestelltes Haupthaar, während die Seiten der Kopfhaut blank rasiert waren. Der Bart, welcher ihm bis zur Gürtelschließe reichte, war praktisch zu einem einzelnen, dicken Zopf geflochten. Bartschmuck in Form eines massiven Hammerkopfes war an seinem Ende befestigt und sorgte dafür, dass der Zopf immer senkrecht zu Boden wies.

Angetan in einem prächtigen Vollkettenpanzer, über dem am Torso noch ein kunstvoll mit zwergischer Ornamentik verzierter Kürass lag, stand er mit seinem Prunkhelm unter dem linken Arm stolz und aufrecht.

Stumm streckte der Angroscho den Arm aus und überreichte der Wehrmeisterin ein Bündel Papiere. Die verschnürten Dokumente, welche mit einem mittelreichischem Siegel verschlossen waren, beinhalteten die Beglaubigung seiner Dienstzeit sowie seines Ranges.

Militärisch war der Ton, mit der der Soldat zu sprechen begann. "Thorix, Sohn des Bergvogtes von Ârxozim - Tharnax Sohn des Thorgrimm.

Ich diente dem Raulschen Reich im Schanz- und Sappeurregiment der Maulwurfsgarde, auch als Garether Sappeure bekannt. Zwei Jahrzehnte bekleidete ich den Rang eines gemeinen Soldat, bevor das Garderegiment im Jahr 1029 nach Bosparans Fall aufgelöst wurde. Den Garether Maulwürfen, welche sich aus den verbliebenen Soldaten bildeten, diente ich von da an als Unteroffizier, bevor ich vor kurzem um Freistellung bat, um meiner Heimat zu dienen."

Mehr Worte waren unnötig. Mit einem knallen seiner Stiefel trat der Soldat wieder rückwärts.

Die beiden Angroscho betrachteten den Zwergen, während Alvide die Papiere las und nickte. „Ist alles besiegelt und beglaubigt.“

Murgrim Kupferblatt nickte. „An deinen Vater kann ich mich noch erinnern. Er war einst Hauptmann der Sappeure. Er hat es unterdessen weit gebracht, wie mir scheint.“

Ruglax Sohn des Regolosch nickte. „Und doch stellen wir kein Regiment aus den Söhnen verdienter Streiter auf. Deine Taten müssen für dich sprechen, nicht dein Vater. Wie mir scheint, hast du ja ein wenig Erfahrung gesammelt, aber warum bei den Maulwürfen und nicht den Sappeuren? Das ist doch ein zweitrangiges Regiment, oder bist du gar zu jung, um überhaupt bei den Sappeuren gedient zu haben? Bist du denn überhaupt schon dreistellig?“

„Nein.“ Das kam zackig. „Ich habe 90 Sommer gesehen“, antwortete Thorix wahrheitsgemäß, um dann sogleich die restlichen Fragen zu beantworten.

„Gerade der Name meines Vaters war es, der mich dazu bewogen hat, nicht im Kosch zu bleiben, sondern in der Fremde meine eigenen Erfahrungen zu sammeln. Ich wollte nicht, dass man mir irgendetwas vorhalten kann. Zudem“, der Zwerg räusperte sich, „bin ich nicht innerhalb eines Bundes gezeugt. Meine Mutter war einfache Soldatin, ebenso wie mein Vater einer war vor seiner Berufung zum Hauptmann. Wir hatten nicht immer das beste Verhältnis zueinander.“ Dies war eine Eröffnung, die Ruglax ein schweigendes Nicken abrang. Soviel Ehrlichkeit war nicht selbstverständlich.

Thorix indes straffte sich von neuem, bevor er fortfuhr. „Wie dem auch sei. Ich bin Gareths und des Söldnerdaseins überdrüssig geworden und sehe im neu entstehenden Regiment eine Chance, meiner Heimat zu dienen. Ich habe nun einen eigenen Namen.

Die Erfahrungen, die ich in meiner bisherigen Laufbahn sammeln durfte, sind vielfältig.. Gerade aber die letzten Jahre im Einsatz mit den Garether Maulwürfen in der Wildermark waren sehr lehrreich. Je heißer die Flamme, desto besser der Stahl.

Meine Spezialität sind Tunnelbau und die Sabotage - das gezielte einstürzen lassen von Mauerabschnitten und Wehrbauten im allgemeinen. Statik und Mechanik meine Fachgebiete.“

Diesmal war es Alvide, die nickte und den anderen beiden Prüfern damit zu verstehen gab, dass der Angroscho zumindest einmal geprüft werden sollte aufgrund seiner Expertise, auch wenn man skeptisch war.

Thorix wurden Baupläne einer Burg vorgelegt. „Berechne den für dich logischsten Ansatz und zeichne den Tunnel ein, den du graben lassen würdest, um eine Bresche zu schlagen“, gab die Wehrmeisterin Anweisung.

Der Soldat griff sogleich nach der parat liegenden Kreide und Schiefertafel und machte sich daran, das geforderte zu liefern. Ein halbes Stundenglas sollte es dauern, bis er sich dann den Bauplan vornahm und mit Lineal und Federkiel begann, die zu verrichtende Arbeit darzulegen. Ein weiteres halbes Stundenglas später drehte er den Plan zu den beiden Angroschim und der Wehrmeisterin.

„Hier“, Thorix deutete mit dem Zeigefinger zu einem Punkt kurz neben dem Zwingertor der Burg. „Dies ist der einzig sinnvolle Punkt, um anzusetzen. Die Fundamente sind allesamt stark, aber wenn wir hier mit einem Tunnel durchbrechen, ist es möglich, einen Erdrutsch in die Kellergewölbe jenes Palasgebäudes auszulösen, die die Mauern stark schwächen, wenn nicht sogar einstürzen lassen würden“, rekapitulierte er seine Überlegungen trocken. „Schwierig, aber möglich. Alternativen sind nicht vorhanden.“

Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete Murgrim die Zahlenkolonnen auf der Schiefertafel, während sein Blick immer wieder hinüber zum Bauplan hinüberschweifte. Lange grübelte er - vollzog die Berechnungen gründlich nach - doch einen Fehler fand er nicht. „Korrekt“, war der Schluss, zu dem er letztlich kam.

„Gut“, befand Alvide von Eichental daraufhin. „Wir werden überdenken, ob und wie wir deine Talente zum Einsatz bringen werden. „Wegtreten.“