Ankunft in Moorbrück - Unterdessen bei Eisenkobers Wacht

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1032 BF

Die gutmütige Alma hatte sich hart dabei abgerackert, das schnelle Tempo zu halten und dennoch auf den Weg achtzugeben. Als die beiden Ritter mit ihr nun am späten Vormittag an der Ruine von Burg Moorwacht standen, musste sie erst einmal Atem holen, während Edelbrecht und Boromil abstiegen.
Edelbrecht sah, dass die Frau völlig außer Puste war, und sagte ihr gutmütig: "Verschnauf nur ruhig, Alma. Pass auf unsere Pferde auf, während wir zu den Magiern gehen."
Das Wort "Magier" hatte er mit einem deutlichen Misstrauen ausgesprochen und dabei schnell nach rechts in Richtung Burgturm geblickt, so als ob er sich von einer bösen Macht beobachtet fühlen würde. Die Grantelweiherin war sichtlich erleichtert darüber, dass sie nur die Pferde versorgen musste und nicht mit den Rohalswächtern selbst in Kontakt treten würde. Auch wenn die Weißmagier ohne Zweifel gut waren - man wusste doch nie, woran man war bei diesen Zauberkundigen...
Boromil benutzte den Eisenring, um an die Tür des Turms zu klopfen, der üblicherweise von insgesamt sieben Magiern bewohnt wurde. Nach kurzer Zeit öffnete sich eine Klappe.
"Ihr wünscht?", fragte eine männliche Stimme, während eisgraue Augen die beiden abschätzend ansahen.
"Wir sind Edelbrecht von Borking und Boromil vom Kargen Land, beide Ritter von Moorbrück, und bringen einen Gegenstand, der magisch sein könnte", hob Boromil zu sprechen an.
"Wir sind keine Auskunftei, die nach Belieben Gegenstände für andere Leute untersucht", antwortete die Stimme tonlos.
Edelbrechts Augen blitzten auf, so dass Boromil rasch nachsetzte: "Ich bitte um Verzeihung, falls ich mich unklar ausgedrückt haben sollte. Wir haben einen Stein im Sumpf geborgen, der in einer auffällig verzierten Schatulle aufbewahrt wurde"
"Die sich in einem versteckten Kellergewölbe befand." fügte Edelbrecht hinzu.
"Und zwar in den Ruinen von Klippbrühl!"
Die Augen bewegten sich, was darauf schließen ließ, dass ihnen Ihr Gegenüber hinter der Tür zunickte und damit gebot weiterzusprechen. Boromil nutzte seine Chance.
"Dort befindet sich die Ruine eines Turms, der einst Zulipan von Punin gehört haben soll. Vielleicht ist das nur Aberglaube und Ihr wisst mehr; wir konnten es jedenfalls nicht mit Sicherheit ausschließen und haben daher beschlossen, den fragwürdigen Stein samt Behälter zu Euch zu bringen, wo er analysiert und sicher verwahrt werden kann."
Beim letzten Teil des Satzes verzog Edelbrecht den Mund und sah zu Boromil hinüber, ihm deutlich zu kennen gebend, dass der diese Einschätzung nicht teilte.
Der Sehschlitz wurde geschlossen. Unmittelbar darauf erklang das Geräusch eines Riegels, der beiseite geschoben wurde, dann öffnete sich die Tür. Wie sie nun sehen konnten, war der Magier, mit dem sie gesprochen hatten, etwa vierzig Jahre alt, schlank und hatte kurzgeschorene braune Haare. Mit seinem ernsten Gesicht, seiner mageren Statur und der eher einfachen Kleidung wirkte er eher wie ein Mönch. Der Umhang schien einst Weiß gewesen zu sein, war nun jedoch von ähnlichem grau wie das über dem Untergewand liegende Skapulier.
Boromil wickelte die Schatulle aus dem Tuch und überreichte sie. Der Magier, welcher sich bis jetzt noch nicht vorgestellt hatte, nickte, als er das Zeichen auf dem Deckel sah und erneut, als er einen ersten Blick auf den Stein warf.
"Die Leiterin von Eisenkobers Wacht ist gerade mit einer anderen Sache im Sumpf beschäftigt", er meinte Thalessia von Herbonia, "aber wir haben gerade einen Boten aus Rohalssteg hier, der das mögliche Artefakt dorthin bringen kann, falls sich das als notwendig erweisen sollte."
Er dreht den Kopf zur Seite und rief "Morena!" Schritt erklangen auf der Treppe und eine junge brünette Magierin betrat den Raum. Als sie die Ritter sah, guckte sie einen Moment überrascht. Bevor der Magier sie vorstellen konnte, sagte Boromil bereits mit einer gespielten Lässigkeit "Hallo, Schwester.", worauf sie nur "Boromil? Was machst Du denn hier?" erwidern konnte.
"Ihr seid Geschwister?", wandte sich der Magier an Morena.
"Aber ja, das ist mein Bruder Boromil Greifbert. Er heißt auch vom Kargen Land - so wie ich. Hast Du das nicht gemerkt?"
"Nun, er sagte, er sei Ritter der Baronie Moorbrück. Du hingegen stammst aus Zwischenwasser."
Wieder wirkte Morena erstaunt. Boromil freute sich, seine sonst so kluge Schwester zweimal so kurz hintereinander überrascht zu haben, noch dazu in Anwesenheit anderer, wollte aber seine Mission nun lieber so schnell wie möglich abschließen.
"Um es kurz zu machen: Wir sollen auf Beschluss des Fürsten eine Siedlung im Sumpf errichten und das Land urbar machen. Bei der Besichtigung eines der Bauplätze sind wir auf dieses Kästchen gestoßen, welches wir sofort in die Obhut der Wächter Rohals übergeben wollten."
Morenas Augen weiteten sich zunächst bei diesen Neuigkeiten, dann jedoch hatte sie sich rasch wieder unter Kontrolle. Sie wandte sich an ihren Ordensbruder.
"Nun gut, wenn ich die Schatulle nach Rohalssteg bringen soll, sag mir nur Bescheid und ich reite sofort los."
"Apropos losreiten", meldete sich Edelbrecht zu Wort, "wir beide haben noch einen Termin im Moor und sollten jetzt langsam weiter."
"Oh, natürlich, Herr..."
"von Borking. Edelbrecht von Borking."
Er konnte sich ein gewisses Lächeln nicht verkneifen. Diesen Magiern hatten sie es ja wohl gezeigt! Nach einer kurzen Verabschiedung und einem späten, aber aufrichten Dank von den Magiern bestiegen die Ritter wieder ihre Pferde.
Alma hatte inzwischen gute Laune.
"Der Nebel is' wech'. Nun könn'n wir leichter weiter."
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt.